In „Zsömle ist weg” überrascht László Krasznahorkai mit einem Roman voller milder Melancholie, sarkastischem Humor und großer Seltsamkeit.
"Immer wenn man glaubt, man kann es in irgendeiner Weise interpretieren, klappt sich die nächste Deutungsebene aus." (Eva Menasse, ZDF/Das Literarische Quartett, 05. Dezember 2025)
Wer vor der Politik flieht, den sucht sie heim. Onkel Józsi hat alles getan, um vor den Augen der Welt zu verschwinden; seine Familie und seine Herkunft hat er geheim gehalten. Doch er ist Spross einer jahrhundertealten Adelslinie, die auf verschlungenen Wegen bis zu Dschingis Khan zurückreicht. Er könnte sogar Anspruch auf den ungarischen Thron erheben, doch er will sich nicht in die Politik einmischen und lebt wie all seine Vorfahren im Verborgenen.
Doch dann wird er von einer merkwürdigen Schar vermeintlicher Anhänger aufgespürt: unverbesserliche Monarchisten und verschrobene Archivare. Mit Ungarn gehe es bergab, der Glanz sei dahin, alles sei verloren – darin sind sich alle einig. Als sie ihre Pläne enthüllen, zerreißt das Gespinst. Die Nähte des Lebens sind verschlissen, die Gedanken jagen sich im Kreis und Glück gibt es nur noch retrospektiv. Es bleibt nur die Flucht …
In episch-melodischer Sprache, die sich dem Schlusspunkt verweigert und wie ein fließender Strom voranschreitet, erzählt László Krasznahorkai in seinem neuen Roman »Zsömle ist weg« die Geschichte eines geheimen Thronfolgers, der im politischen Wirrwarr der ungarischen Gegenwart für stabile Verhältnisse sorgen soll – doch er ist nicht bereit, diese Verantwortung zu übernehmen.
László Krasznahorkai, Zsömle ist weg, Roman
Nobelpreis für Literatur 2025
Übersetzt von: Heike Flemming
ISBN: 978-3-10-397667-0
304 Seiten
Verlag: S. Fischer