21. August 2020 - 5:36 / Ausstellung / Malerei / Bildhauerei 
28. August 2020 6. Januar 2021

Der Maler und Bildhauer Zbyněk Sekal war ein kritischer Denker, ein analytischer Beobachter seiner Zeit und ein Poet im Umgang mit Material: Seine Auseinandersetzung mit Gefangenschaft und Exil wirken gerade heute – in der krisenbedingten Umbruchstimmung – aktueller denn je. Über siebzig seiner Objekte werden nun im Belvedere 21 inszeniert. Die Ausstellung veranschaulicht den Triumph menschlicher Kreativität über die Missgunst der Zeit.

Das facettenreiche Werk des Bildhauers Zbyněk Sekal (Prag 1923 – Wien 1998) lässt sich aus vielen Perspektiven lesen: Es wurde bereits in den 1960er-Jahren in den avantgardistischen Künstler_innenkreisen Prags und Wiens sehr geschätzt. Sekals Schaffen trägt die Spuren seiner Herkunft aus der Prager surrealistischen Tradition. Es umfasst frühe Malereien, Materialbilder sowie Skulpturen aus Bronze und Stein.

Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 emigrierte Sekal über Deutschland nach Wien. Hier entstanden neben Materialbildern und anthropomorphen Skulpturen seine "Schreine", genannt Schránky. In ihnen manifestiert sich Sekals poetische Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Isolation, mit dem Verschwinden sowie mit dem Gefangensein. Die Welt scheint im Werk von Zbyněk Sekal als Labyrinth, in dem der Mensch sich zu entfremden droht. Sekals Arbeiten verweisen auf die Fragilität des Individuums, seine anthropomorphen Gebilde stehen sinnbildlich für die menschliche Identität und für das Freiheitsbewusstsein in der Zeit des Kalten Kriegs. Darin verarbeitet finden sich nicht nur persönliche Erlebnisse, sondern auch Sekals Auseinandersetzung mit der Philosophie der Phänomenologie und des Existenzialismus.

Die Ausstellung im Belvedere 21 ist Teil eines Belvedere-Forschungsprojekts zur Kulturlandschaft Mitteleuropas in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Biographie

1923 Zbyněk Sekal wird am 12. Juli in Prag geboren.
1934–45 - Während seiner Studienzeit Engagement für politisch linksorientierte Organisationen. Wegen der Verbreitung antinazistischer Flugblätter wird er verhaftet und bis zum Kriegsschluss im Gefängnis (Prag-Pankrác) und in Konzentrationslagern (Theresienstadt, Mauthausen) inhaftiert. Bis zu seiner Festnahme pflegt er Kontakte zu jungen Schriftsteller_innen, die 1943 die Surrealistengruppe Spořilovští surrealisté gründen.
1945–50 - Studium der Malerei an der Hochschule für angewandte Kunst in Prag (Vysoká škola uměleckoprůmyslová, „Umprum“). 1947 erste Reise nach Paris, wo er die Internationale Surrealismusausstellung besucht. Begeisterung für das Werk Jean Dubuffets. Nach dem kommunistischen Putsch 1948 in der Tschechoslowakei bricht er das Studium ab.
1951–53 - Arbeitet als Werbegrafiker und Verlagsredakteur im Verlag für politische Literatur. Freundschaft mit dem Philosophen Ivan Dubský, er selbst führt Tagebücher mit philosophischen Überlegungen.
1953–58 - Umzug nach Bratislava. Übersetzt aus dem Deutschen Franz Kafka, Georg Büchner, Günter Grass, Ludwig Feuerbach und Karl Marx. 1957 Mitbegründer der Künstler_innenvereinigung Skupina Máj 57. Erste Ausstellungseröffnung am 31. Mai 1957 im Prager Gemeindehaus.
1958–61 - Rückkehr aus Bratislava nach Prag. Reisen nach Moskau, Sankt Petersburg, Warschau und Danzig.
1961–68 - Teilnahme an internationalen Symposien: Keramiksymposium in Gmunden (1964, 1965), Bildhauersymposium Sankt Margarethen (1966), Bildhauersymposium Vyšné Ružbachy (1967). Die sowjetische Okkupation 1968 zwingt ihn letztendlich zur Emigration nach Deutschland.
1969–70 - DAAD-Stipendium in Berlin. Gestaltung einer Wand im David-Hansemann-Haus in Düsseldorf.
1970 - Im September Umzug nach Wien, wo er bis zu seinem Tod wohnhaft bleibt.
1971 - Einzelausstellungen in der Galerie im Griechenbeisl Wien und in der Galerie Maerz in
Linz, Teilnahme an der Gruppenausstellung Imago im Schloss Lengenfeld bei Krems.
1972–74 - Lehrbeauftragter an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart.
1974 - Beitritt zur Wiener Secession.
1977–79 - Innenausstattung der Guthirtenkirche in Lustenau. Einzelausstellungen in der Neuen Galerie Graz, im Kunstmuseum in Bochum und im Museum des 20. Jahrhunderts in Wien.
1980–81 - Stipendium des Stedelijk Museum in Amsterdam.
1984 - Preis der Stadt Wien für Bildhauerei.
1989 - Einmonatige Reise durch Japan.
1997 - Retrospektive in der Galerie der Hauptstadt Prag.
1998 - Am 24. Februar stirbt Zbyněk Sekal in Wien.

Zbyněk Sekal
Kurator: Harald Krejci
28. August 2020 bis 6. Jänner 2021

Belvedere 21
Quartier Belvedere
Arsenalstraße 1
A - 1030 Wien

W: https://www.belvedere.at/bel_de/belvedere/belvedere_21

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  28. August 2020 6. Januar 2021 /
 Zbyněk Sekal, Stillstand, 1966  Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
Zbyněk Sekal, Stillstand, 1966 Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
 Zbyněk Sekal, Ohne Titel, undatiert  Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
Zbyněk Sekal, Ohne Titel, undatiert Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
 Zbyněk Sekal, Schrein mit Hundchen, 1986  Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
Zbyněk Sekal, Schrein mit Hundchen, 1986 Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
 Zbyněk Sekal, Loch, 1977  Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
Zbyněk Sekal, Loch, 1977 Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
 Zbyněk Sekal, Schema eines zweckgemäßen Betriebes, 1964  Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
Zbyněk Sekal, Schema eines zweckgemäßen Betriebes, 1964 Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
 Zbyněk Sekal, Wien Toter Kopf, 1957  Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
Zbyněk Sekal, Wien Toter Kopf, 1957 Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
 Zbyněk Sekal, Wien Kopf, 1962  Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy
Zbyněk Sekal, Wien Kopf, 1962 Privatbesitz / © Bildrecht, Wien / Foto: © Johannes Szilvássy