Das Fotomuseum WestLicht in Wien präsentiert die wichtigste Leistungsschau der internationalen Pressefotografie und feiert dabei ein doppeltes Jubiläum: Zum einen ist die Ausstellung „World Press Photo” im Jahr des 25-jährigen Bestehens von WestLicht zum 25. Mal in der international maßgeblichen Institution zu Gast. Gezeigt werden rund 150 prämierte Arbeiten. Sie führen durch sechs Weltregionen und vermitteln Kriege und politische Konflikte ebenso wie die Folgen der Klimakrise, persönliche Schicksale, kulturelle Traditionen und Momente von Hoffnung und Widerstand. Die Ausstellung eröffnet somit einen Blick auf das Weltgeschehen und die Menschen, die davon betroffen sind und es mitunter auch verändert haben.
Die Fotojournalistin Chantal Pinzi wurde für ihr Projekt „Farīsāt: Gunpowder’s Daughters” mit einem World Press Photo Award ausgezeichnet. Ihre Serie über Reiterinnen in Marokko, die sich eine über Jahrhunderte ausschließlich Männern vorbehaltene Tradition aneignen, gilt inzwischen weltweit als Symbol für Emanzipationsbewegungen. Die Tbourida, eine bis ins 16. Jahrhundert zurückreichende marokkanische Reittradition, ist von der UNESCO als Kulturerbe anerkannt. Pinzis Bilder stellen jene Frauen in den Mittelpunkt, die sich mit großem persönlichem Einsatz ihren Platz in dieser traditionell von Männern dominierten Welt erkämpft haben. Die Reiterinnen, die als Farīsāt bezeichnet werden, finanzieren Pferde, traditionelle Kleidung und Ausrüstung vielfach selbst. Ihr Engagement steht somit nicht nur für die Aneignung eines kulturellen Erbes, sondern auch für die Veränderung gesellschaftlicher Rollenbilder. Heute gibt es unter den rund 300 Tbourida-Gruppen in Marokko sieben rein weibliche Gruppen.
Das „World Press Photo” des Jahres der US-amerikanischen Fotojournalistin und vierfachen Pulitzer-Preisträgerin Carol Guzy dokumentiert die dramatischen Folgen der verschärften US-Einwanderungspolitik. Somit steht es stellvertretend für die gesellschaftlichen Konflikte um die Behörde ICE, die die Nachrichten vor allem im vergangenen Winter auch hierzulande geprägt haben. Guzys Aufnahme „Separated by ICE” entstand am 26. August 2025 in einem New Yorker Gerichtsgebäude. Das Foto zeigt die beiden Töchter des Ecuadorianers Luis, die sich nach der Festnahme ihres Vaters durch ICE-Agenten verzweifelt an ihn klammern. Das Foto erzählt anhand eines konkreten Beispiels vom Auseinanderreißen von Familien und von einem Klima der Angst und Unsicherheit, in dem viele undokumentierte Migrant:innen in den USA durch die Abschiebungspolitik der Regierung leben müssen. Guzy hatte die Vorgänge vor dem Gericht über Monate hinweg dokumentiert – vielfach ohne Auftrag und mit eigenen Mitteln.
Neben den Kriegen in der Ukraine und in Palästina richten viele der prämierten Arbeiten den Blick auch auf Konflikte und Geschichten, die hierzulande bislang wenig Aufmerksamkeit erfahren haben. So führen die Bilder etwa nach Kathmandu, wo die gewaltsam niedergeschlagenen Proteste der Generation Z dokumentiert wurden, oder nach Pakistan, wo die Folgen des Konflikts in der Region Kaschmir in den Geschichten einzelner Menschen sichtbar werden.
Sie verdeutlichen die globalen Auswirkungen der Klimakrise – von Los Angeles bis zu den Philippinen, von Mexiko bis nach Norwegen – und erzählen zugleich von zivilem Engagement und dem Kampf für Rechte, etwa in Protestbewegungen in den USA oder in Frauenbewegungen in Guatemala und Kenia. In intimen Bildern beleuchten sie die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens zwischen Krankheit, Isolation, Trauer und Überleben ebenso wie die Geschichten einer jüngeren Generation – von Balletttänzer:innen in Südafrika bis zu Jugendlichen in den Banlieues Frankreichs.
Der World Press Photo Contest 2026 versammelt die besten Arbeiten aus 57 376 eingereichten Fotografien von 3747 Fotograf:innen aus 141 Ländern. Die 42 ausgezeichneten Fotograf:innen wurden von einer unabhängigen, internationalen Jury aus 31 Expert:innen ausgewählt. Die knapp 150 ausgestellten Bilder führen durch sechs Weltregionen und verbinden große politische und gesellschaftliche Entwicklungen mit persönlichen und lokalen Geschichten.
World Press Photo 2026
11. September bis 22. November 2026