Sa, 03.11.2018 / Bernhard Sandbichler / Oktopus
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... und reden einfach Klartext. Was heilsame Schocks auslösen kann, wie Miriam und Ezra Elia in ihrem Mistkäfer-Buch 1a beweisen.

1. Die Story: Warum in eine Ausstellung gehen? "Mutti will uns die Kunst zeigen."

2. Die HeldInnen: Susan heißt das Mädchen, John der Bub. Mutti erklärt alles, zB: "In dem Raum ist nichts, weil Gott tot ist."

3. Der Sound: Das klingt eindeutig kindgerecht, pädagogisch wertvoll, didaktisch einmalig.

4. Coole Bilder: Alles ist hier im Stil der britischen Ladybird-Easy-Reading-Books der 1970er Jahre gehalten: adrette Klamotten, akkurater Haarschnitt, Fotos mit Wasserfarben-Lasur - eine handwerklich perfekt gemachte Parodie.

5. Coole Wörter: ... sind die jeweils "neuen Wörter", pro Seite drei, etwa: "Penis - Sex - Gemälde" oder "Vagina - groß - feministisch".

6. Zum Nachdenken: ""Ich konnte keine Künstlerin werden, weil ich euch bekommen habe", sagt Mutti."

7. Der AutorInnen: Die Geschwister Miriam und Ezra Elia haben schon einmal einen Hit gelandet. Das Tagebuch von Edward dem Hamster 1990-1990 ist großartige Satire. Wir gehen in eine Ausstellung steht dem in nichts nach. Diesmal legten sich die beiden mit dem mächtigen Penguin Books-Konzern an, der das Copyright für die in Design und Methode parodierten Originale hält, aber mit seinem Unterlassungsanspruch abblitzte. Chuzpe gewinnt: "It’s an artwork. I can do what I like." Zum Vorteil der LeserInnen. Zwischenzeitlich liegen drei Folgebändchen vor - 1b bis 1d, die im eigens eingerichteten Dung Beetle (Mistkäfer)-Label herauskamen und deren Erscheinen auf Deutsch man ungehemmt sehnsüchtig erwarten darf.

8. Die Bücher: Miriam Elia und Ezra Elia: Wir gehen in eine Ausstellung. Aus dem Englischen von Moritz Kirschner. München: Antje Kunstmann 2018, 46 Seiten, EUR 12,40



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