In der Ausstellung in St. Pölten, die sich mit dem Älterwerden befasst, dreht sich alles um das Leben, Wohnen und Bauen in diesem immer wichtiger werdenden Lebensabschnitt. Praxisbeispiele aus ganz Österreich und den Nachbarländern regen zur Nachahmung an.
Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Veränderungen der Wohnsituation durch altersbedingte Umstände werden in Österreich jedoch oft erst in letzter Minute umgesetzt. Gängige Maßnahmen wie ein barrierefreier Umbau, Treppenlifte und Notfallknöpfe werden dann oft erst in Betracht gezogen, wenn ein Umzug in ein Pflegeheim unvermeidlich scheint. Zugleich sind unsere Wohnvorstellungen konservativ und stark vom Leben der Kernfamilie geprägt. Auch die klassische Wohnbauförderung konzentriert sich auf wenig innovative Neubauten. Umso wichtiger ist die Verbreitung alternativer Wohnformen, um den nötigen Kurswechsel in der Förderpolitik und im Pflegesystem zu unterstützen.
Die Ausstellung versammelt nachahmenswerte Beispiele aus den Bereichen Architektur, Bauwesen, Pflege, gemeinschaftliches Wohnen, Stadt- und Regionalentwicklung sowie Caring Communities aus ganz Österreich. Aber auch internationale und speziell niederösterreichische Projekte dienen als Inspiration für alternative Wohnformen und innovative Konzepte.
Ein Garant für Selbstständigkeit im Alter sind kurze und barrierefreie Wege. „Wir brauchen das 5-Minuten-Dorf“, argumentiert Franz Koppelstätter, der ehemalige Leiter des afo Architekturforums Oberösterreich, wo die Ausstellung entstand. Damit könne man zugleich das soziale Gefüge stärken und der Verödung von Ortskernen entgegenwirken. Wenn ältere Bewohner:innen in belebte Ortskerne zurückkehren, bringen sie Erfahrung, Kaufkraft und Gemeinschaftssinn mit – ein Gewinn für alle Generationen.
Damit Menschen möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden bleiben können, muss sich auch das Pflegesystem anpassen: weniger Bürokratie, mehr flexible Leistungen und echte Wahlfreiheit – sowohl bei der Pflege als auch bei der Wohnform. Das würde langfristig auch zur Entlastung der überlasteten Pflegefinanzierung beitragen.
„Wie geht’s, Alter?“
Gemeinsam Räume für die Zukunft schaffen
23. Jänner bis 18. März 2026
Ort: USTP – University of Applied Sciences St. Pölten, Aula im Gebäude B, Campusplatz 1, St. Pölten, Mo–Fr 7–19 Uhr, Sa 7–14 Uhr