Werke aus dem Kunstarchiv der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel

Die Reihe „Werke aus Schweizer Psychiatrien” des Open Art Museums wird durch die Ausstellung „Ein Traum von einem Ballkleid” erweitert. Erstmals werden künstlerische Arbeiten aus dem Kunstarchiv der UPK Basel öffentlich gezeigt.

Die Ausstellung lenkt den Blick auf bislang unbekannte Sammlungen und künstlerische Konvolute aus dem Kunstarchiv der UPK Basel. Dabei sollen auch neue Perspektiven der Healing Art und kreative Wege der mentalen Gesundheitsförderung eröffnet werden. Nach der Präsentation in den UPK Basel zwischen Dezember 2024 und März 2025 ist die Ausstellung im Open Art Museum, dem Zentrum für Schweizer Outsider Art, Art Brut und naive Kunst, zu sehen. Sie wurde um zusätzliche Werke ergänzt, die den Einblick in den Bestand vertiefen.

Die gezeigten Arbeiten wirken wie gesellschaftliche Seismografen. In ihnen spiegelt sich die Wahrnehmung der Welt zu unterschiedlichen Zeiten auf persönliche und direkte Weise wider. Die meisten der künstlerischen Arbeiten aus dem Bilderarchiv UPK Basel wurden von Patient:innen vor Ort in den Jahren 1960 bis 1990 geschaffen und sind nun zum ersten Mal öffentlich zu sehen. Zuvor wurden nur die in den UPK entstandenen Gemälde von Adelheid Duvanel gezeigt.

Die Geschichte der Art Brut beginnt mit dem großen Interesse aufgeschlossener, psychoanalytisch interessierter Psychiater und avantgardistischer Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts an künstlerischen Arbeiten aus psychiatrischen Kliniken und Heil- und Pflegeanstalten. Während die Ärzte in den Werken vor allem einen diagnostischen Zugang und die positiven Auswirkungen kreativer Tätigkeit auf die Patient:innen sahen, suchten die Künstler:innen den befreiten künstlerischen Ausdruck. Losgelöst und unbeeinflusst von gesellschaftlicher und kultureller Indoktrination seien diese Werke entstanden und damit Ausdruck einer „echten” und „ursprünglichen” Kunst, in der sich die „unbewussten Komponenten […] fast rein verkörpern” (Hans Prinzhorn, 1922). So formulierte der Künstler Jean Dubuffet 1945 mit dem Begriff „l’art brut” ausdrücklich eine subversive Gegenbewegung zur „l’art culturel”. Bis heute hält jene Sehnsucht nach einer existentialistischen Form des Ausdrucks an. Positionen der Art Brut und der weiter verstandenen Outsider Art sind fester Bestandteil jeder Biennale in Venedig und documenta. Aktuell wird in den internationalen Medien über den französischen Sammler Bruno Decharme berichtet, dessen Werkschenkungen an das Centre Pompidou unter dem Titel „Art Brut. Dans l’intimité d’une collection” im Grand Palais in Paris bis zum 21. September zu sehen sind.

Jenseits solcher großen Schauen mit international bekannten Künstler:innen schlummern bis heute viele ungesehene Werke und kaum beachtete Sammlungen in psychiatrischen Kliniken und Staatsarchiven. Diesen will das Open Art Museum mit der Reihe „Verborgene Schätze aus Schweizer Psychiatrien” eine Bühne geben. In der Basler Ausstellung wurden den Werken aus dem Kunstarchiv Arbeiten aus der Sammlung des Open Art Museums aus dem psychiatrischen Kontext gegenübergestellt. Die St. Galler Ausstellung konzentriert sich hingegen auf den Bestand des Kunstarchivs der UPK. Aus der eigenen Sammlung sind lediglich Zeichnungen von Peter Wirz (1915–2000) zu sehen, der ebenfalls Patient in den UPK Basel war. Adelheid Duvanel (1936–1996), die wiederholt in den UPK Schutz suchte und dort erneut zu zeichnen begann, erhält ab dem 9. November 2025 eine Einzelausstellung im Open Art Museum.

„Ein Traum von einem Ballkleid”
Werke aus dem Bilderlager der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel
28. August 2025 bis 22. Februar 2026