Weibsbilder. Eros, Macht, Moral und Tod um 1500

Bilder von sinnlichen oder gar nackten Frauen sind für den heutigen Betrachter ganz alltäglich. Dass dies nicht immer so war, zeigt ein Blick zurück ins Mittelalter, als die Darstellung des weiblichen Aktes nur in einem sehr engen, von der religiösen Ikonografie vorgegebenen Rahmen möglich war. Erst mit der Entwicklung der profanen Kunst in der Renaissance etablierte sich das Bild der Frau und ihres Körpers als ein ebenso beliebtes wie vielseitiges Sujet, das aber immer noch spezifischen Regeln unterworfen war.

Eine wichtige Phase in der Entwicklung des Frauenbildes in der Kunst sind die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts, als die Anzahl der «Weibsbilder» schlagartig zunimmt und zahlreiche neue Bildthemen entstehen. Die Ausstellung Weibsbilder. Eros, Macht, Moral und Tod um 1500 fokussiert deshalb auf diese Zeit und zeigt rund 100 Werke von Künstlern wie Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Urs Graf, Niklaus Manuel Deutsch und Lucas Cranach – vor allem Zeichnungen und Druckgrafiken, aber auch Gemälde und Kleinstatuetten. Darunter befinden sich auch Werke, die nur selten oder noch nie gezeigt wurden.

Die Frau erscheint in diesen Werken abwechslungsweise als verführerische Venus, antike Tugendheldin oder mahnende Vanitas. Sie zeigt sich aber auch als listige Herrscherin über den Mann, verschlagene Dirne oder teuflische Hexe. Die Motive treten vor allem im Rahmen sittlicher Diskurse auf und spiegeln damals gängige Werte und Ideale wider, die oft von negativen Stereotypen geprägt waren. So galt die Frau zwar als Verkörperung des Sinnlichen und Schönen, vor deren Sündhaftigkeit und Vergänglichkeit aber stets gewarnt wurde. Auch fürchtete man sich davor, dass die Frau aufgrund ihrer weiblichen Reize Macht über den Mann ausüben könnte.

Ziel der Ausstellung ist es, die Weibsbilder in ihrer Vielfalt vorzustellen. Das Thema ist nicht nur in kunsthistorischer, sondern auch in kulturgeschichtlicher Sicht ergiebig und lässt sich mit zahlreichen aktuellen Fragen verknüpfen. Den Hintergrund bilden zeitgenössische Moral- und Tugenddiskurse, wie sie etwa in den Schriften des Erasmus von Rotterdam und Agrippa von Nettesheim greifbar sind. Die Werke werden in Hinblick auf Text- und Bildquellen aus der Alltagskultur interpretiert, wie sie sich in Flugblättern, Redensarten, Fasnachtsspielen und Volksschwänken erhalten haben.

Den grossen Kern der Ausstellung bilden die hervorragenden Sammlungsbestände des Kupferstichkabinetts des Kunstmuseums Basel, die ergänzt werden durch Leihgaben aus wichtigen nationalen und internationalen Sammlungen, darunter die Gemäldegalerie Berlin, die Albertina in Wien, das Städel Museum Frankfurt, die Gemäldegalerie Kassel, die Staatsgalerie Stuttgart, die Graphische Sammlung der ETH Zürich und das Historische Museum Basel.


Weibsbilder. Eros, Macht, Moral und Tod um 1500
7. Oktober 2017 bis 7. Januar 2018
Kunstmuseum Basel | Neubau, Foyer 1.UG