26. April 2012 - 3:30 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Zwei verlassene Kinder stoßen im australischen Outback auf einen jungen Aborigine, der sich auf seinem Walkabout, seiner dreimonatigen Initiationsreise, befindet. Wortarm, aber in faszinierenden Bildern vom Outback übt Nicholas Roeg Zivilisationskritik. Das Label Pierrot le Fou hat das 1971 gedrehte Regiedebüt in einer sehr schönen Digi-Box inklusive BluRay und umfangreichem Bonusmaterial auf DVD herausgebracht.

Als Nicholas Roeg nach einer gemeinsamen Regiearbeit mit Donald Cammell ("Performance") sein eigenes Regiedebüt drehte, konnte er bereits auf eine über 20jährige Karriere als Kameramann zurückblicken. Bei "Lawrence von Arabien" (1962) war der Brite als lichtsetzender Kameramann beteiligt, und hatte in der Folge unter anderem mit Roger Corman, Richard Lester, John Schlesinger und bei "Fahrenheit 451" (1967) mit Francois Truffaut zusammengearbeitet.

Selbstverständlichkeit war es, dass er auch bei seinem ersten eigenen Film die Kamera führte. Blitzlichtartige Bilder vom Leben in Sidney, in denen knapp Schulalltag eines etwa 14jährigen Mädchens (Jenny Agutter) und ihres jüngeren Bruders (Lucien John), aber auch die Bürowelt des Vaters und ihre private Lebenswelt mit Hochhauswohnung und Swimmingpool skizziert werden, werden unterbrochen von Bildern des menschenleeren Outback.

Mit einem Schnitt setzt die eigentliche Handlung dort ein. Der Vater und die zwei Kinder scheinen ein Picknick vorzubereiten, doch plötzlich steckt der Vater das Auto in Brand, beginnt auf das Mädchen und den Jungen zu schießen, bis er schließlich die Pistole gegen sich selbst richtet.

Allein stapfen die beiden Zivilisationskinder durch die fremde und scheinbar feindliche Welt, stoßen bei einem Wasserloch schließlich auf einen jungen Aborigine (David Gulpilil), der sich auf seiner Initiationswanderung, dem Walkabout, befindet. Eine Verständigung mit Worten ist nicht möglich, doch der Aborigine kümmert sich um die Kinder, führt sie durch fantastische Landschaften, deren Schönheiten auch das Mädchen entdeckt, zurück in die Zivilisation.

In die Bilder der Wanderung, die von einem eigenwilligen Soundtrack begleitet werden, schneidet Roeg nicht nur immer wieder Geckos und Skorpione, sondern auch kurze Szenen von einer Gruppe von Forschern sowie weißen Jägern, die – im Gegensatz zum Aborigine - mit ihren Gewehren beliebig Tiere abknallen.

Kontrastiert werden die Bilder auch von der Werbung für Zivilisationsgüter, die aus dem Transistorradio des Jungen und des Mädchens zu hören ist. Und schließlich setzt Roeg auch Signale für die erwachende Sexualität des Mädchens und zeigt, wie sie den jungen Aborigine zu begehren beginnt.

Offen zu Tage liegt so der Culture-Clash und die Zivilisationskritik, die speziell durch die erzählerische Klammer geübt wird, die Filmanfang und -ende bilden. Roeg interessiert sich aber nur wenig für realistisches Erzählen, versucht vielmehr in seinem Fluss der Bilder in die Welt der Aborigines einzutauchen. So wird der Film, der sich einen großen Rest an Rätseln bewahrt, für den Zuschauer selbst zu einem Initiationstrip, der ihn in den Outback und dessen unberührte Natur eintauchen lässt, ihm dessen Schönheiten, aber auch Gefahren vor Augen führt. Vor allem aber will Roeg hier wohl eine Freiheit zeigen und vermitteln, die es in der klar strukturierten, organisierten und kalten Welt der Zivilisation nicht gibt.

Neben dem Hauptfilm, der in englischer Original- und deutscher Synchronfassung sowie mit deutschen Untertiteln angeboten wird, beinhaltet die Digi-Box auch die BluRay zum Film sowie eine DVD mit Bonusmaterial. Auf letzterer finden sich eine einstündige Dokumentation über den Darsteller des Aborigines David Gulpilil, ein Interview mit Jenny Agutter, die das Mädchen spielt, sowie ein Interview mit der Ethnologin Jessica de Large-Healy und dem australischen Filmwissenschaftler Bernard Bories.

Originaltrailer zu "Walkabout"



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