17. Juli 2020 - 4:03 / Ausstellung / Malerei / Geschichte 
1. Juli 2020 6. März 2022

2020 feiert die Wachau ihr zwanzigjähriges Jubiläum als UNESCO-Weltkulturerbe-Region. Aus diesem Anlass zeigt die Landesgalerie Niederösterreich in einer umfassenden Schau, welchen Beitrag KünstlerInnen zur Entdeckung und Herausbildung des heutigen Welterbes geleistet haben. 800 Werke vom ausgehenden 18. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts setzen den Landstrich die nächsten 20 Monate imposant in Szene. Die Ausstellung verdeutlicht, welchen Beitrag KünstlerInnen und FotografInnen zur Herausbildung des heutigen Welterbes geleistet haben.

MalerInnen, ZeichnerInnen wie auch FotografInnen feierten in ihren Werken nicht nur die malerischen Qualitäten dieses Landstrichs, sie traten für den Schutz der Landschaft ein und schufen damit ein Bewusstsein für den ererbten Schatz. "Kaum eine Landschaft in Österreich wurde in der Literatur so oft besungen wie das Donautal der Wachau. Kaum eine Landschaft wurde aber auch öfter und vielfältiger in künstlerischen Darstellungen festgehalten. MalerInnen leisteten in Hinblick auf die Bewusstmachung und Verbreitung der landschaftlichen Schönheit der Wachau und ihrer kulturgeschichtlichen Besonderheiten einen gewichtigen Beitrag und können als ihre Entdecker bezeichnet werden", so Kurator Wolfgang Krug.

Lange vor der Schaffung eines Bundes-Denkmalschutzgesetzes wurde die Wachau zum Prestigeprojekt des Heimatschutzes, für den sich insbesondere auch KünstlerInnen engagierten. Das verständnisvolle Zusammenwirken aller Beteiligten schützte schließlich vor willkürlicher Modernisierung und Zerstörung und führte zum bewussten und behutsamen Umgang mit dem Natur- und Kulturerbe. Es schuf die Grundlage dafür, dass das Donautal der Wachau zum Welterbe erklärt werden konnte und wir heute bereits dessen 20-jähriges Jubiläum feiern. "Mit dem Projekt geht der Traum in Erfüllung, eine gültige WachauAusstellung gemeinsam mit der umgebenden Landschaft erleben zu dürfen. Unser Blick führt von den Ikonen der Wachau-Malerei zur Terrasse des mehrfach preisgekrönten Museumsbaus hinüber nach Göttweig. Viel schöner geht es nicht", freut sich Christian Bauer, künstlerischer Direktor der Landesgalerie Niederösterreich, auf die Schau.

Der Geist der Aufklärung förderte den Wunsch, die nähere Umgebung kennenzulernen. Reiseliteratur und druckgrafische Landschaftsserien boomten in der Folge. Der frühe Tourismus beschränkte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Ausflüge aufs Land. Mit Beschwernissen verbundene Wanderungen durch das Donautal oder gefahrvolle Schiffsreisen waren immer noch Abenteuer für Individualisten – und KünstlerInnen. Die Einrichtung der Dampfschifffahrt zwischen Wien und Linz, mit Stationen in Stein an der Donau und Melk, führte ab 1837 zu einer beträchtlichen Steigerung des Personenverkehrs. Wie anhand der zahlreich entstandenen Landschaftsdarstellungen aus dieser Zeit ersichtlich ist, dürften gerade auch KünstlerInnen die neue Möglichkeit für einen kurzen Abstecher in die Wachau gerne in Anspruch genommen haben. Die Revolution 1848 hemmte die positive Entwicklung. Die Eröffnung der Westbahn, zehn Jahre später, brachte die Wachau verkehrstechnisch wieder ins Abseits.

In den frühen 1870er-Jahren geriet das Donautal in der Wachau erneut in den Fokus der Künstlerschaft. Eduard Peithner von Lichtenfels führte 1872 als Leiter der Landschaftsschule an der Wiener Akademie der bildenden Künste seine Schüler hierher, um sommerliche Malstudien zu betreiben. Nach Jahrzehnten der Hochblüte des alpinen Landschaftsbildes waren nicht nur die MalerInnen auf der Suche nach neuen künstlerischen Herausforderungen, auch das Publikum dankte für Neues. Die Wachau wurde für ihre Lichtstimmungen gepriesen und mit Südtirol und Italien verglichen. Das Zentrum des Interesses galt anfangs Weißenkirchen, erst in den späten 1880er-Jahren gewann Dürnstein als Maler-Eldorado größere Bedeutung. Als Geburtsstunde der Wachaumalerei galt schließlich die akademische Sommerreise der Lichtenfels-Klasse im Jahr 1888 nach Dürnstein. Das Städtchen, in dem die Zeit still zu stehen schien, entsprach der Romantik-Sehnsucht der KünstlerInnen. Diese als legendär geltende Exkursion bezeichnete den Ausgangspunkt einer regelrechten Besetzung der Wachau durch die KünstlerInnen.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Wachau von der Künstlerschaft – von Akademikern wie Amateuren – regelrecht überrannt. Viele siedelten sich hier an, etwa in Stein, in Dürnstein, in Weißenkirchen, in Joching, in Mautern, in Spitz usw. Fast jede Wachau-Gemeinde hatte ihren eigenen ansässigen Kunstmaler, manche sogar mehrere. Während die älteren Maler vielfach mit rückwärtsgewandtem, wehmütigem Blick ihr in jungen Jahren gewonnenes Bild der Wachau hochhielten, reifte eine jüngere Generation heran, der die Schönheit des Donautals im Wesentlichen ein Vehikel war, künstlerische Probleme zu bewältigen. 1913 schuf Anton Faistauer gleich mehrere Ansichten von Dürnstein. Die ansässigen, weit weniger progressiven MalerInnen organisierten sich nach dem Ersten Weltkrieg im "Wachauer Künstlerbund", der ab 1920 in Krems und ab 1925 auch im Stift Dürnstein Ausstellungen veranstaltete.

Um 1900 machten sich mehrere Fotografen mit ihren in Bildbänden reproduzierten Wachau-Motiven einen Namen. Einerseits dokumentierten sie in ihrer Arbeit die durch Modernisierungen und infrastrukturelle Verbesserungen – etwa den Bahnbau – bedrohten Ortsbilder, andererseits galt ihr Interesse primär dem aus der Zeit gefallenen, pittoresken Detail. Ihre Aufnahmen wurden in Ausstellungen präsentiert und als Malervorlagen in den Handel gebracht. Die Fotografie ersetzte vielfach sogar das Skizzenbuch. In Malerkreisen galt die Fotografie jedoch als Hilfsmittel, um „wahre“ Kunst hervorzubringen.

Die Wachau fand rasch Anschluss an die internationale Fremdenverkehrsmaschinerie. Grundlage dafür waren die idyllische, wanderbare Landschaft mit ihren natürlichen Gegebenheiten, mit Burgen, barocken Stiften und altertümlichem Ortsgepräge. Zudem wurde die Infrastruktur stark ausgebaut. Nicht zuletzt prägten der Wein und die Marillenblüte das Kulturland und brachten den Tourismus in Schwung. Dazu kamen feierliche Anlässe wie das "Wachauer Frühlingsfest", das Sonnwend-Spektakel oder 1927 das "Wachauspiel" in sommerlicher Freiluftinszenierung in Spitz a. d. Donau.

Die Reaktionen und innerstaatlichen Konflikte nach der Sprachverordnung von 1880 zeigen den Vormarsch nationaler Ideen in die Vielvölkermonarchie. Die Wachau geriet ebenfalls in den Einfluss politischer Interessen. Als "treu-deutsches" Land, das es zu schützen galt, wurde sie verkauft. Auch die Besinnung auf alte Traditionen – auf Baukultur, Tracht oder Sonnwendfeier – steht damit in Verbindung.

Es erstaunt nicht, dass sich unter den WachaumalerInnen auffallend viele gebürtige Deutsche und aus den Kronländern stammende Deutschösterreicher befanden, die sich in den Dienst der Heimatkunst stellten. Politisch engagiert zeigten sich nur wenige der MalerInnen, doch waren sie seit Jugend- oder Studentenzeiten durch Volksgruppenkonflikte geprägt, schließlich vielfach auch durch eigene Kriegserfahrung. Der Deutschnationalismus breitete sich nach dem Ersten Weltkrieg in Österreich rasch aus. Müßig zu erwähnen, dass, als im März 1938 der "Deutsche Frühling" in die Wachau einzog, der Samen auch hier auf wohlbereiteten, fruchtbaren Boden fiel.

Für die Schau wurden rund 800 Arbeiten von etwa 80 KünstlerInnen vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts zusammengetragen. Zum überwiegenden Teilstammen die Werke aus den Beständen der Landessammlungen Niederösterreich, darunter Ikonen der Wachau-Malerei, aber auch zahlreiche Neuerwerbungen. Darüber hinaus werden wichtige Leihgaben zu sehen sein. Die Reihung der Werke zeigt nicht nur motivgeschichtlich interessante Entwicklungen auf, sondern gibt anhand des Motivs Wachau auch einen Überblick über mehr als 150 Jahre Landschaftsmalerei in Österreich. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Landschaftsmaler-Schule von Eduard Peithner von Lichtenfels und auf seinem Meisterschüler Maximilian Suppantschitsch, dessen im Laufe von mehr als fünfzig Jahren zusammengetragene Bestandsaufnahme Wachauer Bauformen ein besonderer Schatz für jeden Denkmalschützer ist. Ebenfalls angesprochen wird in der Ausstellung die wichtige Rolle der Fotografie. Nicht zu übersehen ist zudem die neun Meter breite Donautal-Darstellung Anton Hlavaceks, in deren Bildmitte die Ruine Dürnstein emporragt.

UNESCO Weltkulturerbe

Mit Trockensteinmauern, Weinterrassen, Marillengärten, Trockenrasen, der freifließenden Donau und einem regen künstlerischen Schaffen ist die Wachau eine einzigartige, jahrtausendealte Kulturlandschaft. Die Besonderheiten der Region zwischen Melk und Krems wurden seit jeher von der Bevölkerung geschätzt und gewürdigt. KünstlerInnen und FotografInnen trugen einen wesentlichen Teil dazu bei, dass die Wachau so bekannt wurde. Im Jahr 2000 wurde die Wachau in die erlesene Runde der UNESCO-Welterbestätten, zu der u. a. die Pyramiden von Gizeh, die Chinesische Mauer oder Stonehenge zählen, aufgenommen. Das Regionsbüro in Spitz unterstützt die fünfzehn Welterbegemeinden und die Weiterentwicklung der Wachau als Ganzes. Im Jubiläumsjahr schärft der Verein Welterbegemeinden Wachau unter dem Motto "Ich bin Weltkulturerbe" mit zahlreichen Aktionen das Bewusstsein für die Geschichte, Besonderheiten und Schutz der Weltkulturerbe-Region Wachau.

KünstlerInnen: Eduard Peithner von Lichtenfels, Maximilian Suppantschitsch, Franz von Zülow, Tina Blau, Marie Egner, Anton Faistauer, Thomas Ender, Anton Hlavacek, Emil Strecker, Stefan Simony, Josef Dobrowsky, Oskar Laske, Sergius Pauser, Robert Russ, Johann Josef Schindler, Rudolf Alt, Emil Jakob Schindler, Leopold Munsch, Ernst Graner, Heinrich Tomec, Hans Wilt, Johann Nepomuk Geller u. v. m.

Wachau - Die Entdeckung eines Welterbes
1. Juli 2020 bis 6. März 2022
Kurator: Wolfgang Krug

Landesgalerie Niederösterreich
Museumsplatz 1
A - 3500 Krems an der Donau

W: https://www.lgnoe.at/

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  •  1. Juli 2020 6. März 2022 /
Emil Jakob Schindler, Alter Hof in Weißenkirchen, 1880 © Landessammlungen NÖ
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Heinrich Tomec, Sommertag bei Dürntein, 1889 © Landessammlungen NÖ
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Anton Hlavacek, Panorama des Donautals mit der Burgruine Dürnstein, um 1905 © Landessammlungen NÖ
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Marie Egner, Frühling an der Donau mit Blick gegen Stift Melk, um 1906 © Landessammlungen NÖ
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Maximilian Suppantschitsch, Beim ehemaligen Weißenkirchnertor in Dürnstein, 1890 © Landessammlungen NÖ
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Thomas Ender, Blick auf Stift Melk, 1841 © Landessammlungen NÖ
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Wilhelm Bernatzik, Fronleichnamsprozession bei Dürnstein, 1881 © Landessammlungen NÖ
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