Vulkan-Darstellungen aus verschiedenen Jahrhunderten

In der Ausstellung der Graphischen Sammlung ETH Zürich steht die Beziehung zwischen Mensch und Vulkan im Mittelpunkt. Vulkan-Darstellungen aus verschiedenen Jahrhunderten werden durch Bilder der mythologischen Figur Vulkan ergänzt. So ist ein lebendiges Kaleidoskop entstanden, das aufzeigt, wie sich die Erforschung, Vorstellung und Wahrnehmung von Vulkanen im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.

Seit jeher ziehen Vulkane Reisende und Forschende an. Bereits im 17. Jahrhundert begannen Wagemutige, sie zu besteigen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Eine intensivere Beschäftigung begann, als im 18. und frühen 19. Jahrhundert die begüterte Gesellschaft ihre Bildungsreise durch Europa unternahm und dabei am Fuße des Vesuvs und in Pompeji haltmachte. Wie in der Ausstellung zu sehen ist, beflügelte dies eingewanderte und lokale Künstler:innen. Sie begannen, den Vulkan in Bildern, sogenannten Veduten, festzuhalten und sie den Touristen zu verkaufen. Ein Beispiel ist Jakob Wilhelm Huber (1787–1871). Fast zeitgleich machte sich der deutsche Arzt, Künstler und Naturforscher Franz Wilhelm Junghuhn (1809–1864) auf den Weg nach Java, jedoch mit einem anderen Ziel. Er verzeichnete die dortige Flora und Fauna, kartografierte das Land und erforschte die Vulkane.

Junghuhn, der aufgrund seiner Forschungen bald als „Humboldt von Java” bezeichnet wurde, inspirierte knapp 200 Jahre später Philip Ursprung, Professor für Kunst- und Architekturgeschichte an der ETH, und Alex Lehnerer, Professor für Architektur an der ETH, sowie ihr Team. Zwischen 2015 und 2017 reisten sie von Singapur aus zu 17 Vulkanen auf Java, um ihre Wirkung auf die Umgebung, die Wirtschaft und die Kultur zu untersuchen. An dieses Projekt „17 Volcanoes” knüpft die Ausstellung in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich an und entwickelt das Thema weiter. Werke aus dem eigenen Bestand bilden den Ausgangspunkt – neben Hubers Veduten sind eindrucksvolle Druckgraphiken zur mythologischen Figur Vulkan aus früheren Jahrhunderten zu entdecken. Besonders sehenswert sind die Darstellungen von Domenico Beccafumi (1484–1551), die für die bedeutendste frühneuzeitliche Publikation über Berg- und Hüttenkunde, „De la Pirotechnia” (1540), entstanden sind. Obwohl seine Holzschnitte ursprünglich in einem Fachbuch publiziert wurden, zeigen sie den Vulkan immer noch als Figur und bezeichnen damit den Übergang von mythologischen Darstellungen zu Forschungsbildern.

In der Ausstellung sind ebenso Werke des 20. und 21. Jahrhunderts vertreten wie die Druckgrafik „Vulkan” (1973) von Dieter Roth (1930–1998), in der er Figur und Berg untrennbar miteinander verknüpft, oder eine Darstellung von Alexandra Navratil (* 1978), die auf einem historischen Film zum Vulkanausbruch des Krakatau aus dem Jahr 1930 fußt und zugleich das Thema des Kolonialismus aufgreift. Ergänzt werden diese Werke durch Leihgaben. Einerseits das lithographische Java-Album (1856), mit dem Junghuhn der europäischen Öffentlichkeit Java erschloss. Andererseits eine Zeichnung von Rosa Barba (* 1972), die sie mithilfe eines Seismografen künstlerisch umgesetzt hat, sowie Werke des Künstlerinnenkollektivs U5, in dem unter anderem die Figur des Lava-Menschen entstanden ist. U5 und weitere vertretene Künstler:innen, wie etwa Armin Linke (geb. 1966) oder Bas Princen (geb. 1975), waren mit Ursprung und Lehnerer auf Expedition. Ihre Fotografien zeugen von einer zeitgenössischen Auseinandersetzung mit dem Vulkan vor Ort sowie von einer kritischen Reflexion der Kolonialgeschichte und der Ausbeutung vulkanischer Ressourcen. Die Ausstellung verbindet somit durch die Werkauswahl Gegenwart mit Vergangenheit, Architektur mit Geologie, Kunst mit Wissenschaft und Fakten mit Imagination.

Lava-Mensch. Geschichten aus dem Erdinnern
Bis zum 8. März 2026