10. Oktober 2011 - 2:11 / Ausstellung / Sonstige 
10. April 2011 16. Oktober 2011

Die Kulturstiftung der ZF erwarb im Jahr 2010 ca. 30 Arbeiten von einem der Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit, Christian Schad, die im Museum Moderner Kunst Passau erstmals präsentiert werden. Diese frühen, veristischen Graphiken Schads aus den Jahren 1913 bis 1925 werden dabei Werken Georg Philipp Wörlens und Carry Hausers gegenübergestellt, die als wichtige Vertreter des Verismus und der Neuen Sachlichkeit im deutschösterreichischen Raum gelten. Ergänzt wird die Schau mit neusachlichen Werken des jungen Josef Karl Nerud.

Im Jahr 1920 benutzte der Kulturhistoriker Wilhelm Hausenstein den Begriff "Verismus" zum ersten Mal und definierte ihn als "Wiederkunft des Naturalismus". Generell wird der Begriff auf die Künstler der Weimarer Republik angewandt, die sich der Untersuchung einer neuen sozialen Wirklichkeit widmeten und die insbesondere auch die Schattenseiten der Gesellschaft zeigten. Der Verismus gilt als eine der Hauptströmungen der Neuen Sachlichkeit.

Die Stilbezeichnung "Neue Sachlichkeit" entstand nach einer großen Ausstellung 1925 in Mannheim, die erstmals einen Überblick über die neue Kunstrichtung präsentiert hatte. Nach dem Überschwang und der Ekstase des Expressionismus hatte sich in der Kunst eine Hinwendung zum realen Leben und zu den Dingen des Alltags durchgesetzt. Zu den markanten Themen dieser Zeit gehörten das Bildnis mit seinen Darstellungen zeittypischer Individuen, die Aktdarstellung und die Landschaftsmalerei mit oft menschenleeren Ansichten von Städten und Dörfern.

1913 schuf Christian Schad in München mit 19 Jahren seinen ersten Holzschnitt: "Stufen". In der Schweiz, wo er sich von 1915 bis 1919 aufhielt, begleiteten Holzschnitte kontinuierlich das Frühwerk Schads: "Das Schwarz-Weiß der Graphik schien mir damals der einzig mögliche Ausdruck unserer geistigen Haltung zu sein, die in vorbehaltloser Opposition gegen den Krieg und alles, was damit zu tun hatte, nur das Entweder-Oder gelten ließ." Auf allen gezeigten Arbeiten Schads steht der Mensch im Mittelpunkt. Es finden sich sowohl ausdrucksstarke Porträts ("Selbst", "Leonhard Frank", Mr. de Marville") als auch erzählerische Arbeiten wie "Leere", "Hehlerin", "Straßenszene" und "Eifersucht" und Bilder aus dem Theater- und Zirkusmilieu.

Georg Philipp Wörlen und Carry Hauser gehörten zur Künstlergemeinschaft "Der Fels", die von 1920 bis 1927 bestand und deren Mitglieder von den Erfahrungen des Krieges geprägt waren. In dieser Zeit schufen sie ihre expressivveristischen Arbeiten. In einem Manifest wurde erklärt, dass sich die "Felsleute" kompromisslos mit den Fragen der menschlichen Existenz im historischen Augenblick auseinandersetzen. Unter den Arbeiten Wörlens und Hausers aus der "Fels"-Zeit finden sich zahlreiche thematisch und stilistisch mit den Holzschnitten Schads verwandte Blätter: Porträts und Darstellungen aus dem Caféhaus- und Zirkusmilieu, Straßenszenen, die Welt der Hehler, Schieber und Prostituierten.

Zusätzlich zu den graphischen Arbeiten werden Gemälde und Aquarelle von Georg Philipp Wörlen und Josef Karl Nerud gezeigt. In klar konturierter und flächiger Malweise präsentieren sich die Stadtansichten und Landschaften, mit denen Wörlen zu den bedeutenden Vertretern der Neuen Sachlichkeit in Süddeutschland zählt. Bei den Figurenbildern und Landschaften Josef Karl Neruds aus der Zeit um 1930 handelt es sich um ganz eigenständige Formulierungen eines jungen, aufstrebenden Künstlers, der in seiner vielversprechenden Entwicklung ab 1933 jäh unterbrochen wurde.

Die Ausstellung präsentiert neben ca. 30 frühen Graphiken von Christian Schad je 20 graphische Werke von Carry Hauser und Georg Philipp Wörlen, ca. 15 Gemälde von Wörlen und ca. 25 zum Teil noch nie gezeigte Arbeiten des jungen Josef Karl Nerud.

Vorbild Christian Schad
Verismus und Neue Sachlichkeit in Süddeutschland
10. April bis 16. Oktober 2011

Museum Moderner Kunst - Wörlen
Bräugasse 17 / Donaukai
D - 94032 Passau

T: 0049 (0)851 383879-0
F: 0049 (0)851 383879-79
E: info@mmk-passau.de
W: http://www.mmk-passau.de/

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Christian Schad: Dompteuse, 1915. © VG Bildkunst Bonn, 2011
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Georg Philipp Wörlen: Passauer Häuser, 1920. © MMK 2011
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Josef Karl Nerud: Frau mit Handspiegel, 1930. © Nachlass Josef Karl Nerud
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Josef Karl Nerud: Nonnen im Klostergarten, 1930. © Nachlass Josef Karl Nerud