3. Juli 2020 - 11:40 / Aktuell / Musik 

Die 1969 in Bregenz geborene Künstlerin Johanna Doderer erhält den Vorarlberger Kompositionspreis 2020. Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink wird die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung bei einem Festakt am 5. Oktober im Landhaus Bregenz überreichen. Doderer hat bisher 130 Werke komponiert, darunter acht Opern und zwei Symphonien. Der Kompositionspreis wird alle zwei Jahre vergeben.

Musik-Kommissionsmitglied Thomas Heißbauer begründet die Auszeichnung wie folgt: "Johanna Doderer hat ein breites kompositorisches Schaffen aufzuweisen. Herausragend sind ihre Opernkompositionen 'Der leuchtende Fluss', für den sie 2014 auch den Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien erhalten hat, und 'Liliom', eine Auftragskomposition des Gärtnerplatztheaters München. Doderer hat für sich einen 'neoromantischen' Kompositionsstil gefunden, von dem sie selbst behauptet, dass sie Musik schreiben möchte, die Spaß macht und die die Lust weckt, sie zu spielen und die Zuhörer bewegt. Die Symbiose zwischen ihrer Tonsprache und den interessanten Sujets für ihre Opern hat sie zu einer der erfolgreichsten österreichischen Komponistinnen werden lassen, deren Werke auch international immer wieder Eingang in die Programme finden. Gerade das Genre der Opernkomposition stellt für mich eine der höchsten Anforderungen an Komponistinnen dar."

Seit 20 Jahren lebt die Komponistin freischaffend in Wien und feiert auf zahlreichen internationalen Bühnen Erfolge. In den vergangenen Monaten konzentrierte sich ihre Arbeit auf die Komposition ihrer achten Oper. Eng wirkte sie dabei mit dem Autor Peter Turrini zusammen, denn er hat das Libretto für die Oper 'Schuberts Reise nach Atzenbrugg' verfasst. Das Musiktheater ist das ureigenste Metier, in dem Johanna Doderer – sie ist die Urgroßnichte des Schriftstellers Heimito von Doderer – ihre musikalische Ausdruckskraft im Spannungsverhältnis zwischen Literatur und Musik sowie Schauspiel und Tanz zur Geltung bringt.

Doderer ist in Vorarlberg mit vier Schwestern aufgewachsen. Mit siebzehn verließ sie zugunsten ihres Klavierstudiums die HTL. Doderers erste Kompositionen entstanden noch während ihres Klavierstudiums am Vorarlberger Konservatorium in Feldkirch. Die Begegnung mit Gerold Amann bezeichnet sie als "das größte Glück", das ihr widerfahren konnte. In der Folge ging sie nach Graz, studierte dort bei Beat Furrer und wechselte dann zu Erich Urbanner nach Wien, wo sie das Diplom ablegte und bis heute lebt.

Musik erlebt Johanna Doderer immer und überall, aber vornehmlich in der Natur und am Wasser. Hier wird sie inspiriert von Klängen, Farben sowie dem Fließen der Bewegungen in all seinen Nuancen. "Das eine ist der Klang, den ich fast optisch sehe, der greifbar wird, das andere sind Melodien, Intervallspannungen. Ich habe ein mathematisches Gedächtnis, in dem ich all das ordne. Diese Schlüssel bleiben so lange, bis ich sie aufgeschrieben habe – dann sind sie weg", erklärt die Komponistin. Doch auch die körperliche und sportliche Erfahrung sind wichtige Kraft- und Inspirationsquellen. Da stoße man an seine Grenzen und in Extremsituationen sei die Wahrnehmung ganz anders geschärft, erzählt sie. Diese Klangwelten fasst Doderer in ihrem bereits etwa 130 Werke umfassenden Oeuvre. Es beinhaltet unter anderem zwei Symphonien, Konzert für Akkordeon und Orchester sowie ein Klavierkonzert, zahlreiche Lieder und Kammermusik sowie inzwischen acht Opern, darunter eine Kinderoper.



Komponistin Johanna Doderer (Bild: Maria Frodl)
Komponistin Johanna Doderer (Bild: Maria Frodl)