16. November 2018 - 6:12 / Aktuell 

Die fantastische Welt der Zauberwesen, Ungeheuer und Gespenster präsentiert sich im japanischen Farbholzschnitt des 18. und 19. Jahrhunderts umfangreicher und theatralischer, als dies in der westlichen Kunst der Fall ist. Japanische Gespenstermythen teilen unsere Vorstellung, dass Menschen, denen im Leben Unheil, Unrecht oder Gewalt widerfahren ist, keine Ruhe finden. Als Rachegeister suchen sie ihre Peiniger heim. Darüber hinaus erscheinen viele japanische Gespensterwesen als Inkarnationen von Naturelementen. Bis heute sind der Glaube an die Existenz gespenstischer Geistwesen und Riten zu ihrer Besänftigung fester Bestandteil der japanischen Volksreligion Shintoismus.

Der japanische Farbholzschnitt (Ukiyo-e) entwickelte sich als Folge der gesteigerten Buchproduktion während der Edo-Zeit (1603-1868) zum primären künstlerischen Darstellungsmittel. Insbesondere Schauspielerporträts und Szenen des Kabuki-Theaters genossen höchste Beliebtheit. In dessen Repertoire tauchen im 19. Jahrhundert die aufregenden Gespenster-geschichten auf. Die theatertechnische Raffinesse des Kabuki mit seinen Drehbühnen, fliegenden Kostümwechseln, Kerzenlichteffekten und unsichtbaren Bühnenhelfern kam der gruseligen Dramaturgie und Inszenierung übersinnlicher Wesen entgegen. Auf hohem handwerklichem und künstlerischem Niveau stellte der Farbholzschnitt die Vorgänge im Kabuki-Theater dar.

Auch die Gespenstermythen wurden so zum beliebten Kunstgegenstand mit Souvenircharakter. Das Erscheinungsbild der Zauberwesen entfesselte die gestalterische Fantasie sowohl des Regisseurs als auch des Holzschnittkünstlers. Die Verwandtschaft und Entwicklung des modernen japanischen Comic Strips (Manga) und Zeichentrickfilms (Anime) aus dem Farbholzschnitt wird mit einem Ausblick in der Ausstellung gleichermaßen beleuchtet.


Von Zauberwesen, Ungeheuern und Gespenstern
Mythen und Legenden im japanischen Farbholzschnitt des 18. und 19. Jahrhunderts
24. November 2018 bis 17. Februar 2019
Eröffnung: Fr 23. November 2018, 18 Uhr

Ulmer Museum
Marktplatz 9
D - 89073 Ulm

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F: 0049 (0(731 161-1626
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