14. Juni 2012 - 7:03 / Walter Gasperi / DVD Tipp
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Drei Gangster, ein Polizist, ein Juwelenraub – das sind die Grundelemente, aus denen Jean-Pierre Melville ein kühl stilisiertes Meisterwerk des Kriminalfilms bastelt. Bei StudioCanal ist "Vier im roten Kreis" in der Reihe "Arthouse Close-Up" zusammen mit "Der Teufel mit der weißen Weste" und "Armee im Schatten" auf DVD erschienen.

Wie in seinem Klassiker "Le samourai" stellt Jean-Pierre Melville ein Zitat dem Film voran: "Wenn es die Vorherbestimmung will, werden sich vier Menschen, die sich einmal begegnet sind, im roten Kreis wieder treffen", wird aus dem Rama Krischna zitiert – oder das Zitat zumindest dem Rama Krischna zugeschrieben. Ein Fatalismus hängt damit über "Vier im roten Kreis", das Ende scheint vorgezeichnet.

Zunächst verlaufen die Wege der vier aber noch getrennt: Der Gangster Vogel (Gian Maria Volonté) wird von Kommissar Mattei (André Bourvil) im Nachtzug von Marseille nach Paris gebracht, zeitgleich erhält der Häftling Corey (Alain Delon) kurz vor seiner Entlassung aus einem Marseiller Gefängnis von einem Wächter den Tipp für einen Juwelenraub.

Nach der Entlassung nimmt Corey seinem Bekannten Rico eine beträchtliche Menge Geld ab, kauft einen Wagen und fährt Richtung Paris. Vogel gelingt währenddessen die Flucht aus dem Nachtzug, zufällig trifft er auf Corey, der ihm durch die Polizeisperren hilft, Vogel wiederum hilft Corey, als ihn Ricos Gehilfen stellen. So bildet sich ein Duo, gemeinsam will man den Juwelenraub durchziehen, braucht dazu aber noch einen Scharfschützen, der sich im Ex-Polizisten Jansen (Yves Montand) findet …

Fast ohne Wort kommt Jean-Pierre Melville in der Exposition aus, erst nach 22 Minuten setzt Musik ein, ganz ohne Dialog und auch ohne Musik inszeniert er dann quasi in Echtzeit den 30-minütigen Hold-Up. Wie Melville hier Profis am Werk zeigt, erweist er sich selbst als Profi der Filmregie. Kühl, in dunklen Farben ist das inszeniert, perfekt greift ein Rädchen ins andere. Keine Leerstelle gibt es hier.

Alles scheint wie am Schnürchen zu laufen, doch der Kommissar ist den Gangstern auf den Fersen. Durch Verrat wird er sie stellen können, und er weiß, dass jeder Mensch eine schwache Stelle hat. Der Polizist ist hier nur die andere Seite des Gangsters, die Grenzen von Gut und Böse haben sich aufgelöst.

"Unschuldig werden die Menschen geboren, aber jeder Mensch wird schuldig, ist ein Verbrecher", stellt der Polizeipräsident fest. Melvilles pessimistisches Weltbild kommt hier zum Ausdruck. Hilflos ausgeliefert dieser Schuld sind Melvilles Figuren – und vor allem der Einsamkeit.

Hier gibt es keine glücklichen Familien, keine Frauen. Einsam ist der Kommissar, der nur mit seinen Katzen zusammen lebt, die Männerfreundschaft zwischen den Gangstern ist ein Zweckbündnis, danach wird wieder jeder seinen eigenen Weg gehen.

Im Erzählrhythmus, in der kühl-stilisierten Erzählweise, im zurückhaltenden Spiel der Darsteller, aber auch im Jazz kommt diese Einsamkeit, die Verlorenheit des Menschen in der Welt zum Ausdruck. Vergeblichkeit kennzeichnet ihr Streben. Am Ende kann nur der Tod stehen.

An Extras bietet die DVD von StudioCanal neben einem Trailer ein sehr informatives 20-minütiges Interview mit Ginette Vincendeau über Leben und Werk Melvilles. Sprachversionen werden die französische Originalfassung mit und ohne deutsche Untertitel sowie die deutsch synchronisierte Fassung angeboten.

Originaltrailer von 1970 zu "Vier im roten Kreis - Le cercle rouge"



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