20. Dezember 2010 - 2:43 / Bühne / Schauspiel 

In Shakespeares aberwitziger Komödie "Viel Lärm um nichts" aus dem Jahr 1600 regieren die Paare: Erst die Männer- und Brüderpaare, die aus dem Krieg kommen, dann die Streit-, Liebes- und Ehepaare, die sich mit den daheim gebliebenen Frauen bilden; allen voran Benedikt und Beatrice, zwei überzeugte Singles.

Der Krieg ist aus, es kann geheiratet werden. Bevor aber die füreinander bestimmten Paare sich für immer binden dürfen, entspinnt sich eine Geschichte, die es in sich hat. Don Juan nämlich, der im Krieg unterlegene Befehlshaber, meint sich auf einem anderen Schlachtfeld, dem der Liebe, an seinem siegreichen Bruder, dem Prinzen von Aragonien, rächen zu müssen. Gar unschön sind die Pläne, die er sich hierfür unterbreiten lässt und für deren Durchführung er gut bezahlt: Sein Bruder solle getäuscht werden, der Gouverneur getötet, dessen Tochter Hero zugrunde gerichtet und deren Brautwerber Claudio gequält. Die öffentliche Blossstellung und (Beinahe-) Zugrunderichtung Heros in der Kirche gerät zum Höhepunkt einer Intrige unter lädierten Seelen. Erst der glückliche Ausgang der Komödie gibt Anlass zum titelgebenden Stossseufzer: "Viel Lärm um nichts."

Berühmter noch als für seine Handlung ist Shakespeares Stück aus dem Jahr 1600 allerdings für ein zweites Liebespaar, das um ein Haar keines wurde: Beatrice und Benedikt, zwei überzeugte Singles, die über ihre wechselseitig empfundene Abscheu zueinander finden. Der Shakespeareforscher Harold Bloom schreibt zu diesem "hübschesten nihilistischen Drama", Beatrice und Benedikt hielten sich mit der Klinge des Witzes die drohende Sinnlosigkeit vom Hals. "Sie machen viel Lärm um nichts, weil sie wissen, dass von nichts nichts kommt, und so fangen sie immer wieder zu reden an."

Karin Henkel, geboren 1970 in Köln, begann zu Beginn der 90er Jahre als Regieassistentin am Staatstheater Wiesbaden und am Wiener Burgtheater. Am Burgtheater begann auch ihre Regiekarriere – als jüngste jemals dort tätige Regisseurin. Es folgten Inszenierungen u.a. am Thalia Theater in Hamburg, an der Berliner Volksbühne, am Schauspielhaus Bochum, am Schauspielhaus Zürich ("Woyzeck" 1999, "Das weite Land" 2004), am Deutschen Theater Berlin und am Schauspielhaus Düsseldorf. Zuletzt arbeitete sie am Hamburger Schauspielhaus ("Minna von Barnhelm"), am Schauspiel Köln ("Iphigenie"), am Schauspiel Frankfurt ("Drei Schwestern") und an den Münchner Kammerspielen ("Nachtasyl/Sommergäste").

Ihre Stuttgarter Inszenierung "Platonow" wurde 2006 zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Am Schauspielhaus Zürich war in der vergangenen Spielzeit ihre Regiearbeit "Alkestis" von Euripides zu sehen.

Viel Lärm um nichts
von William Shakespeare
Regie: Karin Henkel
Premiere: Do 30. September 2010

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