"Verywood" – Österreichische Holzbaukunst in Japan

Auf der künstlichen Insel Yumeshima im Hafen der japanischen Großstadt Osaka läuft noch bis 13. Oktober die „Weltausstellung 2025“. Das Motto dieser Expo lautet "Designing Future Society for Our Lives". Sie konzentriert sich dabei darauf, wie eine zukünftige Gesellschaft gestaltet werden kann, die das Leben der Menschen verbessert.

Im Umfeld der Expo gab es kürzlich im Foyer des „Nakanoshima Museum of Art“ in Osaka unter dem Titel „Verywood. Austrian Architecture Today“ eine Sonderschau zur österreichischen Holzbaukunst, die von Verena Konrad, Direktorin des Vorarlberger Architektur Instituts (VAI) und vom Architekten Hermann Kaufmann kuratiert wurde. 

Angestoßen wurde das Projekt "Verywood“ vor etwas mehr als einem Jahr vom mittlerweile pensionierten Botschafter Christoph Thun-Hohenstein, damals Leiter der Sektion für Auslandskultur im österreichischen Außenministerium. Thun-Hohenstein leitete übrigens von 2011 bis 2021 das Museum für angewandte Kunst (MAK) in Wien. In dieser Zeit hat er die Klima-Biennale gegründet, die er nach wie vor betreibt. Er hegt großes Interesse an der Verbindung von Kunst, Kultur und der Ökologiebewegung. Der Diplomat und Kulturmanager trat an Verona Konrad wegen eines möglichen Projektes der Auslandskultur während der Expo in Osaka heran, allerdings als eigenständiges Projekt, unabhängig von Expo und Österreich-Pavillon. Kontext für das Thema war laut Konrad der "Grand Ring“ von Sou Fujimoto und das damit sehr präsente Thema der Holzarchitektur. Konrad: "Nicht Holzbau, sondern wirklich Architektur, daher auch der kulturelle und nicht der wirtschaftliche Fokus". Auf dieses Thema wollte Thun-Hohenstein mit einem Kulturprojekt aus Österreich reagieren und hat bei der VAI-Direktorin als Kuratorin für die Idee angefragt. Dieser Anfrage kam Konrad gerne nach, "weil es wieder einmal eine Möglichkeit war, international zu arbeiten und wir zudem im VAI doch eine gewisse Expertise in der Vermittlung von Wissen zum Thema Holzarchitektur haben", wie sie betont. Ihr erster Weg führte zu Hermann Kaufmann, den sie in der Folge als Partner für dieses Projekt gewinnen konnte. Kaufmann zählt ja zu den bekanntesten europäischen Holz-Architekten, ist mit neunzehn Jahren als Professor für Holzbau an der TU München ein profunder Vermittler und zudem der einzige österreichische Architekt, der jemals ein Projekt in Japan realisiert hat. 

In der Entwicklung sei sehr schnell klar geworden, dass der Kontext eines Kunstmuseums, noch dazu eine Foyer-Situation und sozusagen Durchgangsraum, nach einer eigenen Herangehensweise verlangt. Konrad: „Wir haben daher den Entschluss gefasst, das Material präsent zu machen und sind an Andrea Gassner, die auf räumliche und grafische Gestaltung angewandter Kommunikation fokussiert ist und auch für die Kommunikation für Pro Holz verantwortlich zeichnet, herangetraten, um eine künstlerischen Intervention zu entwickeln“. 

Die Idee von Gassner sei es gewesen, eine möglichst einfache Referenz zu finden, was sich formal in einem Origami mit „echtem Material“, handelsüblichen Holzschichtplatten, die mit Metallteilen in einem Schiebe- und Schraubverfahren zusammenhalten wurden, äusserte. Konrad: „Entstanden ist eine sich öffnende Blüte, von der geschlossenen, zur offenen Form.“ 

Im Ausstellungsbereich wurde zudem auf drei Monitoren ein Interview mit Herman Kaufmann und der VAI-Direktorin abgespielt, worin das Thema erläutert wurde und Kaufmann im Dialog mit Konrad zentrale Aspekte der Holzarchitektur besprach, sowie 26 für Osaka ausgewählte Projekte von spannenden Holzarchitekturen in Österreich, die auf die Innovationskraft und den kulturellen Anspruch zeitgenössischer Architektur mit Holz aus Österreich verweisen sollten.

Dabei sei sehr rasch ein West-Ost-Gefälle offenkundig geworden. Ausgewählt wurden vor allem und fast ausschließlich Projekte des konstruktiven Holzbaus, also Bauten, bei denen nicht nur die Fassade, sondern die Konstruktion aus Holz ist. Konrad: „Darin sehen Hermann Kaufmann und ich den wesentlichen Substitutionseffekt – unser Anliegen ist immerhin die ökologische Wende im Bauen. Was wir auch zeigen wollten, Holz ist als Material vielseitig und auch für große Strukturen einsetzbar." 

In Osaka sie die Ausstellung sehr gut angekommen, so die VAI-Direktorin: „Die Präsenz des Materials und die formale Codierung (Origami) holen die Menschen wie gewünscht bei der Sehnsucht nach dem Echten (das Museum ist nach wie vor ein Ort für das Echte) und der kulturellen Sprache der Form ab. Die Projekte seien sehr aufmerksam angeschaut und auch die Website gut besucht gewesen.“

Eine weitere Station für die Ausstellung sei für Tokyo geplant. Denn der Auftrag des Außenministeriums gelte einem kulturellen Dialog zum Thema Holzarchitektur aus Österreich in Japan.

Hintergrund dazu sei, dass Österreich ein Land der Wälder ist, genauso wie Japan. Seit hunderten Jahren werde in der Alpenrepublik mit Holz gebaut. Aber besonders in den letzten dreissig Jahren sei hier der konstruktive Holzbau völlig neu definiert worden und umfasse bereits die gesamte Bautypologie: mehrgeschossiger Wohnbau, Gewerbe- und Industriebau, Bauten für Infrastruktur, Gesundheit, sakrale Bauten, Bauwerke für Kultur und Bildung.

Zur künstlerischen Intervention von Andrea Gassner verfasste Reinhard Gassner das folgende Statement: 

Art objects created by Andrea Gassner: 
Wie soll denn das gehen? Die verblüffende Renaissance des österreichischen Holzbaus in Japan zu präsentieren? Und das in einem der bekanntesten Kunsttempel von Osaka und gleichzeitig im Sinne des länderverbindenden Wissenstransfers auf diesem Gebiet? Langsam sickert es ja auch in der internationalen Öffentlichkeit durch: Die »Wald-Bau-Pumpe« könnte einer der Rettungsanker auf der Suche nach dringend ausstehenden Antworten werden, um dem verhängnisvollen Klimawandel Einhalt zu gebieten. Die künstlerische Intervention von Andrea Gassner ist wie geschaffen für dieses komplexe Thema, aber auch für den Auftritt vor dem Zielpublikum eines der renommiertesten japanischen Kunstraums. Sie kreierte raumgreifende Faltobjekte aus schlanken Dreischichtplatten in drei verschiedenen Stadien der Entfaltung. Die fast „fliegenden Figuren“ konnotieren die besondere Ästhetik und Lebendigkeit von Holz, seine Leichtigkeit und das konstruktive Fügen von flächigen Hightech-Werkstoffen. Kein Zufall, dass sich Andrea Gassner dabei auf die bekannte japanische Origami-Kunst bezieht. Papier ist letztlich Holz. Und, die Gestalterin kontextualisiert damit formal die Bezugspunkte von japanischer und österreichischer Kunst und Kultur. Die Objekte werden flankiert von Standmonitoren mit Videoschleifen zu relevanten Architekturreferenzen und Statements von Protagonisten des kontemporären Holzbaus in Österreich. Bundespräsident Alexander Van der Bellen besuchte mit seiner Delegation zum Auftakt die Sonderschau im Foyer des Nakanoshima Museum of Art in Osaka Ende Mai 2025. Sie ist betitelt mit ‚Verywood Austrian Architecture Today‘“. 
(Reinhard Gassner)