Michael Hirschbichler hat Sand, Erde und Steine, die er aus dem Kirchenboden gewonnen hat, zu Glas geschmolzen. Dabei hat er verschiedene Themen Archäologie und Kosmologie, architektonischer Raum und geologische Zeit, Stofflichkeit und Transzendenz miteinander verknüpft. Als Ergebnis dieser Verwandlung setzt eine hängende Skulptur aus Glaskörpern den konkreten Ort der Johanniterkirche in einen kosmischen Zusammenhang.
Der Zusammenhang von Räumen und Weltauffassungen bildet den Kern des Interesses von Michael Hirschbichler. Sakrale Orte faszinieren ihn daher besonders. Der offene Boden der Johanniterkirche zeigt ein sichtbares Archiv verschiedener Zeitschichten. Zugleich ist der sakrale Raum nach oben, zum Licht und zur Transzendenz hin, orientiert.
Um mit diesem speziellen Raum und seiner Weltauffassung in direkte Beziehung zu treten, hat Michael Hirschbichler Teile des Kirchenbodens ausgegraben und zu Glas geschmolzen. Der Erdboden – historisches, liturgisches und geologisches Material zugleich – durchlief in einer Glashütte in Bayern einen physikalischen, beinahe alchemistischen Transformationsprozess. Der Künstler gestaltete den Schmelzprozess experimentell. Es entstanden bewusst keine idealen Glasformen, sondern instabile, deformierte, teils fragmentarische Körper. Dadurch bleiben die Reaktionen des Materials – Verformung, Verbrennung, Umwandlung und Erstarrung – sichtbar.
Glas hat in Kirchen eine jahrhundertelange Geschichte als Träger von Licht, Bildern und Erzählungen. Es formt das Licht, prägt die Atmosphäre des Raums und vermittelt zwischen Innen und Außen. Gleichzeitig ist Glas nicht ausschließlich ein menschliches Produkt, sondern auch ein möglicher Zustand von Gestein. Es entsteht in Vulkanen, bei Blitzeinschlägen oder Meteoriteneinschlägen, sogar auf dem Mond und anderen Planeten. Während kirchliches Glas in liturgische und narrative Programme eingebunden ist, verweisen natürliches und außerirdisches Glas auf geologische und kosmische Prozesse. Dieselbe Stofflichkeit hat völlig unterschiedliche Zusammenhänge und Bedeutungsräume. Entlang des Materials Glas setzt das Werk den konkreten Ort in einen kosmischen Zusammenhang, verbindet unterschiedliche Materialzustände und wirft Fragen nach Zeitlichkeit, Wandelbarkeit und Fragilität auf.
Michael Hirschbichler lebt und arbeitet in Hamburg.
„Vergläserung” – Michael Hirschbichler in der Johanniterkirche Feldkirch
28. Februar bis zum 25. April 2026
Vernissage: Freitag, 27. Februar, 20 Uhr
Es sprechen Arno Egger (Kurator) und Klaus Christa (Musiker und künstlerischer Leiter von „Musik in der Pforte”).
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag: 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr, Samstag: 10 bis 14 Uhr