Der 8. Mai 1945 markiert nicht nur das Ende des Zweiten Weltkrieges, sondern steht auch für einen der größten Kulturgutverluste der österreichischen Geschichte. Dieser wurde durch den verheerenden Brand im niederösterreichischen Schloss Immendorf ausgelöst.
Im Jahr 2025 jährt sich ein Ereignis zum 80. Mal. Das MAK und die gemeinnützige Klimt-Foundation nutzen dies als Anlass, um eine Ausstellung zum Thema "Gustav Klimt, das MAK und Schloss Immendorf: Verbrannt, zerstört, verschollen?" auszurichten. Die Geschehnisse rund um den Brand im Landschloss der Familie Freudenthal, das im Zweiten Weltkrieg als wertvolles und vermeintlich sicheres Kunstdepot – unter anderem für Werke von Gustav Klimt – diente, sind bis heute nicht vollständig geklärt. Die Ausstellung gibt einen tiefgreifenden Einblick in die Dimension der Katastrophe.
Das im 13. Jahrhundert erstmals erwähnte Schloss diente ab 1942 als Bergungsort für Kunstwerke, die vor Kriegseinwirkungen geschützt werden sollten. Der damalige Eigentümer, Baron Rudolf von Freudenthal, stellte dafür Räume zur Verfügung. Einige Quellen deuten darauf hin, dass das Schloss im Mai 1945 gezielt von deutschen Truppen – vermutlich der SS – in Brand gesetzt wurde, um die eingelagerten Kunstobjekte vor der Roten Armee zu schützen. Ein eindeutiger Beweis dafür fehlt jedoch bis heute. Auch Hinweise auf eine Beteiligung sowjetischer Soldaten gibt es nicht. Ebenso lassen sich die gelegentlichen Äußerungen, dass einzelne Klimt-Gemälde vor dem Brand ausgelagert wurden, basierend auf der aktuellen Faktenlage nicht bestätigen.
Zu den verbrannten Werken zählen neben den drei „Fakultätsbildern” für den Großen Festsaal der Universität Wien mit den zugehörigen Kompositionsentwürfen unter anderem – die Supraportenbilder „Die Musik” (1897/98) und „Schubert am Klavier” (1899) aus dem Palais Nikolaus Dumbas an der Wiener Ringstraße sowie
– die Gemälde „Der goldene Apfelbaum” (1903), „Bauerngarten mit Kruzifix” (1912), „Bildnis Wally” (1916), „Freundinnen II” (1916/17), „Gartenweg mit Hühnern” (1916) und „Leda” (1917) aus der zwangsenteigneten Sammlung August und Serena Lederers.
Das Staatliche Kunstgewerbemuseum in Wien (heute MAK) verlor das in Schloss Immendorf gelagerte Laxenburger Zimmer, diverse ostasiatische und islamische Objekte, frühneuzeitliches Kunsthandwerk, über fünfzig Möbelstücke, Ledertapeten, zwölf Teppiche und das Möchlinger Grab – einen in Form einer gotischen Kirche geschnitzten hölzernen Schrein aus dem 15. Jahrhundert – an die Flammen.
In der Ausstellung werden neben Originalplänen und einem neuen Architekturmodell des Schlosses auch eine neue Filmdokumentation zu den Geschehnissen in Schloss Immendorf mit Interviews von Zeitzeug*innen zu sehen sein. Regie und Drehbuch stammen von Peter Weinhäupl, dem Direktor der Klimt-Foundation in Wien, und dem Kunsthistoriker und Autor Stefan Kutzenberger. Die filmische Umsetzung erfolgte durch die dänische Filmemacherin Rikke Kutzenberger. „Meisterwerke der Reproduktionskunst” aus den wertvollen Klimt-Mappen, die von 1908 bis 1914, 1917/18 und 1931 publiziert wurden, verdeutlichen den unschätzbaren Verlust einiger originärer Klimt-Gemälde, teils in Farbe. Diese und weitere Leihgaben stellt die Klimt-Foundation aus ihrer Sammlung zur Verfügung. Originaldokumente, wie sie im MAK verwahrt werden, darunter Bergungslisten, sowie wertvolles Archivmaterial des Bundesdenkmalamtes Österreich, des Archivs des Künstlerhauses Wien und der Niederösterreichischen Landesbibliothek, geben zusätzlich profunde Einblicke in die Geschehnisse rund um den vermeintlich sicheren Bergungsort Schloss Immendorf und ermöglichen ein faktenbasiertes Gesamtbild.
Gustav Klimt, das MAK und Schloss Immendorf: Verbrannt, zerstört, verschollen?
16. Juli bis 21. September 2025