7. März 2009 - 2:58 / Ausstellung / Archiv 
20. November 2008 15. März 2009

Joep van Lieshout ist bekannt für seine kleinen, portablen Einraumobjekte, die er als "Skulls" bezeichnet: Explizite Formen, die unerwartete Gebrauchsfunktionen erhalten. In dieser Konsequenz und passend zur Jahreszeit wird ab Mitte November ein Wellness Skull im öffentlichen Raum vor dem project space der Kunsthalle Wien platziert. Die begehbare Skulptur aus Holz und Polyester ist mit viereinhalb Metern Höhe und sechs Metern Breite ein überdimensionaler Totenkopf, in dessen Innerem ein vollfunktionsfähiges Wellness-Center mit Sauna, Whirlpool und Dusche Platz findet.

Lieshout spielt in seinem ironischen Mahnmal für die Vergänglichkeit auf den Fitness Wahn der heutigen Gesellschaft an, der als Ersatz für eine spirituelle Erfahrung jenseits aller körperlichen und materiellen Belange dienen muss. Die humorvolle Deutung des Vanitas-Symbols verbindet zwei scheinbare Gegensatzthemen in einer Skulptur und entlarvt den Wellness-Wahn als Kampf gegen die Vergänglichkeit des menschlichen Körpers.

Der Künstler betrachtet den Totenkopf metaphorisch als Hülle des Geistigen. Es ist das Wechselspiel zwischen übernatürlichen, göttlichen Kräften und der irdischen Macht, das Joep van Lieshout in seinem Wellness Skull thematisiert und durch die – für das Atelier van Lieshout (AVL) typische Funktionalisierung – eines derartigen Symbols auch wieder auf eine ironische Ebene hebt. "Kein Körperteil wurde so oft allegorisch verwendet wie der Schädel. Er ist das ultimative Vanitas-Motiv. Zu gleicher Zeit ist der Schädel Sitz des Gehirns, des Intellektes. Und er ist wichtig als Entspannungsort. Van Lieshout extrapoliert diese Idee, indem er den Schädel zur Sauna macht. Aus dem Schädel als Vanitas-Symbol macht der Künstler einen Entspannungsort. Die mythischen, religiösen Bezüge ordnet er einem profanen, weltlichen Gebrauch zu" schreibt Robbert Ross über die Arbeit van Lieshouts.

Der Wellness Skull reiht sich in eine Reihe von Werken ein ( z.B. Disziplinator von 2005, City of Slaves von 2008 ), die sich mit repressiven und restriktiven Systemen beschäftigen. Bei diesen Arbeiten geht es um die ökonomische, in dem neuen Werk um die geistige Seite. Basierend auf der Auseinandersetzung mit den Schriften von Machiavelli und mit dem in der niederländischen Kunst der alten Meister stark vertretenen Vanitas Symbol formuliert Joep van Lieshout seine Ideen über die heutige Gesellschaft.

Joep van Lieshout, geboren 1963, lebt und arbeitet in Rotterdam, NL. 1995 gründete er das Atelier van Lieshout (AVL) um darauf hinzuweisen, dass er seine Arbeiten nicht alleine sondern gemeinsam mit seinen Assistenten in einem Künstlerkollektiv schafft. Die Objekte und Installationen von AVL sind international sowohl im urbanen öffentlichen Raum als auch in den bekanntesten Museen zu finden. Die Präsentation der Arbeit des niederländischen Künstlers ist eingebettet in eine Diskussionsveranstaltung zu Kunst im öffentlichen Raum.


Joep van Lieshout. Wellness Skull
20. November 08 bis 15. März 09

Kunst im öffentlichen Raum
Treitlstraße 2, A-1040 Wien
täglich 0 – 24 Uhr

Kunsthalle Wien
Museumsplatz 1
A - 1070 Wien

W: http://www.kunsthallewien.at/

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Joep van Lieshout, Wellness Skull, © KÖR / Foto: Stephan Wyckoff, 2008
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Joep van Lieshout, Wellness Skull, © KÖR / Foto: Stephan Wyckoff, 2008
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Joep van Lieshout, Wellness Skull, © KÖR / Foto: Stephan Wyckoff, 2008
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Joep van Lieshout, Wellness Skull, © KÖR / Foto: Stephan Wyckoff, 2008