So, 14.04.2019 / Ausstellung / Malerei 
Mi, 17.04.2019 So, 21.07.2019

Atemberaubend und unkonventionell müssen die Gemälde Caravaggios auf die drei jungen Utrechter Maler Hendrick ter Brugghen (1588-1629), Gerard van Honthorst (1592-1656) und Dirck van Baburen (um 1592/93-1624) gewirkt haben, als sie diese in Rom zum ersten Mal sahen. Caravaggios Werke, von neuartigem Realismus und mysteriösem Licht gekennzeichnet, brachen mit bestehenden Traditionen und sollten stilprägend für viele Künstler aus Italien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden werden.

Die Ausstellung in der Alten Pinakothek zeigt 75 der schönsten Gemälde der bedeutendsten "Caravaggisten", darunter Bilder von Orazio Gentileschi, Bartolomeo Manfredi, Jusepe de Ribera, Valentin de Boulogne und Caravaggio selbst. Die Werke entstammen der Kernperiode des europäischen Caravaggismus, der Zeit von 1600-1630, geschaffen von denjenigen Malern, die in Rom noch direkten Kontakt zu Caravaggio hatten bzw. kurz nach dessen Tod in der Ewigen Stadt eintrafen.

Ein Großteil der internationalen Leihgaben aus rund 50 Museen, kirchlichen Einrichtungen und Privatbesitz wird das erste Mal in Deutschland zu sehen sein. Darunter Caravaggios berühmter "Heiliger Hieronymus" aus dem Kloster Montserrat bei Barcelona, Gerard van Honthorsts "Konzert" aus der National Gallery of Art in Washington und dessen "Enthauptung Johannes‘ des Täufers", die heute noch an ihrem ursprünglichen Bestimmungsort, der Kirche Santa Maria della Scala in Rom, als Altarbild dient. Besondere Aufmerksamkeit wird die spektakulärste Leihgabe der Ausstellung erfahren: Caravaggios "Grablegung Christi" aus den Vatikanischen Museen in Rom, die bis zum 20. Mai in München präsentiert wird.

Durch eine direkte Gegenüberstellung mit den Bildern ihrer europäischen Kollegen wird der besondere Stil der holländischen Maler auf eindrucksvolle Weise sichtbar. Unverkennbar sind die mit Kerzen und Fackeln dramatisch ausgeleuchteten und bühnengleich inszenierten Figurenbilder von Gerard van Honthorst. Vielfach nachgeahmt und erfolgreich, erhielt er in Italien den Beinamen "Gherardo delle Notti" (Gerard der Nachtstücke). Die Holländer trieben den Realismus Caravaggios auf die Spitze und machten selbst vor hässlichen Details wie Knollennasen und faulen Zähnen nicht Halt. Aufgrund ihrer eigenen kulturellen Identität differieren ihre Bilder signifikant von denen der französischen, flämischen, italienischen und spanischen Caravaggisten.

Im Gegensatz zu vorangegangenen Ausstellungen geht es in der Münchner Schau neben den Gemeinsamkeiten primär um die Unterschiede zu dem großen italienischen Barockmaler Caravaggio.

Katalog: Ausstellungsbegleitend erscheint ein umfangreicher Katalog in einer deutschen und englischen Sprachausgabe mit Beiträgen von Marten Jan Bok, Bernd Ebert, Liesbeth M. Helmus, Susanne Hoppe, Helen Langdon, Volker Manuth und Ashok Roy. Hirmer Verlag, 34,90 Euro, 304 Seiten mit 330 Abbildungen in Farbe, hrsg. von Bernd Ebert und Liesbeth M. Helmus.

Utrecht, Caravaggio und Europa
17. April bis 21. Juli 2019
Eröffnung: 16. April 19, 19 Uhr

Alte Pinakothek
Barer Straße 27
D - 80333 München

T: 0049 (0)89 23805 216
E: info@pinakothek.de
W: http://www.pinakothek.de/alte-pinakothek/

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  Mi, 17.04.2019 So, 21.07.2019 /
Gerard van Honthorst (1592 - 1656): Der liederliche Student, 1625. Öl auf Leinwand, 125 x 157 cm; Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München. © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München
Gerard van Honthorst (1592 - 1656): Der liederliche Student, 1625. Öl auf Leinwand, 125 x 157 cm; Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München. © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Alte Pinakothek, München
Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio (1571 - 1610): Die Grablegung Christi, 1602/03. Leinwand, 300 × 203 cm; © Vatikanstadt, Musei Vaticani, Pinacoteca Vaticana
Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio (1571 - 1610): Die Grablegung Christi, 1602/03. Leinwand, 300 × 203 cm; © Vatikanstadt, Musei Vaticani, Pinacoteca Vaticana
Valentin de Boulogne (1591 – 1632): Judith mit dem Kopf des Holofernes, ca. 1625/28. Leinwand, 97 x 74 cm; Musée des Augustins, Toulouse. © Musée des Augustins, Toulouse, photo: Daniel Martin
Valentin de Boulogne (1591 – 1632): Judith mit dem Kopf des Holofernes, ca. 1625/28. Leinwand, 97 x 74 cm; Musée des Augustins, Toulouse. © Musée des Augustins, Toulouse, photo: Daniel Martin
Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio (1571 - 1610): Die Wahrsagerin, 1596/97. Öl auf Leinwand, 115 x 150 cm; © bpk | Scala
Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio (1571 - 1610): Die Wahrsagerin, 1596/97. Öl auf Leinwand, 115 x 150 cm; © bpk | Scala