Das Werk von Uta Belina Waeger (geb. 1966, lebt und arbeitet in Dornbirn und München), bewegt sich in den vergangenen 40 Jahren konsequent im Spannungsfeld zwischen Objektkunst, Installation und ReDesign.
Ausgangspunkt vieler ihrer bekannten Arbeiten sind alltägliche, gebrauchte Gegenstände – etwa alte Eisenwerkzeuge oder Kleinmöbel. Durch Sammeln und genaues Untersuchen von deren Form und Funktion sowie durch restaurative und künstlerische Eingriffe verwandelt sie diese Objekte grundlegend. Sie überführt sie in neue, eigenständige Kunstwerke, die sich der ursprünglichen Zweckgebundenheit entziehen und dabei eine beinahe wesenhafte Präsenz entwickeln.
Ihrer Arbeitsweise zentral ist das Prinzip des Schichtens und „Ver-häut-ens“. Sie überzieht die Objekte mit „Häuten“ aus Papier, Leder, Fell oder verkleidet sie mit Textilem u.a.m., wodurch sich deren äußere Erscheinung inklusive Wahrnehmung nachhaltig verändern.
So bewegen sich die Dinge zwischen Vertrautheit und Fremdheit; sie bleiben in ihrer Herkunft erahnbar, verlassen jedoch ihre eindeutige Zuordnung. Gerade diese Ambivalenz ist programmatisch: Durch gezielte Mehrdeutigkeit stellt UBW gewohnte Kategorien infrage und eröffnet dem Betrachtenden neue Perspektiven sowie weiterführende Fragestellungen. Inhaltliche und ästhetische Ebenen verschieben sich.
Häufig entwickelt die Künstlerin ihre Arbeiten als raumgreifende Installationen. Sie arrangiert Einzelobjekte zu komplexen Ensembles, deren Wirkungskraft sich erst im Zusammenspiel vollständig entfaltet. Durch bewusste Setzungen wie Wiederholung, Reihung und Verdichtung entsteht eine intensive räumliche Atmosphäre, die den Ausstellungsraum selbst zu einem integralen Bestandteil des Werkes macht.
In der Ausstellung verzichtet Uta Belina Waeger bewusst auf eine klassische Retrospektive. Stattdessen setzt sie eine inhaltliche und formale Klammer zwischen Arbeiten aus den 1990er-Jahren und aktuellen Werken.
Gezeigt werden einerseits bislang weitgehend unbekannte oder unbeachtete Positionen, andererseits aktuelle Arbeiten, die jedoch eine überraschende und bisher verborgene Facette ihres Schaffens offenbaren.
Das Spektrum reicht von zweidimensionalen Zeichnungen, Monotypien und Malereien über reliefartige Werke in Büchern beziehungsweise bibliophilen Boxformaten bis hin zu dreidimensionalen, beinahe fetischartigen Objekten. Wiederum bilden Alltagsfundstücke die Grundlage, diesmal jedoch mit „weiblicher“ Konnotation, d.h. Accessoires wie Schuhe, Taschen, Schmuck, Strümpfe oder Dessous.
Sie fungieren als Impulsgeber für Waegers künstlerische Fantasie. Sie transformiert vermeintlich gängige Alltagsprodukte in verführerische Formfindungen und vielschichtige Deutungen. Darüber hinaus wird sie ihrer ureigenen handwerklichen Spezifikation gerecht, nämlich verschiedenste Techniken auf ungewöhnliche Weise miteinander zu kombinieren. Der Arbeitsprozess ist für sie ein offener, experimenteller Raum, in dem sie manchmal selbst beim Entdecken staunt.
Das sogenannte „reife“ Werk Waegers ist nach wie vor von Neugier, Wandlungsfähigkeit und gestalterischer Präzision geprägt. Die zuweilen subkutanen Aspekte lassen geradezu auf Lebensfreude schließen.
Stillstand und Langeweile... Nein danke!
© Erhard Witzel
Uta Belina Waeger
„Zum Sechzigsten - Eine Entdeckungsreise“
30.05.2026 – 04.09.2026
Vernissage: Samstag, 30. Mai 2026, 17.00 bis 19.00 Uhr
Finissage: Samstag, 04. September 2026, 171 Uhr – Künstlerinnenführung
geöffnet bis 30. Juni 2026: Do und Fr von 16 - 18 Uhr
danach bis 03. September 2026 jederzeit nach Vereinbarung