11. Februar 2017 - 2:44 / Ausstellung 
26. November 2016 12. Februar 2017

"Unmittelbare Konsequenzen" ist eine Ausstellung, die in jedem Augenblick eine andere Form annehmen kann, und das Unmittelbare ins Zentrum rückt. Sie fokussiert das Performative, Spielerische und Prozesshafte und vereint hierfür unterschiedliche Positionen junger Schweizer Kunst. Dies kann sowohl zeitliche, räumliche, materielle als auch soziale Strukturen umfassen.

Trotz des Rekurses auf traditionelle Gattungen wie Malerei oder dem Einbezug von Objekten, bleiben das Transitorische und die Bewegung im Blickpunkt. Dort, wo sich Formen zu Affekten modifizieren, Elemente animiert werden, Prozesse der Steuerung hervortreten und das Zufällige sich entfalten kann. Kevin Aeschbacher, Ramon Feller, Nelly Haliti, Sophie Jung und Jan Vorisek mit Anina Troesch bespielen die Kunst Halle Sankt Gallen mit Performances, Objekten sowie Installationen.

Das Schaffen von Sophie Jung entspricht diesem Projekt insofern, als dass die Künstlerin einen Raum für vorübergehende Definitionen, Bild- und Sprachspiele erzeugt. In der Ausstellung präsentiert sie Objekt- und Textassemblagen, die während dreier Performances belebt und zueinander in Verbindung gestellt werden. Es entstehen frisch-fragile Narrative, welche vermeintliche Gewissheiten herausfordern.

Einen anderen Ansatz verfolgt Ramon Feller. Sein Interesse für unterschiedliche Zeiterfahrungen, Abhängigkeiten innerhalb von Systemen sowie Prozesse der Animierung zeigt er mittels installativen Arbeiten. Neben einer Aluminiumrolle, die sich über die gesamte Ausstellungsdauer zu einer eigenständigen Skulptur ausbreitet, mit eingravierten japanischen Geisterwesen, führt der Künstler zeitliche Strukturen u.a. mit Zählanleitungen und einer interaktiven Programmierung vor.

Kevin Aeschbacher beschäftigt sich in seinem neusten Werkzyklus mit Material- und Oberflächenbeschaffenheiten, wobei er bekannte Stoff- und Formreferenzen verfremdet wiedergibt. Die digital generierten Bildwelten überträgt Aeschbacher minutiös in Öl auf Leinwand, ergänzt die Malereien in der Kunst Halle aber um eine partizipative Komponente: Skulpturale Elemente am Bildrahmen können bedient werden und mobilisieren die Material- und Raumwahrnehmung zusätzlich.

Auch Nelly Haliti ist in erster Linie Malerin, arbeitet aber jüngst vermehrt mit Film, Foto und Skulptur. In der Ausstellung zeigt sie eine multimediale Installation aus neuen Malereien sowie einer digitalen Projektion auf Basis eines Real-Time-Textes, der von der Künstlerin laufend neu eingespiesen wird. Durch einen Zufallsgenerator überlappen und begegnen sich Wörter und Symbole stets neu, was unvorhergesehene Bedeutungen schafft.

Jan Vorisek und Anina Troesch realisieren eine ort- und zeitspezifische Arbeit mit offenem Ausgang. In performativer Praxis entwickeln sie parallel zur Ausstellungsdauer einen Werkkörper, der erweitert oder reduziert wird. Die beiden möchten sich in eine Art Feedbackschleife begeben, die von verschiedenen Faktoren wie Wetter, Nachrichten oder persönlichen Ereignissen abhängt.

"Unmittelbare Konsequenzen" präsentiert vielseitige Arbeiten aus dem aktuellen Schweizer Kunstschaffen, in welchem feste Formen und Wahrheiten verabschiedet werden. Die Beiträge der KünstlerInnen sind als Prozesse im ständigen Wandel zu verstehen – als bewegliche Konglomerate aus Subjekten, Objekten, Assoziationen und Mechanismen, deren Elemente sich gegenseitig anstossen. Dabei wird das Ungreifbare und Ephemere zelebriert.


Unmittelbare Konsequenzen
26. November 2016 bis 12. Februar 2017

Kunst Halle St. Gallen
Davidstrasse 40
CH - 9000 St. Gallen

T: 0041 71 222 10 14
E: info@k9000.ch
W: http://www.k9000.ch

weitere Beiträge zu dieser Adresse



  •  26. November 2016 12. Februar 2017 /
31644-3164401.jpg
Sophie Jung: Operation Earnest Voice (mixed media and performance), 2015. Courtesy: die Künstlerin und Ballroom Marfa; Photo: Thierry Bal
31644-3164402.jpg
Kevin Aeschbacher: Verzweiflung und Enttäuschung in der Leberkäsefabrik (mit Erweiterungen), 2016. Courtesy: der Künstler
31644-3164403.jpg
Ramon Feller: qwertz, 2015. Courtesy: der Künstler