22. Oktober 2019 - 5:58 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
31. August 2019 10. November 2019

Die umfangreiche Gruppenausstellung United by Aids – An Exhibition about Loss, Remembrance, Activism and Art in Response to HIV/Aids setzt sich mit den facettenreichen und vielschichtigen Zusammenhängen zwischen Kunst und HIV/Aids von den 1980er Jahren bis heute auseinander.

Ein Fokus liegt dabei auf den fliessenden Grenzen zwischen Kunstproduktion und Aktivismus in Bezug auf HIV/Aids, da die Kunst oft als Mittel zu politischer und gesellschaftlicher Positionierung verstanden wurde. Gezeigt werden die Arbeiten von Künstler_innen, die den Diskurs bis heute mitbestimmen und durch ihre unterschiedlichen Positionen die Vielfalt im (künstlerischen) Umgang mit dem HI-Virus und mit Aids aufzeigen. Viele der Werke befassen sich mit Themen wie Isolation, Transformation, Zeitlichkeit und Vergänglichkeit im Hinblick auf Körperund Repräsentationspolitik. Seit der Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie (Haart) in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, die den Ausbruch von Aids nach einer HIV-Infizierung verhindern kann, wird Aids oft als Zustand aus der Vergangenheit beschrieben und scheint in unserer Gesellschaft an Bedeutung verloren zu haben. Weltweit sterben jedoch nach wie vor fast eine Million Menschen jährlich an den Folgen der Krankheit. Die Ausstellung versucht in vier Kapiteln, die Komplexität der verschiedenen Narrative rund um HIV/Aids zu entfalten und die «Fragilität» dieser Geschichten aus einer zeitgenössischen Perspektive zu diskutieren.

Seit Ausbruch der Pandemie in den 1980er Jahren haben sich mehr als 76 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Rund 35 Millionen Menschen starben seither an den Folgen des Syndroms, welches mit der Entwicklung und der Einführung von Haart (Highly Active Antiretroviral Therapy) Mitte der 1990er Jahre zu einer chronischen, aber doch behandelbaren Krankheit wurde. Von einem Ende von HIV/Aids zu sprechen, ist jedoch nicht nur verfrüht sondern auch verantwortungslos. Wie Zahlen beispielsweise von Unaids (dem gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen gegen HIV/ Aids) bezeugen, betrifft die Krankheit nach wie vor Millionen Menschen rund um den Globus. Das verdichtete Auftreten innerhalb gesellschaftlich marginalisierter und mit Vorurteilen belegter Gruppen (männliche Homosexuelle, Konsument*innen intravenös verabreichter Drogen, Sexarbeiter_innen) festigte während der 1980er und 1990er Jahre Stigmatisierungen, welche die Überwindung der Aids-Krise jenseits der medizinischen Versorgung zusätzlich erschwerten und die gesellschaftlichen Vorurteile gegenüber Aids bis heute prägen. Insbesondere in nicht westlichen Ländern stellt die medizinische Versorgung nach wie vor ein Problem dar: Einerseits fehlt das Geld für die Medikamente, andererseits wird mancherorts nach wie vor die Existenz des HI-Virus geleugnet, sodass Menschen, die sich infiziert haben, nicht gemäss der eigentlichen Diagnose therapiert werden und trotz Behandlungsmöglichkeiten an Aids erkranken.

Das Leugnen der Krankheit und der Unwillen der politischen Akteure, sich um Lösungen zu bemühen, geschweige denn, sich mit dem Thema zu befassen, führte in den 1980er Jahren zu einer Politisierung vieler Kunstschaffender. Oftmals direkt von der Erkrankung betroffen, griffen sie die neue bedrohliche Realität und das Gefühl von Ohnmacht angesichts der «Stille», welche die Krankheit lange umgab, in ihrer Arbeit auf und thematisierten die persönlichen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen dieser aus heutiger Perspektive nur schwer in ihren Dimensionen nachvollziehbaren Katastrophe. Den facettenreichen und vielschichtigen Zusammenhängen zwischen Kunst und HIV/ Aids trägt die Ausstellung in den ersten drei Kapiteln im Untergeschoss Rechnung, während im Obergeschoss jüngere Arbeiten gezeigt werden, welche vor dem Hintergrund der historischen Perspektive nach der Rolle von HIV/Aids im 21. Jahrhundert fragen. Die Kunst der 1980er und 1990er Jahre stand vielfach im Dienst der Aufarbeitung und Aufklärung über das Virus und die damit einhergehende Krankheit, die in vielen Fällen tödlich war. Mit der Behandelbarkeit der Krankheit ab 1996 setzte eine «zweite Stille» ein, da die Gesellschaft sich erneut «dringenderen» Problemen zuwandte. So befassen sich die zeitgenössischen Positionen mit HIV/Aids aus der Perspektive der Behandelbarkeit der Infektion und mit den Vorurteilen und dem Unwissen, welche im Zuge der «zweiten Stille» erneut Aufwind erhielten.

«Erasure, Void, Remembrance»

Absalon, Rafael França, General Idea, Felix Gonzalez-Torres, Keith Haring, Hudinilson Jr., Jochen Klein und Stéphan Landry

Das erste Kapitel der Ausstellung befasst sich mit der (Un-)Sichtbarkeit, der sozialen Stigmatisierung, der Isolation von HIV/Aids-Patient_innen in den 1980er und 1990er Jahren ebenso wie mit der Leere, welche die rapide ansteigende Zahl der Todesopfer in der Gesellschaft hinterliess. Die hier versammelten künstlerischen Positionen verhandeln die lähmende Hilflosigkeit angesichts einer zunächst als «Schwulenseuche» betitelten Krankheit, welche von Politik und Öffentlichkeit willentlich ignoriert wurde. Gerade die politische Unsichtbarkeit, welche die Betroffenen in die (soziale) Isolation drängte, wirft brisante Fragen zur Körper- und Repräsentationspolitik auf: Wem und welchen Körpern wird unter welchen Umständen Sichtbarkeit gewährt?

Felix Gonzalez-Torres’ (1957–1996) ikonische Arbeit “Untitled“ (Go-Go Dancing Platform) (1991) verhandelt beispielsweise das Thema der An- beziehungsweise Abwesenheit des menschlichen Körpers. Eine leere, verwaiste Tanzplattform verweist auf die Umbrüche der Aids-Krise: die plötzliche Auslöschung von Körpern und den allgegenwärtigen Eindruck des Verlusts, welcher sich als Leerstelle ausdrückt. Ursprünglich Ort des körperlichen Ausdrucks, für Erotik, Tanz und Lebensfreude, veranschaulicht die leere Plattform die Katastrophe, welche dem befreiten Lebensgefühl der 1970er Jahre ein jähes Ende bereitete.

Der Frage nach dem Umgang mit einer Krankheit, welche die Lebenszeit radikal verkürzt, spüren auch die Zeichnungen von Stéphan Landry (1960–2009) nach. Dieser widmete die Serie Pour Daniel et Rémy (1998) einem befreundeten Paar, das sich als Reaktion auf ihre Erkrankung zum gemeinsamen Freitod entschied. Auch der israelische Künstler Absalon (1964–1994) hat sich mit der Frage der Abwesenheit, des Sich-Entziehens und der Frage nach dem Verhältnis von öffentlicher und privater Sphäre beschäftigt. Seine ganz in Weiss gehaltene asketische Wohnzelle Cellule no. 2 (habitable) (1992–93) symbolisiert den Rückzug in die Isolation vieler Menschen, die sich mit HIV infizierten.

Mit der Symbolik der Farbe Weiss, die für Reinheit und Unschuld steht, spielen auch die Arbeiten der Künstlergruppe General Idea. In ihrem Werk White Aids (Wallpaper) (1991) wird der ikonische Schriftzug «LOVE» (1967) des amerikanischen Künstlers Robert Indiana durch «Aids» ersetzt. Weiss auf Weiss verschwinden die Buchstaben fast zur Gänze und verweisen auf das (Ver-)Schweigen, von dem die Krankheit zunächst betroffen war. Diese Fatalität der Indifferenz ist auch heute noch aktuell, scheint doch eine vornehmlich gleichgültige Haltung gegenüber der Krankheit in der breiten Gesellschaft vorzuherrschen. Die (öffentliche) Sichtbarkeit von Aids ist weitgehend verschwunden, obwohl das Virus sehr wohl noch da ist und die Betroffenen nach wie vor Diskriminierungen ausgesetzt sind.

«New York – The Aids Crisis»

Charles Atlas, Judith Bernstein, Nan Goldin, Peter Kunz Opfersei, Cookie Mueller & Vittorio Scarpati, David Wojnarowicz & Ben Neill und Martin Wong

Im Fokus des zweiten Kapitels der Ausstellung steht das New York der späten 1980er sowie der 1990er Jahre als einem Ort, an dem die Auswirkungen der Aids-Krise wahrscheinlich am stärksten zu spüren waren. Wenngleich aus medizinhistorischer Sicht verschiedene Epizentren rund um den Globus auszumachen sind, hat sich die Stadt als zentraler Ort der Krise ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben, ähnlich wie San Francisco. Gleichzeitig wurden aber auch europäische Grossstädte und der afrikanische Kontinent von der Aids-Pandemie erschüttert.

Dieses Ausstellungskapitel versucht zu umreissen, was aus heutiger Sicht nur schwer nachzuvollziehen und nur punktuell darstellbar ist: Wie mit dem Ausbruch der AidsKrise das soziale Gefüge einzelner Communitys ausgehöhlt und oft sogar vollständig ausgelöscht wurde. Dies erfolgt aus Sicht der Protagonist_innen der in New York ansässigen Kunst- und Kreativszene, die Mitglieder eines engen Netzwerks von Freund_innen, Liebhaber_innen und Weggefährt_innen waren, die sich gemeinsam im Kampf gegen die Krankheit befanden.

Als eine der prominentesten Chronist_innen dieser Zeit kann die Fotografin und Aktivistin Nan Goldin bezeichnet werden. In ihrem in der Ausstellung gezeigten The Cookie Mueller-Portfolio (1976–89), einer Serie von Fotografien der amerikanischen Schauspielerin Cookie Mueller (1949–1989), fängt sie die sich schlagartig verändernde Stimmung dieses Jahrzehnts ein. Eine der letzten Fotografien zeigt Mueller am Sarg ihres ebenfalls an den Folgen von Aids verstorbenen Ehemannes Vittorio Scarpati (1955–1989), dessen Zeichnungen in der Ausstellung erstmals in der Schweiz gezeigt werden.

Gerade auch die Architektur der Stadt ist auf das Engste mit der Erinnerung an die Epidemie verbunden, was zum einen die Gemälde Martin Wongs (1946–1999) zeigen, aber auch Charles Atlas’ Video Son of Sam and Delilah (1991), in dem ein Serienmörder vor der Kulisse New Yorks Jagd auf die Besucher_innen einer legendären Undergroundparty macht und eine nach der anderen umbringt. Die Arbeiten zeugen von der Allgegenwart eines dumpfen Gefühls der Bedrohung sowie dem Eindruck des Ausgeliefertseins, welche in dieser Zeit gerade auch das Leben in New York prägten.

Im Zuge der Aids-Krise drohten darüber hinaus ganze künstlerische Nachlässe verloren zu gehen, worauf die Wiedersichtbarmachung der Arbeiten des aus der Schweiz stammenden und nach New York emigrierten Künstlers Peter Kunz Opfersei (1944– 1989) verweist. Von ihm wird eine Auswahl an Zeichnungen und das Skizzenbuch Das Buch der Verwandlungen (1989) gezeigt, welche unter dem Eindruck seiner Erkrankung entstanden.

«Stand Up, Fight Back – Aids, Activism and Art»

Gregg Bordowitz, fierce pussy, Avram Finkelstein / «Silence = Death Project» Collective, Gran Fury, Group Material, Anna Halprin, Keith Haring, Zoe Leonard, Donald Moffett und Rosa von Praunheim

Das dritte Kapitel der Ausstellung ist der einzigartigen Überschneidung von künstlerischen und aktivistischen Strategien im Kontext von HIV/Aids gewidmet. Als Reaktion auf das Versagen der Politik angesichts der Pandemie wurden zahlreiche Kunstschaffende politisiert und fanden in den unterschiedlichsten Konstellationen zusammen, um im Zuge kollektiver Projekte die Öffentlichkeit aufzurütteln. Ihre Arbeiten zielten darauf ab, Missstände aufzuzeigen, Informationen zu verbreiten und Aufklärungsarbeit zu leisten. Mit der Gründung von ACT UP (Aids Coalition to Unleash Power) entstand 1987 in den USA eine der kraftvollsten Vereinigungen, die Aids den Kampf erklärten. Unter dem Motto «Stand Up, Fight Back» wurden mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen Dynamik und Politisierung in die Thematisierung von Aids gebracht und eine überfällige Lobby-Arbeit etabliert, die sich für die Rechte der Betroffenen einsetzte. Aus heutiger Sicht ist unbestritten, dass die jahrelange Ignoranz der US-Regierung die Krise um ein Vielfaches potenziert hat. Das fatale Schweigen insbesondere auch des Präsidenten Ronald Reagan, der erst Ende Mai 1987 öffentlich das Wort «Aids» benutzte, prangert der Künstler Donald Moffett beispielsweise ganz offen in seinem Poster He Kills Me (1987) an.

Eineinhalb Jahre bevor ACT UP zusammenfand, gründeten Avram Finkelstein, Brian Howard, Oliver Johnston, Charles Kreloff, Chris Lione und Jorge Soccaras das Projekt «Silence = Death». In gemeinsamer Diskussion erarbeiteten sie das wohl kraftvollste Symbol für die Aids-Bewegung: den umgekehrten rosa Winkel auf schwarzem Hintergrund, ergänzt mit der Gleichung «Silence = Death», welcher auch in der Ausstellung zu sehen ist.

Zu den bekanntesten Künstler_innenkollektiven zählt Gran Fury, das von 1988 bis in die frühen 1990er Jahre aktiv war und dessen ikonisches Video Kissing Doesn’t Kill (1989) sich die Bildwelt der damals aktuellen Werbekampagne der italienischen Kleidermarke Benetton aneignete, um mit Vorurteilen rund um die Übertragung des HIVirus aufzuräumen. Auch fierce pussy zählen zu den einflussreichen Zusammenschlüssen von Kunstschaffenden. Sie sorgen seit den 1990er Jahren mit ihren Interventionen im öffentlichen Raum für Furore, im Zuge derer sie sich für die Rechte von Frauen, insbesondere von Lesben, starkmachen. Um möglichst schnell ein breites Publikum zu erreichen, bedrucken sie Flyer, T-Shirts, Postkarten und Aufkleber mit ihren Botschaften, für die sie gefundene Bilder und eine einfache Computerschrift miteinander verschränken.

Aus kunsthistorischer Perspektive sind gerade diese temporären Zusammenschlüsse von Künstler_innen von grossem Interesse, da diese mittels Techniken aus der Pop und Appropriation Art wirksam in die Alltagswirklichkeit eingriffen und dafür sorgten, dass nicht gehörten Stimmen Gehör verschafft wurde. Durch die Aneignung der Strategien von Medien- und Kommunikationskultur entwickelte sich im Umfeld von ACT UP eine spezifische Ästhetik des Protests, die auf konzeptueller wie visueller Ebene prägend für den Umgang mit Aids/HIV im künstlerischen Bereich war, aber auch grossen Einfluss auf sozial engagierte Kunst allgemein nahm.

«Recently»

Lyle Ashton Harris, Marc Bauer, Nayland Blake, Andrea Bowers, Avram Finkelstein / «HIV Criminalization» Flash Collective, Avram Finkelstein / «Queer Crisis» Flash Collective, Carlos Motta, Real Madrid, Lili Reynaud-Dewar, Hunter Reynolds, Prem Sahib, Chéri Samba, Ellen Spiro & Cheryl Dunye, Edward Thomasson, Wolfgang Tillmans und Sue Williamson

Hauptaugenmerk des vierten Kapitels der Ausstellung bilden künstlerische Positionen, die sich mit dem heutigen Umgang mit dem HI-Virus und mit Aids auseinandersetzen. Wie wird heute über Aids/HIV gesprochen? Was sind die gegenwärtigen Probleme, Perspektiven und Herausforderungen im Umgang mit der Krankheit? Wie positioniert man sich dabei zur Vergangenheit?

Auffällig ist, dass sich in den vergangenen Jahren insbesondere durch eine Reihe von Dokumentar- und Spielfilmen eine spezifische Erzählung der Aids-Krise etabliert hat, die in ihrem Aufbau einem klassischen Drama gleicht und Aids vielfach als einen Zustand der Vergangenheit historisiert. So stilisieren die Schilderungen die Einführung der hochaktiven antiretroviralen Therapie als Deus ex Machina, mit der HIV/Aids als chronische, nunmehr therapierbare Krankheit ihre Dringlichkeit und damit auch das breite öffentliche Interesse ihr gegenüber verloren hat. Die so eingeläutete «zweite Stille» und nicht zuletzt eine damit einhergehende mangelnde Aufklärung haben dazu geführt, dass sich die Vorurteile rund um das HI-Virus, aber auch um andere sexuell übertragbare Krankheiten wieder mehren.

Unter anderem Wolfgang Tillmann’s stilllebenartige Fotografie 17 Years Supply (2014) zeigt, dass sich mit der zeitlichen Distanz zur Krise der 1980er und 1990er Jahre und der Therapierbarkeit der Infektion – womit Aids nunmehr zwar als behandelbar, aber nichtsdestotrotz chronisch und bislang nicht heilbar einzustufen ist – auch ihre visuelle Repräsentation gewandelt hat. Ein Karton voller Medikamentenschachteln erzählt von den Mengen an Arzneimitteln, die es benötigt, um die Virenlast Betroffener dauerhaft so niedrig zu halten, dass es nicht zu einem Ausbruch von Aids kommt und der oder die Therapierte gleichzeitig nicht länger als ansteckend gilt. Die Skulpturen Undetectable und Two Dots (2013) von Prem Sahib versinnbildlichen, dass der «Schrecken» der Infektion mittlerweile stark abstrahiert ist. Sie greifen jene HIV-Schnelltests auf, bei denen ein positives Ergebnis durch zwei blaue Punkte angezeigt wird, während ein negatives Ergebnis oder der Zustand einer erfolgreichen Therapie, bei der die Virenlast nicht mehr nachweisbar ist, durch zwei weisse Punkte angezeigt wird. Dass trotz der neuen therapeutischen Möglichkeiten Aufklärungsarbeit nach wie vor dringend von- nöten ist, thematisiert unter anderem Ellen Spiros & Cheryl Dunyes Film DiAna’s Hair Ego REMIX (2017). Die Filmemacherin Dunye hatte 1989 den Friseursalon von DiAna besucht, in dem diese nicht nur Haare schnitt, sondern vor allem sexpositive Aufklärungsarbeit leistete. Rund 30 Jahre später engagiert sich DiAna nach wie vor in derselben Thematik, sodass der zweite Film, für den sich Dunye mit Spiro zusammentat, einerseits eine Hommage an den unermüdlichen Einsatz DiAnas ist und gleichzeitig anmahnt, dass Aids keinesfalls ein Zustand der Vergangenheit ist.

Das Anliegen der Ausstellung ist es, aufzuzeigen, dass Kunst im Kontext von HIV/Aids als aktivistische Strategie, als Erinnerungsspeicher, als Anklage wie auch als Reflexionsinstrument fungiert hat und es bis heute tut. Darüber darf jedoch keinesfalls vergessen werden, welch enorme Arbeit nach wie vor gerade auf politischer Ebene zu leisten ist, möchte man die Ausbreitung des Virus unterbinden und all jenen Menschen, die sich bereits infiziert haben, einen Zugang zu den überlebenswichtigen Medikamenten ermöglichen, unabhängig von ihrer Nationalität, ihrem Wohnort und ihrem Einkommen. Dazu gehören Aufklärungskampagnen einerseits und andererseits ein flächendeckender gleichberechtigter Zugang zu PrEP (Präexpositionsprophylaxe) – die vorsorgliche Einnahme von HIV-Medikamenten seitens HIV-negativer Personen vor Risikokontakten – und PEP (postexpositionelle Prophylaxe), welche nach einer Risikosituation die Infizierung durch eine antiretrovirale Behandlung verhindern kann.

Die Ausstellung United by Aids – An Exhibition about Loss, Remembrance, Activism and Art in Response to HIV/Aids soll in einer Zeit, in der viele gesellschaftliche Errungenschaften wie eine selbstbestimmte und autonome Sexualität, die Gleichberechtigung oder ethische und moralische Werte jenseits von nationalistisch oder rassistisch bestimmten Grundsätzen wieder in Gefahr sind oder teils von ultrakonservativen Kreisen gar rückgängig gemacht werden, nicht nur der Reflexion und der Wissensvermittlung dienen, sondern auch an das transformative Potenzial von Kunst erinnern.

United by Aids
An exhibition about loss, remembrance, activism and art in response to HIV/Aids
31. August bis 10. November 2019
Kurator: Dr. Raphael Gygax
Assistenzkuratorin: Elsa Himmer

Migros Museum für Gegenwartskunst
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CH - 8005 Zürich

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