Umarmen und Aufblühen

Die Galerie 9und20 zeigt mit „Embrace & Bloom“ Malerei von Katja Berger und Rhea Standke. Beide Künstlerinnen lassen sich im Kontext einer neuen Romantik verorten. In einer komplexen, unsicheren Gegenwart wird Malerei erneut zu einem Ort von Sehnsucht und Sinnsuche.

Kunstgeschichtlich knüpft diese Ausstellung an die Romantik des frühen 19. Jahrhunderts an, die damals – im Zeitalter der Industrialisierung und als Gegenbewegung zur Aufklärung – Gefühle, Fantasie und Natur ins Zentrum rückte. Die zeitgenössische Romantik wiederum reagiert auf die Unsicherheiten der Gegenwart und bildet einen Gegenpol zur rationalen, digitalen Welt des Technofeudalismus. Wie in der historischen Romantik stehen bei den zeitgenössischen Malerinnen Berger und Standke nicht äußere Realität, sondern persönliche Erfahrung, Natur und emotionale Tiefe im Mittelpunkt. Das Lebendige – die Natur ebenso wie die zwischenmenschlichen Beziehungen – erscheint in ihrer Malerei als fragil und verletzlich. Es verschiebt sich aus der stabilen Wirklichkeit in innere oder imaginäre Räume.
Rhea Standke lebt und arbeitet in Wien und Düsseldorf. In ihrer Malerei verbindet sie abstrakte und gegenständliche Elemente, Farbe und Licht spielen eine wichtige Rolle. Blumen erscheinen nicht als botanische Motive, sondern, wie Standke beschreibt, „als offene Zustände des Werdens – als Wachstum, Bewegung und Ausdehnung. – Im Übergang zwischen Blüte, Kristall und Kosmos im Spannungsfeld zwischen Natur und Unendlichkeit. Meine Arbeiten zielen nicht ab auf Abbildung, sondern auf Wahrnehmung,“ erklärt die Künstlerin.
Katja Berger lebt und arbeitet in Wien und Vorarlberg. Sie malt Motive aus alltäglichen, intimen und zugleich archetypischen Situationen. Für Anne Avramut liegt bei Berger „im Gespräch, im Moment des Berührens, im gemeinsamen Mahl, im Blick in die Augen eine existentielle Dimension. (…) Die Kompositionen entstehen aus einem Gleichgewicht von Linie und Fläche, aus der genauen Abstimmung von Farbe und Blick: nichts bleibt beiläufig, jede Geste, jede Positionierung besitzt ein psychologisches Gewicht.“ „Embrace“ ist für Berger „eine Suche nach Stärke und Verbundenheit menschlicher, tierischer und phantastischer Figuren in einer Welt, die von Unsicherheiten und inneren Widersprüchen geprägt ist. Im Zentrum steht das grundlegende Bedürfnis nach Nähe und sozialer Interaktion.“
„Ohne Umarmung ist kein Aufblühen möglich“, meint Klaus Feldkircher, Vorstand in der Galerie 9und20, am Schluss seiner Vernissage-Rede. Die titelgebende Umarmung, die Überwindung der Grenzen zwischen dem Einzelnen, das Erleben einer Mitgeschöpflichkeit mit allen Lebewesen ist das zentrale Motiv der Romantik, das in dieser Ausstellung eine zeitgenössische Weiterführung erfährt.

Galerie 9und20: Embrace &Bloom
13.3. bis 23.4. 2026
Do, Fr: 16:00-19:00
Sa 11:00-15:00