Traummotive in der Gegenwartskunst

Ein Drittel unseres Lebens verbringen wir im Traum – und doch entzieht sich das Träumen bis heute einer eindeutigen Erklärung. In der Kunst spielt der Traum seit der Romantik eine zentrale Rolle. Im Surrealismus dient er als eine wichtige Inspirationsquelle für künstlerisches Schaffen.

Das Kunsthaus Zug widmet sich in einer Sammlungspräsentation dem Thema „Träumende Dinge”. Sie vereint rund fünfzehn Künstler:innen, deren Arbeiten der Logik des Traums folgen oder ihn als schöpferische Ressource nutzen. Es entsteht eine surreale Poetik, in der alltägliche Dinge ein faszinierendes Eigenleben entfalten. Die Ausstellung spannt einen Bogen über rund 100 Jahre künstlerischer Produktion – von Lou Stengele (1898–1993) über Meret Oppenheim (1913–1985) bis zu Maya Hottarek (* 1990). Die Ausstellung eröffnet neue Perspektiven auf die Sammlung und unterstreicht die anhaltende Aktualität des Traummotivs in der Gegenwartskunst.

„Ich möchte einmal etwas malen, was ich noch nie gesehen habe.” Ilse Weber

Dieser Satz beschreibt die Entstehung traumwandlerischer Bildwelten im Schaffen von Ilse Weber und verweist zugleich auf das Thema der Ausstellung „Träumende Dinge”. Die Sammlungspräsentation vereint über fünfzehn Künstler:innen, deren Arbeiten sich auf unterschiedliche Weise mit dem Träumen verbinden lassen. Der Traum dient dabei teils als direkte Quelle künstlerischer Arbeit – etwa bei Meret Oppenheim, die bereits früh ein Traumtagebuch führte. Zugleich folgen viele der entwickelten Bildwelten einer eigenen Logik des Traums: Das Vertraute erscheint rätselhaft, es entsteht eine surreale Poetik, in der Dinge ein ungewöhnliches Eigenleben entfalten.

Der Traum als künstlerisches Motiv ist sehr alt. Spätestens seit der Romantik gehört er zu den zentralen Motiven der Kunst. Im Surrealismus wurde er – im Rückgriff auf Sigmund Freud und Carl Gustav Jung – zu einer wichtigen Quelle künstlerischer Produktion. Entsprechend stehen viele der präsentierten Künstlerinnen dieser Tradition nahe. Körper und Objekte werden verfremdet, aus ihren gewohnten Zusammenhängen gelöst und mit neuer Bedeutung aufgeladen. So hebt bei Ilse Weber ein Stuhl scheinbar schwerelos vom Boden ab, Josephine Troller formt aus Ästen neue pflanzenhafte Gebilde, Heidi Bucher verwandelt den Abdruck einer Hockeyhose in ein geflügeltes Wesen und Hannah Villiger setzt fotografische Körperfragmente zu neuen, in der Realität nicht existierenden Körperbildern zusammen.

Neben diesen oft spielerischen, traumhaften Bildfindungen zeigt die Ausstellung auch die Nachtseite des Traums. Das Alptraumhafte tritt in Selbstzweifeln, Schaffenskrisen und in der künstlerischen Verarbeitung von Angst, Schmerz und Wut hervor. Meret Oppenheim erlebte eine langjährige Schaffenskrise, Eva Wipf bewegte sich zwischen Licht und Schatten, während Lou Stengele in poetischen Bildtiteln nächtliche Szenarien entwarf.

Die Ausstellung gibt Künstlerinnen eine Bühne, die mit herausragenden Arbeiten in der historisch stark von männlichen Positionen geprägten Sammlung vertreten sind. Werke aus der Sammlung werden durch ausgewählte Leihgaben ergänzt, insbesondere durch Dokumente aus den Nachlässen. Die Ausstellung spannt einen Bogen über rund 100 Jahre künstlerischer Produktion – von Lou Stengele (1898–1993) und Meret Oppenheim (1913–1985) bis zu Miriam Cahn (* 1949) und Maya Hottarek (* 1990). Sie eröffnet neue Perspektiven auf die Sammlung und unterstreicht die anhaltende Relevanz des Traums in der zeitgenössischen Kunst. Mit Werken von Judith Albert, Anna Margrit Annen, Heidi Bucher, Miriam Cahn, Trudi Demut, Livia Salome Gnos, Rut Himmelsbach, Maya Hottarek, Irma Ineichen, Meret Oppenheim, Klaudia Schifferle, Lou Stengele, Josephine Troller, Hannah Villiger, Ilse Weber, Eva Wipf und anderen.

Träumende Dinge
Heidi Bucher, Miriam Cahn, Meret Oppenheim, Hannah Villiger, Ilse Weber u. a.
Kuratiert von Jana Bruggmann
13.06.–27.09.2026