Vom 22. Mai bis 18. Juni 2026 läutet das Mumok unter der Leitung von Generaldirektorin Fatima Hellberg ein neues Kapitel ein – mit einem besonderen Projekt. In Vorbereitung ihrer ersten musealen Einzelausstellung wird die georgische Künstlerin Tolia Astakhishvili mehrere Monate lang in den Räumen des Museums arbeiten. Dabei lädt sie zum „Tolia Curriculum” ein – ein Format, das die Zeitlichkeit des Ausstellungsmachens neu konzipiert. Astakhishvili greift in die üblichen logistischen Abläufe des Museums ein und macht die sonst verborgene Produktions- und Aufbauphase öffentlich. So ermöglicht sie es, den Prozess nicht nur mitzuerleben, sondern auch an ihm teilzuhaben. Dabei richtet die Künstlerin ihre Aufmerksamkeit auf Momente der Veränderung und dehnt sowohl den Aufbau als auch den künstlerischen Prozess über die gewöhnlichen zeitlichen Begrenzungen hinaus aus. Die Besucher:innen sind dazu angehalten, sich mit ihrer Arbeit auseinanderzusetzen, während diese entsteht – zum ersten Mal in der Geschichte des mumok. „Ich mag es, Menschen zusammenzubringen und Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Dinge geschehen. Alles ist eine Form der Zusammenarbeit – ob mit jemandem, mit etwas oder in Erinnerung an sie“, so Astakhishvili über ihre Praxis.
Innerhalb einer sich kontinuierlich wandelnden architektonischen Umgebung entfaltet sich das „Tolia Curriculum“ als lebendiges, täglich stattfindendes Programm aus Workshops, Filmvorführungen, Lesungen und partizipativen Formaten für Kinder und Erwachsene. So spiegelt es Astakhishvilis Ansatz wider, Räume zu bewohnen und dabei zuzulassen, dass sie im Laufe der Zeit durch die hinterlassenen Spuren verwandelt werden. Dafür zieht die Künstlerin ihre engsten Kollaborateur:innen heran und öffnet ihre Praxis dem Austausch mit der Öffentlichkeit. Zu den Beitragenden zählen Künstler:innen wie James Richards und Veronica Brovall, Autor:innen und Forscher:innen wie Livia Polanyi und Kristian Vistrup Madsen, die Dichterin Liesl Ujvary sowie der Architekt des Mumok, Laurids Ortner. Sie alle verbindet ein gemeinsames Verständnis von Bildung als kollektive Praxis. „Wir wollen eine Situation kreieren, in der man Zeit verbringen kann, aufmerksam ist und miterlebt, wie sich etwas verändert”, sagt Fatima Hellberg. „Indem wir das Museum zu einer Zeit öffnen, in der es den Besucher:innen üblicherweise verschlossen bleibt, schaffen wir die Möglichkeit, sowohl die Künstlerin als auch ihren Schaffensprozess und darüber hinaus die Institution selbst kennenzulernen und auf neue Art und Weise zu erleben.“
Das „Tolia Curriculum“ verwandelt das Museum in einen Ort, an dem künstlerisches Schaffen als fortlaufender Prozess erlebt werden kann – ein Prozess, der sich an der Schwelle zwischen der kurzweiligen Dauer einer Ausstellung und den Abläufen des Alltags verortet. Das Projekt stimmt auf Astakhishvilis kommende Ausstellung „Figure of the Child“ ein, die sich über zwei Ebenen des Museums erstreckt, sowie auf das Programm des Mumok für 2026, bei dem sich das Museum über das Jahr hinweg den Beziehungen zwischen Kunstwerken und Betrachter:innen sowie zwischen Produktion und Präsentation widmen wird – mit dem Ziel, die Grenzen zwischen Kunst und Leben verschwimmen zu lassen. „Wir wollen herausfinden, was geschieht, wenn ein Museum nicht erst mit der fertigen Ausstellung eröffnet“, fährt Fatima Hellberg fort. „Das Mumok blickt auf eine lange Tradition der Untersuchung des dynamischen Zusammenspiels von Kunst und dem täglichen Leben zurück. Diesen Prozess mit der Öffentlichkeit zu teilen, ist ein wichtiger Schritt – gerade zu einem Zeitpunkt, an dem unsere eigene Arbeit noch im Entstehen begriffen ist.“
Tolia Astakhishvili (geb. 1974 in Tiflis, Georgien) lebt und arbeitet in Tiflis und Berlin. In ihrer interdisziplinären Praxis, die Skulptur, Zeichnung, Malerei, Sound und Video verbindet, entwickelt sie raumgreifende Installationen. Dabei begreift sie Architektur als ein von Körpern, Erinnerungen und Geschichten geprägtes, offenes Material.
Die von Fatima Hellberg und Manuela Ammer kuratierte Ausstellung „Tolia Astakhishvili, Figure of the Child“ ist vom 20. Juni bis 1. November 2026 im Mumok zu sehen.
Tolia Curriculum
Das mumok lädt in den Kosmos von Tolia Astakhishvili
22. Mai bis 18. Juni 2026