Ein wiederkehrendes Motiv in Tolia Astakhishvilis Werk ist die "Figur des Kindes". Auch die erste museale Einzelausstellung der georgischen Künstlerin nimmt dieses Motiv als Ausgangspunkt.
Diese steht einerseits für den hohen Grad an intellektueller und schöpferischer Autonomie, den ein Kind verkörpert, andererseits aber auch für seine grundlegende Abhängigkeit von anderen. In diesem Spannungsfeld, das in der Erfahrung verankert ist, dass wir alle einmal Kinder waren, lotet die Ausstellung die Möglichkeiten und Grenzen von Empathie aus und erweist sich schließlich als eine Übung der Imagination. Astakhishvilis Arbeit richtet das Augenmerk auf das Erlebnis von Kunst selbst, indem sie sich bewusst von den Konventionen musealer Präsentation löst. Der Gedanke der „ersten Begegnung“, wie Kinder ihn bei der erstmaligen Erfahrung eines Phänomens erleben, bildet dabei den Schlüssel zu einer neuen Art der Wahrnehmung.
Astakhishvilis Werk zeichnet sich durch ein feines Gespür für Raum als komplexes Gefüge aus, das von all jenen geprägt wird, die es erfahren. Die Künstlerin arbeitet mit Skulptur, Klang, Video, architektonischen Elementen sowie Malerei und Zeichnung und verbindet diese Medien zu raumgreifenden Installationen. Ihr Zugang zum Thema Raum ist bestimmt von einem ausgeprägten Bewusstsein für Vergänglichkeit und das Fortwirken früherer Funktionen, Nutzungen und Formen. So verwandeln ihre Installationen das Museum von einem statischen Ort in einen lebendigen Raum, der bewohnt, durchquert und erlebt wird.
Astakhishvilis Ausstellung "Figure of the Child" entsteht im Dialog mit einer Vielzahl von Mitwirkenden ebenso wie Werken aus der Mumok Sammlung, darunter Zurab Astakhishvili, Aurel, Ştefan Bertalan, Kaucyila Brooke, Veronica Brovall, Günter Brus, Elene Chantladze, James Ensor, Nan Goldin, Yaryna Fedoriv, Irma Gubeladze, Ull Hohn, Paul Joostens, Alison Knowles, Louise Lawler, Charlotte Moorman & Nam June Paik, Dylan Peirce, Pablo Picasso, Charlotte Posenenske, James Richards, Irena Rosc, Medardo Rosso, Dieter Roth, Maka Sanadze und Heimo Zobernig.
Tolia Astakhishvili (* 1974 in Tiflis, Georgien) lebt und arbeitet in Tiflis und Berlin. In ihrer interdisziplinären Praxis, die Skulptur, Zeichnung, Malerei, Sound und Video verbindet, entwickelt sie raumgreifende Installationen. Dabei begreift sie Architektur als ein von Körpern, Erinnerungen und Geschichten geprägtes, offenes Material.
Tolia Astakhishvili
Figure of the Child
bis 1. November 2026