Tierbronzen des 19. Jahrhunderts

Die Ausstellung „Stolzer Strauß und wütender Tiger“ in der Alten Pinakothek in München widmet sich der faszinierenden Entwicklung der Tierskulptur zwischen 1830 und 1910, einer Epoche, in der das Tier zu einem eigenständigen Kunstmotiv wurde.

Von den anatomisch präzisen Bronzen Antoine-Louis Baryes über die feinfühligen Naturstudien Pierre-Jules Mênes bis zu den klaren, modernen Formen August Gauls entfaltet sich ein facettenreiches Bild künstlerischer Erneuerung.

Frankreich gilt als Ausgangspunkt dieser Bewegung. Hier befreiten Künstler das Tier aus einer rein symbolischen Funktion und fokussierten sich stattdessen auf die genaue Naturbeobachtung. In Deutschland knüpfte man mit eigenen Akzenten zwischen Realismus und Formgefühl an diese Ansätze an. Ausgehend von der detailverliebten, heroischen Tierdarstellung entwickelte sich eine stilistisch reduzierte Formensprache, die das Tier als Teil der modernen Skulptur etablierte.

Die Ausstellung führt von der Pariser Kunstszene in die Salons des europäischen Bürgertums, wo kleine Tierbronzen als begehrte Sammlerstücke galten. Zugleich beleuchtet sie die Schattenseiten dieser Faszination: den kolonialen Blick auf die „exotische“ Natur. So wird deutlich, wie eng Kunst, Kolonialismus und gesellschaftliche Repräsentation miteinander verwoben waren – zwischen Bewunderung und Aneignung. So erzählen die Skulpturen und Bilder der Ausstellung von der europäischen Sehnsucht nach dem Fremden und vom wachsenden Selbstbewusstsein der europäischen Gesellschaft im bürgerlichen Zeitalter. Dieses Selbstbewusstsein spiegelte sich auch in den als bürgerliche Aktiengesellschaften geführten Zoos wider. Zugleich werfen die Werke Fragen auf, die bis heute aktuell sind: Wie formen Bilder unsere Vorstellung von Natur und Welt? Und welche Geschichten erzählen Kunstwerke, wenn man ihren politischen und kulturellen Kontext sichtbar macht? „Stolzer Strauß und wütender Tiger“ verknüpft meisterhafte Kunst mit kritischer Reflexion.

Stolzer Strauß und wütender Tiger
Tierbronzen des 19. Jahrhunderts
Bis 11. Oktober 2026