Die Ausstellung im Dom Museum Wien zeigt Werke in den unterschiedlichsten Medien. Sie reicht vom Mittelalter bis in die Gegenwart. So wird das Thema Arbeit aus persönlicher und gesellschaftspolitischer Sicht beleuchtet. Neben Exponaten aus den Sammlungen des Museums umfasst sie nationale und internationale Leihgaben sowie eigens für die Ausstellung entstandene Arbeiten.
Arbeit bestimmt den Großteil des menschlichen Lebens. Sie legt fest, wie und mit wem der Alltag verbracht wird, wie viel Geld einem zur Verfügung steht und welchen gesellschaftlichen Wert oder Nutzen man hat. Menschen arbeiten, um zu überleben – durch Nahrungssicherung, Schutz, Pflege und Herstellung –, aber auch, um sich auszudrücken, zu gestalten und sich zu verbinden. Arbeit strukturiert Zeit, Raum und soziale Beziehungen. In einer Gegenwart, die von wirtschaftlichen Krisen, globaler Ungleichheit und einem tiefgreifenden Wandel der Arbeitswelt geprägt ist, gewinnt die Auseinandersetzung mit Arbeit an Dringlichkeit. Plattformarbeit, Automatisierung, künstliche Intelligenz, Migration, die Care-Krise und soziale Prekarität stellen alte Sicherheiten infrage.
Im Zentrum der Ausstellung steht das menschliche Ringen mit der Frage nach Erwerbsarbeit, nach ihrer Notwendigkeit, Sinnhaftigkeit, Zumutung und Gestaltung. Doch der Begriff von Arbeit wird in den Kunstwerken selbst immer wieder infrage gestellt und erweitert. Es werden auch Werke gezeigt, die sich mit unsichtbarer, unbezahlter oder zu gering bezahlter Arbeit auseinandersetzen: Care-Arbeit, Hausarbeit, künstlerische Arbeit, Protestformen oder Prokrastination sind Bereiche, die in traditionellen Arbeitsdefinitionen oft marginalisiert werden.
Vor dem Hintergrund der sakralen Bestände des Dom Museums Wien und der biblischen Überlieferung erhält das Thema Arbeit zusätzliche Tiefenschichten, die ethische, ökonomische und gesellschaftliche Fragen berühren. In einer Institution mit kirchlichem Hintergrund, deren Sammlung auch auf soziale Verantwortung und ethische Fragen gegründet ist, kommt der Thematik eine besondere Relevanz zu. Insbesondere in Wien trifft der Diskurs auf ein kulturelles Gedächtnis, das durch das Rote Wien und seine sozialpolitischen Visionen bis heute nachwirkt.
Der Ausstellungstitel lädt zur Reflexion über den Wandel und die Überfrachtung des Begriffs ein. Der Titel verweist auf das Prozesshafte, das Unfertige, das Fragende – und erinnert daran, dass auch das Nachdenken über Arbeit selbst „in Arbeit“ ist. Er spielt mit der Vieldeutigkeit eines Begriffs, der Norm, Last, Hoffnung und Struktur zugleich sein kann.
Wie sämtliche Ausstellungen des Dom Museums Wien seit dessen Wiedereröffnung im Jahr 2017 erzählt auch „Alles in Arbeit“ keine chronologische Geschichte, sondern nähert sich dem Thema über diverse Zugänge – politisch, sozial, religiös, ästhetisch. Die Ausstellung spannt anhand von Grafik, Malerei, Skulptur, Fotografie, Video- und Installationskunst einen großen Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Die Auswahl zeigt sowohl Werke aus den historischen Beständen des Hauses als auch aus der Sammlung Otto Mauer Contemporary. Darüber hinaus umfasst sie hochkarätige Leihgaben aus nationalen und internationalen Sammlungen, Museen, Stiften und Galerien. „Alles in Arbeit“ bezieht Arbeiten zahlreicher Gegenwartskünstler:innen mit mehreren, zum Teil eigens für die Schau entwickelten oder neu für die Sammlung erworbenen Werken in die Ausstellung ein.
Mit Arbeiten und Werken von: Robert Adrian X, Iris Andraschek, Tabitha Arnold, Gerd Arntz, Jacopo da Ponte gen. Bassano, Willi Baumeister, KP Brehmer, Renate Eisenegger, Georg Eisler, Harun Farocki, Tine Fetz, Greta Freist, Birke Gorm, Robert Hammerstiel, Johann Hamza, Hauenschild Ritter, John Heartfield, Sofia Hultén, Anna Jermolaewa, Johanna Kandl, Anastasia Khoroshilova, Kiluanji Kia Henda, Max Klinger, Silvia Koller, Käthe Kollwitz, Auguste Kronheim, Arthur Kurtz, Hubert Lobnig, Nana Mandl, Luise Marchand, Luiza Margan, Tiago Mena Abrantes, Josef Mikl, Joiri Minaya, Fabeha Monir, Michael Neder, Lowell Nesbitt, Otto Neurath, Aeri Park, Margot Pilz, Inge Platzer, Marie Reidemeister, Lili Réthi, Isa Rosenberger, August S., Anna Schachinger, Beate Schachinger, Johann Caspar Schenck, Julius Schnorr von Carolsfeld, See Red Women’s Workshop, Klaus Staeck, Mladen Stilinović, Norbert Wagenbrett, Oliver Walker, Olga Wisinger-Florian und historische Künstler:innen, deren Namen nicht überliefert sind.
Alles in Arbeit
3. Oktober 2025 bis 30. August 2026