Teo Petruzzi - humoristisch-kritische Auseinandersetzung mit der Schweizerischen Nationalbank

Die Kunstgesellschaft Luzern hat im Jahr 2024 die Arbeit von Teo Petruzzi (*1994) mit dem Ausstellungspreis „Solo” ausgezeichnet. Petruzzi arbeitet in den Bereichen Video-, Installations- und Performancekunst. In seinen Werken untersucht er gesellschaftliche Normen und Systeme. Im Mittelpunkt von Petruzzis erster institutioneller Einzelausstellung steht die Videoinstallation „Der sichere Hafen”, die sich auf humoristisch-kritische Weise mit der Schweizerischen Nationalbank auseinandersetzt.

Die Schweizerische Nationalbank ist als Institution allen bekannt, doch verstehen sie die wenigsten. Dicke Mauern schützen vor neugierigen Blicken, und nur ein kleiner Kreis hat Zutritt. Dort werden das schweizerische Staatsvermögen und ein enormes ökonomisches Wissen bewahrt. Die Arbeit von Petruzzi soll zum einen die Mechanismen der Schweizerischen Nationalbank erläutern, ihre fragwürdigen Investitionen aufzeigen und ihre Resistenz gegenüber Reformen durchleuchten. Um diesen Zugang zu schaffen, nutzt Petruzzi eine besondere Erzählperspektive: eine Toilettenschüssel in der Herrentoilette der Schweizerischen Nationalbank.

Die raumgreifende Videoinstallation gewährt dem Publikum Einblick in eine Toilettenkabine. In Form eines Monologs erzählt die Toilettenschüssel trotz ihrer Verpflichtung zur Verschwiegenheit von kleinen und großen Geschäften beziehungsweise der „sauberen, diskreten und effizienten Liquidierung von Emissionen”. Sie gibt intime Einblicke in die Innenwelt der Nationalbank und verteidigt die Werte der kapitalistischen Marktwirtschaft. Dabei werden die hegemonialen Strukturen und die Verschwiegenheit des Bankensystems hinterfragt. Für das Skript arbeitete Petruzzi eng mit dem Ökonomen und Wirtschaftsjournalisten Fabio Canetg sowie dem Komiker Johannes Dullin zusammen, der der WC-Schüssel zudem seine Stimme leiht. Das Pissoir wird von Azur Gosteli eingesprochen.

Die Toilette zieht sich als künstlerisches Motiv durch die Kunstgeschichte: Marcel Duchamps umgedrehtes Pissoir „Fountain” (1917) gilt als Ikone der „Anti-Kunst” und wurde 1991 von Sherrie Levine als „Fountain (Buddha)” in Bronze neu interpretiert. Auch Maurizio Cattelans öffentlich zugängliche, aus 18-karätigem Gold geschaffene WC-Schüssel „America” (2016), Luis Buñuels Film „Le Fantôme de la liberté” (1974) und Alexey Gerasimovs satirische YouTube-Reihe „Skibidi Toilet” (seit 2023) nutzen die Toilette (oder das Pissoir) als Ausgangspunkt für gesellschafts- und kulturkritische Auseinandersetzungen.

Die Toilette in „Der sichere Hafen” kann auch sinnbildlich für die Schweiz verstanden werden. Mit der Arbeit zeigt Petruzzi die Missstände in einem Land auf, das unter dem Deckmantel der „Neutralität” einem stillen, geheimen und verschwiegenen Dienst nachgeht – das dreckige Geschäft der Welt diskret zu entsorgen. Ergänzend zum Werk „Der sichere Hafen” erscheint im Rahmen der Ausstellung „Solo” die Edition „Pocket Change”, die aus bedruckten Legosteinen besteht, deren Design sich an den aktuellen schweizerischen Banknoten orientiert. Die Edition kann während der Ausstellung im Museumsshop erworben werden.

Kuratiert von Milena von Schulthess.

Solo Teo Petruzzi
Bis 8.2.2026