Mo, 15.04.2019 / Ausstellung 
Fr, 05.04.2019 Mi, 15.05.2019

Notstand überall: Personalmangel im Bereich der Pflege, Vereinsamung als Realität des gegenwärtigen Lebens, globale Zerstörung unseres Planeten. Paradoxerweise sind Tätigkeiten der Fürsorge, die diesem Missstand entgegenwirken, oft unterbezahlt und von abwertenden Zuschreibungen geprägt.

Ausgehend vom Spannungsverhältnis zwischen der gesellschaftlichen Relevanz von Fürsorge und ihrer gleichzeitigen Geringschätzung, versammelt der Kunstraum Niederoesterreich mit der Ausstellung TechnoCare Arbeiten österreichischer und internationaler Künstler_innen, die sich mit den technologischen Vermittlungsversuchen von Care befassen. Im Mittelpunkt der von Katharina Brandl und Friederike Zenker kuratierten Schau steht der relationale Charakter allen fürsorglichen Handelns, denn, so die Kuratorinnen: „Den Fokus auf Fürsorge zu legen heißt, unmissverständlich den Fokus auf Beziehungen zu legen.“ – Auch im Zeitalter des Digitalen.

Kann es die ästhetische Erfahrung ermöglichen, einen fürsorglichen Blick zu kultivieren? Gelingt Fürsorge dank Technologien über räumliche, zeitliche und emotionale Distanzen hinweg? Wie können Technologien selbst zu Akteur_innen der Fürsorge werden? Die neue künstlerische Leiterin des Kunstraum Niederoesterreich Katharina Brandl und die Tierethikerin Friederike Zenker zeigen Arbeiten aus den Bereichen bildende Kunst, Performance und Medienkunst, die sich an der Schnittstelle von ethischen, sozialen und ästhetischen Fragestellungen verorten lassen.

Der einer feministischen Ethik zugrunde liegende Care-Begriff versteht sich dabei als Modus des fürsorglichen Denkens, Fühlens und Wahrnehmens und geht über den Bereich des Privaten hinaus. Die Ausstellung rückt die Beziehungen zwischen Menschen, aber auch zwischen Mensch und Tier in den Mittelpunkt und stellt die Frage nach Technologien als Motor eines gesamtgesellschaftlichen fürsorglichen Miteinanders. Dabei sind die Besucher_innen gefordert, ihr Verständnis von Fürsorge kritisch zu hinterfragen, eine fürsorgliche Perspektive einzunehmen oder sich dieser zu entziehen. Von „lovebots“ über virtuelle Haustier-Vermenschlichung bis hin zur performativen Reflexion von speziesübergreifender Kontaktaufnahme: TechnoCare nimmt nicht nur die Praktiken gelebter Fürsorge in den Blick, sondern verweist auch auf ihre mögliche Neudefinition in unserer algorithmisierten Gegenwart.

Künstler_innen
Alexa Karolinski (DE/US) & Ingo Niermann (DE/CH), Ines Lechleitner (AT/DE) & Alice Chauchat (FR/DE), NEOZOON (DE/FR), Elisa Giardina Papa (IT/US), Les Maintenants (FR) & Marlies Pöschl (AT/FR), Miriam Coretta Schulte (DE/CH/EG), Axelle Stiefel (US/CH) & Camille Aleña (CH/UK), Marina Sula (AL/AT), Addie Wagenknecht (US/AT)

Kurator_innen
Katharina Brandl (AT), Friederike Zenker (DE/CH)

Technocare - Fürsorge im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit
5. April bis 15. Mai 2019

Kunstraum Niederösterreich
Herrengasse 13
A - 1014 Wien

T: 0043 (0)1 90421-11
F: 0043 (0)1 90421-12
E: office@kunstraum.net
W: http://www.kunstraum.net/

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  •  Fr, 05.04.2019 Mi, 15.05.2019 /
(c) Elisa Giardina Papa: Technologies of Care, 2016. Installation view, detail, XVI Quadriennale d’Arte, Palazzo delle Esposizioni, Rome, 2017.
(c) Elisa Giardina Papa: Technologies of Care, 2016. Installation view, detail, XVI Quadriennale d’Arte, Palazzo delle Esposizioni, Rome, 2017.
Addie Wagenknecht (c) Kunstraum Niederösterreich Georg Molterer
Addie Wagenknecht (c) Kunstraum Niederösterreich Georg Molterer
Neozoon (c) Kunstraum Niederösterreich Georg Molterer
Neozoon (c) Kunstraum Niederösterreich Georg Molterer
Alexa Karolinski, Ingo Niermann (c) Kunstraum Niederösterreich Georg Molterer
Alexa Karolinski, Ingo Niermann (c) Kunstraum Niederösterreich Georg Molterer
(c) Axelle Stiefel: Der Rote Faden, Detail, geflicktes Küchentuch (Stickerei), 2018.
(c) Axelle Stiefel: Der Rote Faden, Detail, geflicktes Küchentuch (Stickerei), 2018.
(c) Marlies Poeschl Aurore: found item: Hand, holding 2018
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