„Tears don’t burn“ - Monika Grabuschnigg im Kunstraum Remise Bludenz

Die nächste von Christine Lederer organisierte Ausstellung im Bludenzer Kunstraum Remise ist der 1987 in Feldkirch geborenen und heute in Berlin lebenden und arbeitenden Künstlerin Monika Grabuschnigg gewidmet.

Grabuschnigg präsentiert Skulpturen, in denen sie Keramik mit anderen Materialien verbindet. In ihren jüngeren Werkserien beschäftigt sie sich vor allem mit Alltagsobjekten wie Kühlschränken, textilen Decken oder Verpackungen, die ursprünglich Dinge enthalten, schützen oder aufbewahren, etwa Blisterstreifen oder Augentropfen-Ampullen.

Grabuschnigg wurde 2024 für den Arno-Lehmann-Preis für Keramik in Salzburg nominiert und im selben Jahr zum dritten Mal mit einem Stipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn ausgezeichnet. 2018 erhielt sie den Berlin Art Prize. Ihre Werke sind in internationalen Privatsammlungen sowie öffentlichen Institutionen vertreten, darunter in der Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins, der Sammlung des Landes Vorarlberg, und der Grafischen Sammlung der Akademie der bildenden Künste Wien.

Die Kunsthistorikerin, Kuratorin und Autorin Luisa Seipp über die neuen Arbeiten: „Alles beginnt mit Gegenständen, die etwas halten: Eine Decke hält Wärme, ein Kühlschrank bewahrt Nahrung, eine Lederjacke behält die Form eines Körpers. Monika Grabuschniggs Skulpturen in der Remise Bludenz greifen auf solche Systeme des Aufbewahrens, der Fürsorge und des Schutzes zurück. Abgüsse von Minibar-Innenleben, verhärtete Bettdecken aus Keramik, Arzneimittelverpackungen, künstliche Tränen und Eierhalter wirken zugleich entleert, entfremdet und schwebend zwischen Funktion und Erinnerung. Vertraute häusliche Formen erscheinen durch subtile Deplatzierungen unheimlich: Die transformierte Decke oder die Kühlschranktür als voyeuristische Schwelle machen die alltägliche Welt neu sichtbar.“

In Werkserien wie etwa „Single Fridge“ und „Cold Storage“ hat Grabuschnigg Kühlschranktüren abgeformt, die zumeist von Kühlgeräten aus Singlehaushalten oder Hotelzimmern stammen, und diese zu Keramikreliefs gegossen. Wer genau hinschaut, kann in den Werken vermeintliche Spuren jener Menschen entdecken, die den Kühlschrank zuletzt genutzt haben. So sind etwa Fotografien von Nahrungsmitteln und Wohnräumen oder Aluminiumabgüsse von Blisterverpackungen und Schnittblumen in den Innenfächern verwahrt. Grabuschnigg begreift den Kühlschrank als demokratisches, alltägliches und zugleich zutiefst privates Objekt. Das Innere eines Kühlschranks erscheint wie ein Archiv persönlicher Gewohnheiten, Routinen und stiller Sehnsüchte.

In Bludenz gibt Grabuschnigg auch Einblicke in die Werkserie „Confession“. Darin kombiniert sie Elemente eines Beichtstuhls als Readymade mit einem zur Masche gebundenen Lastengurt oder einem Kühlschrankgummi und überführt diese in Aluminiumgüsse. Häusliche Motive treffen hier auf rituelle Strukturen. In die kühlen, metallischen Skulpturen sind vertraute Formen aus dem Kühlschrankinneren eingelassen, darunter Eierhalter oder Einweg-Augentropfen. Spanngurt und Isoliergummi halten die zerbrechlich wirkenden Alltagsfragmente auf den gegossenen Holzformen zusammen.

Die Künstlerin betitelt ihre Ausstellung mit „Tears don’t burn“ und greift damit das Zitat „Tränen brennen nicht, außer in der Einsamkeit“ des rumänischen Philosophen Emil Cioran auf. Weinen verweist hier nicht auf Kollaps, sondern auf eine sanfte Weigerung, dem ständigen Druck standzuhalten. Die Ausstellung beschreibt eine emotionale Landschaft. Seipp: ”Anstatt Pessimismus zu illustrieren, übertragen die Werke Melancholie und Einsamkeit direkt auf Oberflächen und Objekte. Zwischen Intimität und Entfremdung offenbaren Grabuschniggs Arbeiten die fragilen Systeme, durch die das gegenwärtige Leben so fortwährend aufrecht erhalten wird.”

Monika Grabuschnigg: „Tears don’t burn“
Eröffnung: Freitag (!), 19.06.2026 19 Uhr
(ausnahmsweise diesmal Freitag und schon um 19.00h)
Ausstellung: 20.06. bis 23.07.2026
Kuratorin: Christine Lederer
Öffnungszeiten: Mi-Sa, So u. Fe 15-18