26. Januar 2019 - 4:04 / Aktuell 

Sonntag, 27. Jänner um 17:00 Uhr

Von Hans Karl Breslauer
Mit Johannes Riemann, Karl Thema, Anny Milety, Eugen Neufeld
AT, 1924

Bettauers „Stadt ohne Juden“ und der gleichnamige Film von Breslauer sind Zeitdokumente von hohem Stellenwert. Mit der neu rekonstruierten und restaurierten Fassung des Stummfilms ist ein wichtiges Zeugnis der Filmgeschichte.

Es war einer der wichtigsten Filmfunde der letzten Jahre – auf einem Pariser Flohmarkt sind die seit über 90 Jahren verschollenen Teile des österreichischen Stummfilms "Die Stadt ohne Juden" aufgetaucht.

Die Reaktionäre empören sich gegen die Herrschaft der jüdischen Intelligenz, sie dünken sich in Kunst, Handel und Industrie verdrängt und der Kanzler des Landes heckt einen abenteuerlichen Plan aus, um die lästige Judenfrage ein für alle Mal zu lösen. "Ausweisung der Juden!" So lauten die ersten Zeilen der Inhaltsangabe eines Programmheftes zu "Die Stadt ohne Juden", der überdies als "eine Utopie im Film" bezeichnet wurde. Tatsächlich erscheinen einige Motive des Films aus späterer Sicht gewissermaßen prophetisch. Allerdings erahnten weder der Regisseur noch der Schriftsteller Hugo Bettauer, dessen Roman dem Film als Grundlage diente, die Dimensionen des nationalsozialistischen Antisemitismus und der Ausrottungspolitik des Regimes. "Die Stadt ohne Juden" endet mit der Rückkehr der ausgewiesenen Juden, die zurückgeholt werden, weil man ihre Bedeutung für die Gesellschaft erkennt. Der Film löste unter den österreichischen Nationalsozialisten Proteste aus. 1925 wurde Hugo Bettauer von einem Nationalsozialisten ermordet.

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