4. Juni 2011 - 2:31 / Bühne / Schauspiel 

In Thomas Jonigks brisantem Stück "Täter" zum Thema Kindesmissbrauch (uraufgeführt 1999) begibt sich der Zuschauer gemeinsam mit zwei Opfern in eine durch Machtmissbrauch, Verleugnung und emotionale Not gekennzeichnete (Familien-) Welt. In einer Inszenierung von Daniela Löffner, die sich in der vergangenen Spielzeit mit der Uraufführung von Anne Nathers Stück "Im Wald ist man nicht verabredet" dem Zürcher Publikum vorstellte, wird "Täter" ab dem 13. Mai in der Box des Schiffbaus zu sehen sein.

Petra wird seit Jahren von ihrem Vater missbraucht; ihre Mutter sieht weg. Paul wird zum Opfer seiner übergriffigen Mutter, doch niemand nimmt ihn ernst. Das Schicksal, das die beiden Kinder teilen, führt sie zusammen: Zu zweit versuchen sie mehr oder weniger erfolgreich, die durch ihre Eltern erfahrene Gewalt zu verarbeiten und zu stoppen. Die Täter zur Rede zu stellen ist erst nach vielen Ansätzen möglich, denn Scham, Schuldzuweisungen und Sprachlosigkeit sind nur schwer zu überwinden.

Gemeinsam mit den Opfern macht sich der Zuschauer auf eine groteske, schmerzhafte und immer wieder überraschend komische Reise, in der Opfer wie Täter zu Wort kommen. Sichtbar wird eine mit Tätern und Opfern durchsetzte Welt und eine Gesellschaft, die sich durch Machtmissbrauch, Verleugnung und emotionale Defizite auszeichnet. Thomas Jonigk, Autor und Dramaturg am Schauspielhaus Zürich, hat sich in seinem 1999 am Schauspielhaus Hamburg uraufgeführten Stück "Täter" eines Themas angenommen, das in den letzten Jahren auch durch die Vielzahl und Brutalität der Missbrauchsfälle in Schulen, Kirchen und Betreuungseinrichtungen stark ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist.

Daniela Löffner begann ihre Arbeit am Theater 2003 als Regieassistentin am Theater Freiburg. 2006 wechselte sie mit Amélie Niermeyer ans Düsseldorfer Schauspielhaus und assistierte u.a. bei den Regisseuren Jürgen Gosch und Volker Lösch. Ihre erste eigene Inszenierung realisierte sie 2007 mit "Der Kissenmann" von Martin McDonagh in Düsseldorf. Dort brachte sie im gleichen Jahr auch Kanns Stück "Piaf. Keine Tränen" zur Uraufführung, 2009 dann "Verlassen" von Tina Müller. 2010 inszenierte sie Ibsens "Wildente" am Düsseldorfer Schauspielhaus und "Bleib mein schlagendes Herz" am Schauspiel Frankfurt. Seit Beginn der Spielzeit 2010/11 arbeitet Daniela Löffner als Hausregisseurin am Staatstheater Braunschweig. In Zürich inszenierte Daniela Löffner in der letzten Spielzeit Anne Nathers "Im Wald ist man nicht verabredet".

Täter von Thomas Jonigk
Regie: Daniela Löffner
Premiere: Fr 13. Mai 2011, 20 Uhr
Schiffbau/Box

Weitere Vorstellungen:
15./16./ 22./ 23./ 26./ 27./ 28./ 29. Mai
05./ 06./07./ 08./ 09./ 10. Juni

Schauspielhaus Schiffbau
Schiffbaustrasse 4
CH - 8005 Zürich

T: 0041 (0)44 258 72 39
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(c) Fotos: Christof R. Schmidt
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