Sylvie Fleury - zu Gast bei Nika Neelova

Während der Sommermonate ergänzt das Museum der Moderne Salzburg die Ausstellung „Nika Neelova. Cascade” am Mönchsberg durch eine schillernde Pop-up-Intervention. Die Schweizer Künstlerin eröffnet mit ihren elf Werken neue, unerwartete Blickwinkel auf die bestehende Schau.

Ob der Abguss von Jane Fondas Stepper aus den 1970er-Jahren, in Bronze gegossene Stilettos oder ein überdimensionales rosa Popcorn – Fleurys Skulpturen ziehen Blicke auf sich.

Doch hinter der funkelnden Oberfläche steckt weit mehr: Die Künstlerin beschäftigt sich intensiv mit unserer Konsumkultur und nimmt sie genau unter die Lupe. Mit Humor, Übertreibung und einem Hauch Provokation stellt sie Fragen wie: Warum begehren wir gewisse Dinge? Wie werden Konsumgüter zu Fetischen? Was unterscheidet ein Objekt von Kunst? Warum wollen wir uns selbst über Dinge identifizieren? Und warum schreiben wir ihnen eine übermäßige, beinah übernatürliche Bedeutung zu? Fleurys Arbeiten entlarven die Mechanismen hinter Glamour und Markenwelt.

In der Begegnung mit der bestehenden Ausstellung entsteht ein neues Spannungsfeld: Fleurys Kunstwerke treten in einen subtilen Dialog mit den umliegenden Arbeiten. Dabei geht es um Zeit sowie um das Kommen und Gehen ästhetischer Phänomene.

Über drei Räume hinweg schafft Nika Neelova eine eigene Welt, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf poetische Weise ineinander übergehen. Aus Fundstücken und Alltagsmaterialien wie verwittertem Holz, Glas oder Steinfragmenten formt sie Skulpturen und Installationen, die wie Überreste einer fernen Zeit oder einer spekulativen Zukunft erscheinen. Ihre Arbeiten erzählen von Menschen und Orten, die längst nicht mehr existieren – oder vielleicht nie existiert haben – und laden dazu ein, unsere Vorstellung von Zeit zu überdenken. In „Cascade” verwebt Neelova ihre eigenen Werke mit archäologischen Leihgaben und Sammlungsobjekten zahlreicher weiterer Künstler:innen, darunter Isa Genzken, Heinz Frank und Maria Bartuszová. Daraus entsteht eine vielschichtige Erzählung, die sich wie eine utopische Weltidee entfaltet.

In diesem Umfeld erscheinen Fleurys Werke wie bewusste Störungen, die jedoch überraschend an die Erzählung anknüpfen. Die Schweizer Künstlerin betreibt mit ihren Arbeiten eine Form der Pop-Archäologie und greift damit das zentrale Thema Zeit auf. Ausgehend von Neelovas Vorstellung einer möglichen Zukunft können Fleurys Werke daher als Prophezeiung einer Welt ohne Menschheit gelesen werden. Durch ihre übergroße und schrille Darstellung wirken die Gegenstände wie skurrile Relikte oder archäologische Funde aus einer anderen Zeit.

Sylvie Fleury wurde 1961 in Genf geboren, wo sie auch lebt und arbeitet. 2018 wurde sie mit dem Prix Meret Oppenheim der Schweiz ausgezeichnet, 2015 erhielt sie den Preis der Société des Arts de Genève.

Sylvie Fleury
zu Gast bei Nika Neelova
Bis zum 5. Oktober 2025