Am Freitag, 24. April 09, geht die Premiere von "Susn" von Herbert Achternbusch über die Bühne des Münchner Werkraum. Achternbusch erzählt in wenigen Bildern das Leben der rothaarigen Susn aus dem Bayerischen Wald. Susn ist eine freie Radikale, die an den Zwängen ihrer Welt ebenso radikal scheitert wie sie gegen sie aufbegehrt.

Im ersten Bild sieht man sie als 17-jährige Schülerin beichten. In einem sprudelndem Erzählfluss zieht sie eine erste Lebensbilanz und verteidigt ihre wilde Entschlossenheit, aus der Kirche auszutreten. "Ich wollte nicht länger in der Gemeinschaft derer bleiben, von denen ich weiß, dass ihr Glaube nur eine Kopfhaltung ist."

Zehn Jahre später sehen wir Susn, inzwischen hoffnungsfroh vom Land in die Stadt gezogen, in ihrem Studentenzimmer. Allein. In einer Gewitternacht. Mit den Mitteln der fortgesetzten Selbstbehauptung durch Sprache entsteht eine erotische Phantasmagorie, die endet mit dem Schrei aus der Musik "Be Careful With That Axe Eugene."

Weitere zehn Jahre später lebt Susn mit einem Schriftsteller, dem sein Schreiben längst zum alle anderen ignorierenden Selbstgespräch geworden ist. Im letzten Bild sitzt Susn schnapsbewehrt in einer Kirche. "Ja, oft mecht i koan Menschn mehr sehng und von koan Herrgott was wißn, aber wer solltn mir zuhörn, wenn net der Herrgott?".

Achternbusch hat seine Susn mit einem Lebenshunger ausgestattet, für den es in der Welt, so wie sie sie vorfindet, nicht die entsprechende Nahrung gibt. Zugleich besitzt sie eine ungeheure Verweigerungsenergie. Das muss natürlich himmeltraurig enden. Denn: "Wahrscheinlich ist die Revolution eben doch ein jetzt täglich zu leistender Prozess und nicht ein einziger blutiger Tag auf den man hinarbeiten muss." Es ist also Zeit für einen neuen Achternbusch, auch oder gerade, wenn er wie Susn 29 Jahre alt ist.

Herbert Achternbusch wurde 1938 in München geboren und wuchs zunächst im Bayerischen Wald auf. Er arbeitet als Maler und Schriftsteller, seit seinem ersten Film "Das Andechser Gefühl" (1974) auch als Filmemacher. Bereits 1975 erhielt Herbert Achternbusch die Ludwig-Thoma-Medaille der Stadt München, dann, neben zahlreichen anderen Auszeichnungen, zweimal den Mülheimer Dramatikerpreis: 1986 für "Gust" und 1994 für das an den Münchner Kammerspielen uraufgeführte Stück "Der Stiefel und sein Socken". Heute lebt Herbert Achternbusch in München und Niederösterreich.

Mit den Münchner Kammerspielen steht er in einer langjährigen Verbindung. Hier gelangte eine Vielzahl seiner Stücke, meist in eigener Regie, zur Uraufführung: "Weg" (1985), "Linz" (1987), "Auf verlorenem Posten" (1990), "Der Stiefel und sein Socken" (1993), "Letzter Gast" (1996, Regie: Alexander Lang), "Meine Grabinschrift" (1996) und "Dulce est" (1998).

In der Spielzeit 2001/2002 führte Herbert Achternbusch Regie bei der Uraufführung seines jüngsten Stücks "Daphne von Andechs", mit dem das Neue Haus der Münchner Kammerspiele eröffnet wurde.


Susn von Herbert Achternbusch
Regie Thomas Ostermeier
Premiere: 24. April 09, 20 Uhr

Weitere Vorstellungen:
27.04.09, 20.00 Uhr
10.05.09, 20.00 Uhr
11.05.09, 20.00 Uhr
22.05.09, 20.00 Uhr
23.05.09, 20.00 Uhr
02.06.09, 20.00 Uhr
12.06.09, 20.00 Uhr
22.06.09, 20.00 Uhr
07.07.09, 20.00 Uhr
19.07.09, 20.00 Uhr

Münchner Kammerspiele, Werkraum
Hildegardstraße 1
D - 80539 München

W: http://www.muenchner-kammerspiele.de/

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  •  24. April 2009 19. Juli 2009 /
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