24. September 2020 - 0:53 / Ausstellung / Gegenwartskunst 
24. September 2020 21. November 2020

In Zeiten des Klimawandels ist das Wetter vom harmlosen Small-Talk-Thema zum sprichwörtlichen heißen Eisen mutiert. Auch abseits meteorologischer Veränderungen leben wir in stürmischen Zeiten – unser ständiger Begleiter ist eine vermeintlich ephemere, menschengemachte Wolke, ein datenproduzierendes und - konsumierendes Konstrukt, das unablässig gefüttert wird und inzwischen ein fixer Bestandteil unserer Gesellschaft geworden ist.

Diese sogenannte Wolke, die Cloud, generiert Macht, labt sich an Daten ebenso wie an tatsächlicher Energie - und erscheint uns doch als etwas nicht Greifbares. Dabei beeinflusst sie nicht nur das individuelle Leben, sondern auch politische Abläufe, wie sich in den letzten Jahren bei mehreren Wahlen deutlich gezeigt hat. Ebenso real sind die Auswirkungen, die die Cloud auf das Klima hat. Informationstechnologien benötigen eine Infrastruktur, die Schätzungen zufolge in einigen Jahren bereits ein Viertel des weltweiten Energieverbrauchs ausmachen könnte.

Unser Umgang mit Cloud-Dienstleistungen ist geprägt von einer Mischung aus Wissen und Unwissen. Wir wissen, dass unsere Daten nicht lokal abgespeichert sind, sondern auf Serverfarmen, deren Standort wir nicht kennen. Wir wissen vielleicht, dass unsere Daten, falls die Server auf US-amerikanischem Hoheitsgebiet stehen, auch der US-amerikanischen Jurisdiktion unterliegen. Aber warum Daten überhaupt auf nationalstaatlichen Hoheitsgebieten dingfest gemacht werden können, entzieht sich unserem Wissen. Die Wolke bietet sich nun als Symbol für dieses Meta-Netzwerk an, weil auch die Wolke als natürliches Phänomen unserer Atmosphäre ephemer und flüchtig ist: Wolken ziehen vorbei, sie ändern sich laufend und sind schwer fassbar.

"Die Ausstellung Stormy Weather zeigt künstlerische Arbeiten, die sich mit dem metaphorischen Konzept der scheinbar flüchtigen Cloud im Kontrast zu ihren realpolitischen Auswirkungen, die durchaus beständig sind, beschäftigen. Das vielschichtige Phänomen der menschengemachten Wolken wird seziert, um letztlich eines zu ermöglichen: Fragen zu stellen, Zusammenhänge offenzulegen und mit den Methoden künstlerischer Arbeit neue Formen der Handlungsmacht gegenüber digitalen Technologien zu evozieren." (Katharina Brandl und Claire Hoffmann)

Das Projekt wird in Kooperation mit dem Centre culturel suisse in Paris durchgeführt und von Dezember 2020 bis Januar 2021 auch dort gezeigt.

Stormy Weather
Gruppenausstellung
24. September 2020 bis 21. November 2020 (Kunstraum Niederoesterreich) &
6. Dezember 2020 bis 24. Jänner 2021 (Centre culturel suisse. Paris)

Künstler_innen: Susanna Flock & Leonhard Müllner, Fragmentin (David Colombini, Marc Dubois und Laura Perrenoud), Stefan Karrer, Till Langschied, Marc Lee, Yein Lee, Christiane Peschek, Total Refusal (Robin Klengel, Leonhard Müllner und Michael Stumpf), Christoph Wachter & Mathias Jud

Kuratorinnen: Katharina Brandl und Claire Hoffmann

Kunstraum Niederösterreich
Herrengasse 13
A - 1014 Wien

W: http://www.kunstraum.net/

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  •  24. September 2020 21. November 2020 /
(c) Christoph Wachter & Mathias Jud, COTW - Capital of the World, 2015
(c) Christoph Wachter & Mathias Jud, COTW - Capital of the World, 2015
(c) Fragmentin, Displuvium, 2019
(c) Fragmentin, Displuvium, 2019
(c) Yein Lee, "glitches’ lacemaking", Zeichnung, 2020
(c) Yein Lee, "glitches’ lacemaking", Zeichnung, 2020
(c) Fragmentin, Your phone needs to cool down, 2019
(c) Fragmentin, Your phone needs to cool down, 2019