24. August 2021 - 20:27 / Aktuell / Musik 

Die Schlagzeugerlegende Charlie Watts, die der Kultband Rolling Stones über Jahrzehnte hinweg am Schlagzeug den Takt vorgab, ist im Alter von 80 Jahren in einem Londoner Krankenhaus im Kreise seiner Familie gestorben. Watts war fast seit der Gründung der Stones fixer Bestandteil der Band.

Charlie Watts hatte bereits anfangs August seine Teilnahme an einer USA-Tournee wegen einer medizinischen Behandlung absagen müssen. Damals hatte ein Sprecher allerdings betont, dass die Behandlung "komplett erfolgreich" verlaufen sei. Schon im Jahr 2004 wurde der Schlagzeuger erfolgreich wegen Kehlkopfkrebses behandelt.

Watts kam am 2. Juni 1941 in Nordlondon zur Welt. Als Zehnjähriger entdeckte er seine Leidenschaft für amerikanischen Jazz, vor allem Charlie Parker und später John Coltrane beeindruckten ihn tief. Sein erstes Schlagzeug bastelte er sich aus einem alten Banjo. Ab 1960 spielte Watts in der Jazz-Formation "Blues By Five", als Alexis Korner auf ihn aufmerksam wurde und ihm anbot, seiner Band "Blues Incorporated" als Schlagzeuger beizutreten. Doch Watts musste bis Februar 1962 beruflich nach Dänemark, und nach seiner Rückkehr spielte er im Trio des Komikers und Pianisten Dudley Moore. Kurz darauf trat er "Blues Incorporated" bei und lernte während eines Auftritts im Ealing Club den Gitarristen Brian Jones kennen. Nach einem Auftritt im April 1962 wurde der junge Mick Jagger als Sänger der Band angestellt.

Im Juni 1962 trennten sich Jones und Jagger von Blues Incorporated und gründeten mit Keith Richards, Dick Taylor, Ian Stewart und Mick Avory die Rolling Stones. Im Dezember 1962 verließ Watts Blues Incorporated, da er sich für nicht gut genug hielt, um mit so ausgezeichneten Künstlern zusammenzuspielen. Zur gleichen Zeit wurde bei den Stones der Bassist Dick Taylor durch Bill Wyman ersetzt. Da auch Mick Avory die Stones verließ, um bei den Kinks einzusteigen, trat die Band kurzzeitig ohne Schlagzeuger auf. Nach einem "Aufnahmegespräch" zwischen Ian Stewart und Watts traten die Rolling Stones am 12. Januar 1963 erstmals mit Charlie Watts am Schlagzeug auf – eine Besetzung, die Jahrzehnte Bestand haben sollte. Aufgrund seines trockenen, direkten Schlagzeugstils gilt er als das rhythmische Fundament der Band und wurde 1989 mit ihr in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.

Die Stones hätten eben das Glück und das Geld gehabt, viel Zeit im Studio verbringen zu können, sagte Charlie Watts unlängst dem britischen "Telegraph" – und sie hätten daher viel ausprobieren können.

Im Gegensatz zu Sänger Mick Jagger und Gitarrist Keith Richards mied der Schlagzeuger das Rampenlicht. Als Jazzmusiker wusste er musikalische Kollaborationen zu schätzen und schweißte die Stones zusammen – nicht nur, wenn er den Rhythmus auf der Bühne vorgab, sondern vor allem, wenn sich Jagger und Richards über Jahre hinweg immer wieder in die Haare gerieten.

Allerdings waren Alkohol und Dorogen auch Watts nicht fremd. Immer wieder kämpfte er mit Alkoholmissbrauch, nahm zwischenzeitlich auch Heroin. Mit seiner Frau, der Künstlerin Shirley Watts, war er seit 1964 verheiratet und hatte mit ihr eine gemeinsame Tochter. Das Paar lebte auf einem Gestüt in der Grafschaft Devon und züchtete professionell Araberpferde.

Vom Rock kam Watts aber nie los: Nach jeder Tour versuche er sich zurückzuziehen, gestand er der "Times" mit 75. Richards frage ihn dann, was er tun werde. "Ich weiß nicht, Rasenmähen?", sei dann seine Antwort. "Also setze ich mich nicht zur Ruhe."



Charlie Watts am 19. Juli 2006 in Hannover (Foto: Patrick Baumbach/ gemeinfrei)
Charlie Watts am 19. Juli 2006 in Hannover (Foto: Patrick Baumbach/ gemeinfrei)