Stoffskulpturen und Zeichnungen von Soli Kiani

In der Dominikanerkirche Krems zeigt Soli Kiani eine Rauminstallation, in der textile Materialien als zentrales künstlerisches Medium eingesetzt werden. Ihre Arbeiten thematisieren Herkunft, Körperlichkeit und patriarchale Strukturen und übersetzen diese Inhalte in eine klare, skulpturale Formensprache. Im Zusammenspiel der Werkgruppen entsteht ein konzentrierter Blick auf die politische und formale Kraft des Textilen.

Seit ihrem Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien arbeitet Kiani konsequent mit Stoff als formbildendem und bedeutungstragendem Material. Textile Elemente sind für sie eng mit persönlichen Erfahrungen und gesellschaftlichen Rollenbildern verbunden. In ihren Installationen untersucht sie die Vieldeutigkeit des Stofflichen – von Schutz und Sichtbarkeit bis hin zu Einengung und Abgrenzung.

Die Ausstellung wird von vertikalen, säulenartigen Stoffskulpturen geprägt, die aus gehärteten Textilbahnen und Seilen bestehen. Sie wachsen aus Betonsockeln empor und entwickeln eine markante, körperhafte Präsenz. Die abstrahierten Formen greifen auf den Tschador als ambivalentes Symbol zurück und verhandeln damit die Themen Schutz, Begrenzung und Selbstbehauptung. Trotz der Festigung durch Acryl und Leim bleibt die Idee der ursprünglichen Weichheit sichtbar. Diese Materialspannung ist ein wesentlicher Bestandteil von Kianis Arbeitsweise und verweist auf innere wie äußere Zustände von Stabilität und Verformbarkeit.

Ergänzt wird die Installation durch fotorealistische Zeichnungen auf Leinwand, die den menschlichen Körper mit präziser, beinahe skulpturaler Klarheit zeigen. Diese Arbeiten setzen einen bewussten Kontrapunkt zur Materialästhetik der Skulpturen und eröffnen einen Dialog über Identität, Selbstbestimmung, Verletzlichkeit und Präsenz. Durch ihre Verbindung entstehen Blickachsen, die den gotischen Raum aktiv einbeziehen und seine Wirkung verstärken.

Die Ausstellung in Krems führt zentrale Aspekte seines bisherigen Schaffens zusammen und zeigt die Entwicklung einer Position, die Material, Körper und gesellschaftliche Realität in eine präzise und zugleich zugängliche Bildsprache überführt.

Soli Kiani (* 1981 Shiraz, Iran) lebt und arbeitet in Wien.

Soli Kiani
Dominikanerkirche Krems
bis 26.10.2026