“Stimmungen in Landschaft und Porträt“ - Chantal Boso, Gerhard Rasser und David Salzgeber

Die Künstler:innenvereinigung „KunstVorarlberg“ startet mit drei malerischen Positionen ins neue Programmjahr. Im Forum für aktuelle Kunst in der Feldkircher Villa Claudia werden aktuelle Werke von Chantal Boso, Gerhard Rasser und David Salzgeber gezeigt, also von drei Kunstschaffenden, von denen die jüngste 27 Jahre zählt und der älteste 67, mit unterschiedlichen Biografien, Techniken und auch Sujets. Was sie eint, ist der Mut zur Darstellung von Stimmungen und Emotionen: in altmeisterlich-feinsinniger Ausführung und dem Schönen, Harmonischen, ja Erhabenen zugewandt – jedoch keinesfalls ohne Brüche, Leere, Vieldeutigkeit und dem modernen Ringen um ein durch den Betrachter zu schaffendes Wirklichkeitsverständnis. In Zeiten auch von KI-Kunst, oft schriller, schnell erzeugter Konzeptkunst und einem sehr weit ins technologisch-kunsthandwerklich erweiterten Kunstbetriebs sind alle drei ihrem Selbstverständnis nach zuallererst Maler, dem Gegenständlichen doch verpflichtet und der Freude mit ihren Händen etwas nicht „nur“ für Museen und für kurze Zeit zu schaffen.

In ihrer Arbeit bewegt sich die 1998 in Bludenz geborene Künstlerin Chantal Boso Flores zwischen Porträt, figurativer Malerei und Stillleben. Ausgehend von einer klassischen Ausbildung in Malerei erforscht sie gegenwärtig neue Perspektiven und Ausdrucksformen, ohne dabei die handwerklichen und ästhetischen Grundlagen der Tradition aus den Augen zu verlieren.
Sie ist fasziniert vom menschlichen Körper, als Träger von Emotion, Identität und Vergänglichkeit. Mit Licht und Farbe untersucht sie das Gleichgewicht zwischen äußerer Form und innerer Bewegung.

In den minimalistisch-kargen, weitläufigen Bodensee-Landschaften des 1958 geborenen Künstlers Gerhard Rasser, in denen ganz nach chinesischer Maltradition der Leerraum selbst als mehrdeutiger Raum begriffen wird, verlieren sich die menschlichen Figuren oft, scheinen orientierungslos und einsam. Technisch ausgereift und mit einer großen Leidenschaft für das Zusammenspiel unterschiedlichster Techniken entstehen so symbolisch aufgeladene Landschaften der Vergänglichkeit, Einsamkeit und Melancholie – aber auch einer leisen, zarten und brüchigen Schönheit.

In David Salzgebers Ölgemälden eröffnen sich Räume der Stille und scheinbaren Leere, in denen das Unsichtbare sichtbar wird. Berge mit imposanten Felsformationen, turbulente Wolken und strömende Gewässer bilden Landschaften, in denen die Zeit still zu stehen scheint und die Ewigkeit fast begreifbar wird. In einer Welt die sich von Stille und Hoffnung zunehmend entfernt, positioniert sich Salzgebers Kunst, die in mehreren dünnen Schichten von Ölfarbe aufgebaut ist, als klarer Gegenpol zur momentanen Entwicklung des Weltgeschehens und neuer Technologien. Sein Glaube füllt seine Werke mit subtiler Symbolik und biblischer Narrative, die er nicht illustrieren, sondern viel mehr erfahrbar machen möchte. Der Künstler, der 1995 in Bludenz geboren wurde, sieht seine Arbeit als eine Ode an Gottes Schöpfung. Sie soll nicht erklären, sondern empfinden lassen. Nicht belehren, sondern berühren. Seine Landschaften sind vielmehr seelische Zustände als Orte. Dies wird auch in seinem Malprozess erkennbar, in dem er sich vollkommen von seiner Intuition führen lässt und der Dialog mit dem Bild bestimmt, was auf der Leinwand entsteht.

Chantal Boso, Gerhard Rasser, David Salzgeber
„Stimmungen in Landschaft und Porträt“
23. Jänner bis 22. Februar 2026
Eröffnung: 22.01., 19.00 Uhr. Einführung: Thomas Schiretz
Musikalische Umrahmung: Dorothea Rosenstock
Fr 16-18, Sa 15-18, So 10-12 u. 15-18