Die Arbeit von Stefan Reiterer beschäftigt sich mit dem Einfluss digitaler Bildwelten auf unsere Wahrnehmung von Realität. Dabei verbindet er digitale und analoge Techniken. Digitales Ausgangsmaterial wird durch Malerei in erfahrbare räumliche Situationen transformiert, CNC-gefräste Formen oder 3D-gedruckte Objekte werden malerisch überarbeitet – das Technische wird so zum Ausgangspunkt des Sinnlichen.
In seinen Einzelausstellungen geht der Künstler meist auch der Frage nach, was Raum ist und wie er sich darstellen und neu denken lässt. Durch die raumgreifende Installation „level” macht Reiterer die Ausstellungsräume des Bildraum Bodensee architektonisch neu erfahrbar.
Der Titel „level” bezieht sich auf die mess- und wahrnehmbare Niveaudifferenz innerhalb der Räumlichkeiten des Bildraum Bodensee. Reiterer thematisiert die architektonischen Gegebenheiten mittels einer linear anwachsenden Reihe von bemalten 3D-Drucken – der kleinste ist 2 cm, der größte 46 cm groß –, die sich mit jedem Vergrößerungsschritt weiter verformen und die darauf erkennbare Ansicht von Bregenz somit immer weiter verzerren.
Zu sehen ist das Deuringschlössle, ein vertrauter Bestandteil des Bregenzer Stadtbildes. Egon Schiele, einer der bedeutendsten Künstler der Wiener Moderne, malte dieses Motiv vom Kirchplatz der St.-Gallus-Kirche aus – einem Standpunkt, den man heute via Google Earth digital relativ gut nachvollziehen kann. Der damals 22-jährige Schiele hielt sich im Sommer 1912 für einige Wochen in Bregenz auf. Die Ereignisse rund um die sogenannte Neulengbach-Affäre hatten ihn persönlich und künstlerisch erschüttert.
Mehr als hundert Jahre später greift der Künstler Stefan Reiterer dieses Motiv erneut auf und überführt es in einen zeitgenössischen Kontext. Für die ortsspezifische Installation im Bildraum Bodensee dient Schieles Darstellung des Deuringschlössle als Ausgangspunkt für eine künstlerische Transformation. Reiterer überführt Schieles ursprüngliche Ansicht in eine räumliche Sequenz, in der sich die Wahrnehmung nicht mehr auf eine feste Perspektive stützt, sondern als Prozess aus Maßstabssprüngen und malerischer Verformung erfahrbar wird. Dabei löst sich das vertraute Bregenzer Motiv zunehmend von seiner ikonischen Lesbarkeit und wird zum offenen System aus Form, Erinnerung und räumlicher Verschiebung.
Stefan Reiterer wurde 1988 in Waidhofen an der Thaya geboren. Er studierte Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien bei Prof. Daniel Richter und Prof. Francis Ruyter. Die Ausstellung in Bregenz reiht sich in eine lange Liste internationaler Ausstellungen ein. Seine Arbeiten wurden unter anderem in London, São Paulo, Mexiko-Stadt, New York, Chicago, Los Angeles, Prag und Berlin gezeigt.
Stefan Reiterer
level
26. Juni – 27. August 2026
Eröffnung: Donnerstag, 25. Juni 2026, 19 Uhr
Zum Werk: Simeon Brugger, Galerie Brugger, im Gespräch mit dem Künstler
Finissage: Donnerstag, 27. August 2026, 19 Uhr