20. Mai 2019 - 12:15 / Wettbewerbe & Ausschreibungen
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Starts steht für Science, Technology and Arts und ist eine Initiative der Europäischen Kommission, die damit Kooperationen zwischen Wissenschaft, Technologie und Kunst befördern will. Teil der Starts Initiative ist der prestigeträchtige Starts Prize, der alljährlich von der Linzer Ars Electronica, Bozar und Waag durchgeführt wird.

2019 geht der Starts Prize in der Kategorie „Innovative Collaboration“ an das Innovationsbüro „300.000 Km/s“ in Barcelona, das ein wegweisendes Modell nachhaltiger Stadtplanung entwickelt und erfolgreich umgesetzt hat. Den Starts Prize in der Kategorie „Artistic Exploration“ erhalten Bjørn Karmann und Tore Knudsen für „Project Alias“, einen intelligenten Parasiten, der Smart Home Systems dazu zwingt, unsere Privatsphäre zu respektieren.

Die GewinnerInnen dürfen sich über die Starts-Trophy und jeweils 20.000 Euro freuen, zur offiziellen Preisverleihung im Rahmen des Ars Electronica Festival werden sie am 5. September 2019 in Linz erwartet.
Die Honorary Mentions gehen 2019 an Kate Crawford (AI Now Institute) und Vladan Joler (Share Lab) für „Anatomy of an AI System“, Thydêwá für „Arte Eletrônica Indígena“, Sabine Engelhardt für „Slap – See Like A Pony“, Eduardo Reck Miranda für „Biocomputer Rhythms“, Fernando Bello, Iccess & Salomé Bazin, Cellule studio für „SimCath“, Forensic Architecture für „The Murder of Pavlos Fyssas“, BCL (Georg Tremmel & Shiho Fukuhara) für „BLP-2000 / Black List Printer“ und an Jen Keane für „This is grown“.

Insgesamt zählte der Starts Prize diesmal 2278 Einreichungen aus 88 Ländern. Der Jury gehörten Ferdi Alici, Francesca Bria, Rikke Frisk, Nadav Hochman, Daehyung Lee, Alexander Mankowsky, Moon Ribas und Şerife (Sherry) Wong an.

Der Starts Prize …
Starts ist eine Initiative der Europäischen Kommission, mit der Technologie und künstlerische Praxis bestmöglich verbunden werden sollen. Als Teil dieser Initiative zeichnet der prestigeträchtige und mit insgesamt 40.000 Euro Preisgeldern hochdotierte Starts Prize innovative Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Wissenschaft (Science, Technologie and Arts – kurz Starts) aus. Gesucht und prämiert werden Projekte, die die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Technologie und Kunst erfolgreich proben und das Potential haben, zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Innovation beizutragen. Den GewinnerInnen winken Preisgelder von jeweils 20.000 Euro und ein prominenter Auftritt beim Ars Electronica Festival in Linz.

… und die Starts Initiative der Europäischen Kommission
Der Wettbewerb ist Teil der „S+T+ARTS = Starts Initiative – Innovation at the Nexus of Science, Technology, and the ARTS“ der Europäischen Kommission, die in der digitalen Transformation von Industrie, Kultur und Gesellschaft den Haupttreiber für disziplinen- und genreübergreifende Kooperationen rund um Innovation sieht. Technologie und künstlerische Praxis sollen bestmöglich verbunden werden und zum Gewinn sowohl für die europäische Innovationspolitik als auch die Kunstwelt werden. Es gilt Menschen und Projekte ins Rampenlicht zu rücken, die dazu beitragen, Europas soziale, ökologische und ökonomische Herausforderungen meistern zu können.

Starts Prize 2019 – Grand Prize Innovative Collaboration
Awarded for innovative collaboration between industry or technology and the arts (and the cultural and creative sectors in general) that opens new pathways for innovation.

Ciutat Vella’s Land-use Plan
Big Data, KDD and Citizen Participation to Ensure Coexistence between Economic Activity and Citizens’ Quality of Life / 300.000 Km/s

1,65 Millionen Menschen leben in Barcelona, mehr als 7 Millionen besuchen es jedes Jahr. Barcelona ist die am zweitdichtesten besiedelte Millionenstadt und eine der drei meistbesuchten Städte des Kontinents. So positiv sich das in punkto Wertschöpfung niederschlägt, so herausfordernd ist dies für eine nachhaltige Stadtplanung. Wie neue Technologien, konkret Machine Learning und BürgerInnenpartizipation helfen können, den urbanen Raum dennoch lebenswert zu gestalten, zeigt das Innovationsbüro 300.000 Km/s.

„Ciutat Vella’s Land-use Plan. Big Data, KDD and Citizen Participation to Ensure Coexistence between Economic Activity and Citizens’ Quality of Life“ ist eine völlig neue Form der Stadtplanung. Das Projekt durchlief vier Phasen, von denen jede eigens ausgewertet wurde: Forschung (datengetriebene Diagnose), Ko-Kreation (Bürgerbeteiligung), Vorschlag (Simulationstool) und Genehmigung (Rechtsrahmen).
Die Forschungsphase startete im Oktober 2016 mit der Erstellung von vier Vorstudien. Untersucht wurde das städtische Gefüge vor Ort, die Auswirkungen nächtlichen Lärms auf die Gesundheit sowie touristischen Trends und deren Auswirkungen auf den lokalen Handel. Alle Informationen dieser Vorstudien wurden anschließend in einem Datenatlas miteinander verknüpft. Dieser Datenatlas zeigte nicht nur physische und soziodemografische Merkmale, Art und Ausmaß der wirtschaftlichen Aktivitäten oder Wege von BürgerInnen und BesucherInnen, sondern beschrieb auch Beeinträchtigungen der Gesundheit der Bevölkerung.
Die Ko-Kreationsphase baute auf der Auswertung der Forschungsphase auf und stand ganz im Zeichen der Einbindung von BewohnerInnen und örtlichen Geschäftstreibenden. Es gab Workshops, öffentliche Veranstaltungen, Interviews und Diskussionen in Online-Foren. Auch der Stadtrat wurde eingebunden.

Indem die BürgerInnen an diesem umfassenden Prozess der Datenerhebung beteiligt wurden, erlangten sie nicht nur Hoheit über bestimmte Daten, sondern wurden zudem befähigt, sich an Entscheidungen auf lokaler Ebene zu beteiligen. Den Behörden wiederum wurde ein System zur Information über sowie Bewertung von Stadtplanung und -politik vorgeschlagen, das zwischen Städten ausgetauscht werden kann.
In der Angebotsphase standen dann Entwicklung und Simulation verschiedener Szenarien im Mittelpunkt. Modelle zeigten wirtschaftliche Aktivitäten und die dabei zu erwartenden Auswirkungen wie Lärmentwicklung, Verschmutzung, Verkehrsaufkommen, etc. Daraus entstand schließlich ein Masterplan.

Im September 2017 wurde der Plan genehmigt. Es folgte zunächst eine öffentliche Information über das Projekt, die daraufhin eingelangten Rückmeldungen wurden geprüft und noch eingearbeitet. Im Februar 2018 wurde der Plan dann endgültig genehmigt und trägt seither dazu bei, die Lebensqualität des urbanen Raums aufrechtzuerhalten, bzw. auszubauen. „300.000 Km/s“ betont die Rolle der Stadtplanung als Instrument, um die Stadt als Gemeinschaftsgut über den freien Markt zu stellen. Die örtliche Wirtschaft soll florieren, die hier wohnenden BürgerInnen aber gleichzeitig ein erfülltes Leben führen können.
„Ciutat Vella’s Land-use Plan. Big Data, KDD and Citizen Participation to Ensure Coexistence between Economic Activity and Citizens’ Quality of Life“ erhält den Starts Prize 2019 für Innovative Collaboration.

Das Statement der Starts Prize Jury:
„In Jean-Luc Godard’s seminal 1965 film by the same name, “Alphaville” was a dystopian smart city that was optimized and consequently ruled by a central computer processor labelled “IBM.” And come the early days of the implementation (and eventual failure) of early versions of these technologies around the year 2000, smart cities were in fact presented as glitzier versions of Alphaville. In today’s updated version of Alphaville, we see Big Tech succeeding both technically and politically in applying technologies more familiar to us on our smartphones to entire city neighborhoods, namely the Toronto waterfront. Yet again as in Alphaville, a data-driven ecosystem is being erected in which the extent of citizens’ participation is restricted to the mere configuration of tools that were designed and developed by overlord-like companies. And given Godard’s grim vision of the data-driven city, it is no wonder that citizens across the globe today are worried by what this increasing integration of sensors and data-collection into our cities augurs for our collective futures. 300.000 Km/s represents a refreshing alternative path for smart city technologies. The Barcelona initiative wants to reverse the top down, Big Tech-led smart city approach by putting citizens first, and using arts, technology, and data science to unleash the potential of human-centered urban planning and innovation. It proposes an urban plan designed through a large-scale participatory democratic process that engages thousands of citizens via an online platform called decidim.barcelona. The objective is to then apply the learnings and insights gathered through this platform to tackle gentrification and find a balance between urban design interventions that serve tourists and the city’s other commercial and economic engines, and interventions that serve the day-to-day needs of local residents. Can the digital layer influence how urban planners grapple with questions of social justice and health such that our cities champion the common good over capitalist gains for the few? Can the arts, data science, and democratic participation revive social, ecological, and economic equities in our urban spaces? In grappling with these questions, this work shows us compelling news way to meld crowdsourcing and data analysis to erect a new collective infrastructure for a shared, prosperous, urban future.“

Starts Prize 2019 – Grand Prize Artistic Exploration
Awarded for artistic exploration and art works where appropriation by the arts has a strong potential to influence or alter the use, deployment or perception of technology.

Project Alias
Rename your home assistant and make sure it never listens / Bjørn Karmann, Tore Knudsen

http://bjoernkarmann.dk/project_alias, www.bjoernkarmann.dk, https://twitter.com/BjoernKarmann
„Alias“ ist ein Parasit. Einer der aufs Wort folgt und unsere Privatsphäre schützen hilft. „Alias“ ist ein Gerät, das auf Smart Home Assistants aufgesetzt wird und sie steuert. Soll uns der digitale Assistent nicht belauschen, beschallt „Alias“ dessen Mikrofon mit einem konstanten, leisen Rauschen. Soll er aber hinhören und unsere Anweisungen ausführen, wird er von „Alias“ mit einem „Wake-Wort“ aktiviert. „Alias“ funktioniert mit einem Raspberry Pi auf dem ein neuronales Netzwerk zur Erkennung von Wake-Wörtern läuft. Das gesamte System ist lokal und vom Internet getrennt.

Inspiriert ist „Alias“ von Pilzen und Viren, die Insekten befallen und deren Verhalten manipulieren. Diese – eher gruselige – Strategie haben sich Bjørn Karmann und Tore Knudsen zum Vorbild genommen, um ihren eigenen Parasiten zu entwickeln, der von Smart Home Systems Besitz ergreift. „Alias“ demonstriert, wie Makerkultur und Open Source dafür genutzt werden können, den EndverbraucherInnen wieder mehr Kontrolle und damit Macht von den DesignerInnen und Unternehmen zurückzugeben.

Unsere Beziehung zur Technologie wird dadurch geprägt, wie wir sie nutzen. Im Falle kommerzieller Smart Products für zu Hause bedeutet das so gut wie immer, dass wir zu passiven VerbraucherInnen degradiert werden. Mit „Alias“ wollen Bjørn Karmann und Tore Knudsen dieses Machtverhältnis aufbrechen und neu definieren. Sie wollen thematisieren, dass die Nutzung intelligenter Technologien meist den Verzicht auf unsere Privatsphäre mit sich bringt und die Frage stellen, wie wir „smart“ in Zukunft definieren möchten. „Project Alias“ erhält den Grand Prize Artistic Exploration des Starts Prize 2019.

Das Statement der Starts Prize Jury:
„As many domains of our private and social lives are being transfigured by new technologies of identification, monitoring, analyzing, and controlling, Karmann’s fungus-looking “parasitic” device offers a poetic yet concrete DIY intervention that allows anyone to appropriate any voice-activated appliances, thus making smart assistants less invasive. As the project title suggests, Karmann effectively uses the artistic alienation effect (“making it strange,” or defamiliarization) to make the technology different and alien to us, as something to be carefully observed, learned, and potentially changed. It is a magnificent example of turning poesis into praxis, offering a balance in conveying technology’s means of communicability while effectively changing its mediality. Project Alias exemplifies how contemporary technologies—in this case, smart assistants—require that we open ourselves to the passive reception of the condition under which technology can be used: the user is used by the voice assistant in order to collect data about our private lives and environments. The medium is indeed the message, as McLuhan used to say, and we the users and our private data increasingly, and in some cases unintentionally, become the content of that message. Project Alias offers to flip these power relations on their head, allowing us a more reciprocal exchange: producing white noise to prevent the speaker from constantly listening or teaching it to recognize our voice to help secure our privacy. Project Alias breathes new life into the metaphor of the parasite by turning it into an applicable political tool, hijacking a technological “host” in order to change their operations and in turn affect their relations to their surroundings. The parasitic intervention can take one of two forms: the host might do all it can to eradicate the parasite, or it might rearrange things to accommodate the needs of the parasite. In either case, the presence of the parasite means that things cannot, and will not, remain the same. Project Alias, the jury hopes, will prompt the industry to incorporate and adjust to this parasitic disturbance and provide us with transparency and control over our own technological environments.“



  •  20. Mai 2019 /
Project Alias Rename your home assistant and make sure it never listens / Bjørn Karmann, Tore Knudsen // Fotocredit: Bjørn Karmann, Tore Knudsen
Project Alias Rename your home assistant and make sure it never listens / Bjørn Karmann, Tore Knudsen // Fotocredit: Bjørn Karmann, Tore Knudsen
Ciutat Vella’s Land-use Plan. Big Data, KDD and Citizen Participation to Ensure Coexistence between Economic Activity and Citizens’ Quality of Life / 300,000 Km/s // Fotocredit: 300,000 Km/s
Ciutat Vella’s Land-use Plan. Big Data, KDD and Citizen Participation to Ensure Coexistence between Economic Activity and Citizens’ Quality of Life / 300,000 Km/s // Fotocredit: 300,000 Km/s
Anatomy of an AI System / Kate Crawford, AI Now Institute and Vladan Joler / SHARE Lab / Fotocredit: Kate Crawford, Vladan Joler
Anatomy of an AI System / Kate Crawford, AI Now Institute and Vladan Joler / SHARE Lab / Fotocredit: Kate Crawford, Vladan Joler
Arte Eletrônica Indígena / Thydêwá // Fotocredit: Rosana Bernardo
Arte Eletrônica Indígena / Thydêwá // Fotocredit: Rosana Bernardo
Biocomputer Rhythms / Eduardo Reck Miranda // Fotocredit: ICCMR, University of Plymouth
Biocomputer Rhythms / Eduardo Reck Miranda // Fotocredit: ICCMR, University of Plymouth
BLP-2000 / Black List Printer / BCL / Georg Tremmel & Shiho Fukuhara // Fotocredit: BCL / Georg Tremmel & Shiho Fukuhara
BLP-2000 / Black List Printer / BCL / Georg Tremmel & Shiho Fukuhara // Fotocredit: BCL / Georg Tremmel & Shiho Fukuhara
SimCath / Fernando Bello, ICCESS & Salomé Bazin, Cellule studio // Fotocredit: Fernando Bello, ICCESS & Salomé Bazin, Cellule studio
SimCath / Fernando Bello, ICCESS & Salomé Bazin, Cellule studio // Fotocredit: Fernando Bello, ICCESS & Salomé Bazin, Cellule studio
Slap – See Like A Pony / Sabine Engelhardt // Fotocredit: Sabine Engelhardt
Slap – See Like A Pony / Sabine Engelhardt // Fotocredit: Sabine Engelhardt
The Murder of Pavlos Fyssas / Forensic Architecture // Fotocredit: Forensic Architecture
The Murder of Pavlos Fyssas / Forensic Architecture // Fotocredit: Forensic Architecture
This is grown. / Jen Keane // Fotocredit: Tom Mannion
This is grown. / Jen Keane // Fotocredit: Tom Mannion