Sophie Thun - Zwischen Licht und Wand

Unter dem Titel Zwischen Licht und Wand präsentiert das Museum der Moderne Salzburg die erste museale Einzelausstellung von Sophie Thun in seinem Altstadthaus, dem Rupertinum. Thun wuchs in Warschau auf, studierte Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in Krakau, Malerei und später Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Das fotografische Werk der Künstlerin zieht uns auf faszinierende Weise in einen sich ständig erweiternden Bilderstrom. Es ist ein begehbares Archiv der zahlreichen Orte, an denen die Künstlerin fotografiert, gearbeitet und ausgestellt hat. Für ihre ortsspezifische Rauminstallation mit acht neuen Arbeiten hat die Künstlerin auch im Rupertinum fotografiert und ihre Aufnahmen im Maßstab 1:1 reproduziert.

2014 richtete Thun die Kamera erstmals auf sich selbst. Seither taucht die Fotografin immer wieder in ihren Arbeiten auf - mit dem Auslöser in der Hand, als schwarz-weiße Silhouette, manchmal nackt, immer als ihr Doppelgänger, dargestellt durch ihr fotografisches Handwerkszeug. Thun nutzt ihren Körper als Material und Instrument, um etablierte Vorstellungen von (weiblicher) Repräsentation zu hinterfragen. Durch Methoden wie Schneiden, Teilen und Vervielfachen stellt sie Identität als prozesshaft und veränderlich dar.

Als Autorin, Modell und Produzentin ihrer Arbeiten entscheidet Thun über ihr Selbstbild und jeden Schritt des Bildprozesses. Sie nutzt die komplexen Techniken und Methoden der analogen Fotografie, um ihren exponierten Körper zu fragmentieren, zu schichten, zu collagieren und zu multiplizieren und macht ihn so zum unverwechselbaren Material ihrer Kunst. Vorbilder für diese emanzipatorische Methode findet sie in der Generation wegweisender westlicher Künstlerinnen wie Carolee Schneemann, VALIE EXPORT und Friedl Kubelka, die in den 1960er Jahren ihren Körper selbstbestimmt ins Zentrum ihrer Kunst stellten.

Die taktile Arbeit mit dem Filmmaterial in der "Stille" und Abgeschiedenheit der Dunkelkammer ist für Thun der wichtigste Prozess ihrer Bildproduktion. Die Kammer wird zum Atelier und die Belichtungswand zur Leinwand. Die Künstlerin arbeitet ausschließlich mit analoger Fotografie und agiert mit einem Medium, das an Technik und chemische Gesetzmäßigkeiten gebunden ist. Dadurch ist sie in der Herstellung ihrer Bilder sowohl limitiert als auch erfinderisch. Für die lebensgroßen Großformate befestigt sie das Fotopapier in der Dunkelkammer mit Magneten an der Wand. Die Belichtung des Negativs dauert bei dieser Größe bis zu zwanzig Minuten. Während dieser Zeit befestigt sie Gegenstände auf dem Papier und drückt ihren Körper gegen die Oberfläche. Durch die Belichtung überträgt sich jede Handlung auf den Bildträger und macht jeden Abzug zu einem Unikat.

In der Ausstellung versammelt Thun eine Auswahl wichtiger Stationen, Projekte und Techniken. Dabei macht sie mit ihrer unverwechselbaren künstlerischen Stimme sichtbar, was oft im Verborgenen bleibt - die Räume, in denen Kunst entsteht und Fotografie als lebendiger Prozess.

Zwei der in der Ausstellung präsentierten neuen Arbeiten zeigen die Belichtungswand der Dunkelkammer des Berliner Fotolabors, in der Thun ihre Großformate entwickelt, als zentrales Motiv. Ein Bild im Bild zeigt jedoch einen Raum, den es dort nicht mehr gibt - die Farbdunkelkammer. Thun war die letzte Person, die dort gearbeitet hat. Heute ist die Wand ein Objekt mit kunsthistorischer Bedeutung, auf dem viele großformatige Farbfotografien von Künstler:innen produziert wurden, die sich in den Sammlungen von Museen befinden.

Sophie Thun (*1985, Frankfurt am Main, DE) lebt und arbeitet in Wien und Berlin.

MdMS Sophie Thun. Zwischen Licht und Wand
Bis 23. Februar 2025
Kuratorin: Marijana Schneider