25. Juni 2007 - 4:39 / Walter Gasperi / Zoom

Seine Anfänge und gleichzeitig auch seine Blüte hatte der Slapstick in der Stummfilmzeit. Dies überrascht freilich wenig, da der Dialog in dieser Komödiengattung keine Rolle spielt und Komik allein durch die körperbezogene Aktion entsteht.

Der Begriff »Slapstick« stammt von der gleichnamigen Theaterrequisite. Der Slapstick ist eine Art Schlagstock, der aus zwei aneinanderliegenden Latten besteht. Diese erzeugen bei einem angetäuschten Schlag einen lauten Knall und unterstützen somit akustisch die Performance von Schauspielern, die mit diesem Stock eine Prügelei darstellen können, ohne sich dabei zu verletzen.

Prügeleien, Tortenschlachten, das Ausrutschen auf einer Bananenschale und die systematische Zerstörung des Hauses oder Autos des Gegenübers sind typische Slapstickeinlagen. Ernsthaft zu Schaden kommt dabei niemand, denn in den Slapstickkomödien beweist der menschliche Körper stets eine comichafte Regenerationsfähigkeit. Soziale Verabredungen, die in der Regel das gesellschaftliche Zusammenleben erträglich machen, werden in diesem Genre, dessen Figuren mit ihren überweiten Hosen und zu großen Schuhen in der Tradition der Clowns und Narren stehen, mit Lust übergangen.

Den ersten Slapstickfilm schufen schon die Brüder Lumière mit dem scheinbar dokumentarischen »L´arrosseur arrosé«. Mit der Tücke des Objekts, für die hier ein Gartenschlauch sorgt, dem hinterhältigen gegenseitigen Fallenstellen und der Verfolgungsjagd finden sich schon in diesem 1895 entstandenen Film die zentralen Elemente des Genres. Anfang des 20. Jahrhunderts kommt die Slapstick-Komik von Europa nach Amerika und wird von Mack Sennett und Hal Roach, von Charlie Chaplin, Buster Keaton und Laurel & Hardy auf die Spitze getrieben. Während Sennett als Fachmann fürs Grobe und Schnelle, für Verfolgungsjagden und Massenszenen gilt, entwickelt Roach eine Komik des Slowburn, der Double Takes und Running-Gags.

In der Geschwindigkeit des Slapstick spiegelt sich der Anbruch der Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die dynamische Großstadt mit Autoverkehr, vor allem das bürgerliche Haus, ausgestattet mit vollautomatischen Küchengerätschaften, wird zum Schlachtfeld. In diesem Kampf gegen die Zivilisation, verfeinert geführt auch in den Komödien Jacques Tatis, offenbart sich das anarchistische Moment des Slapstick.

Abgesehen von den Marx-Brothers und von Laurel & Hardy wird mit Aufkommen des Tonfilms in den USA der Slapstick von den vom Dialogwitz lebenden Screwball-Comedies verdrängt. Eine Synthese von beiden gelingt nur Howard Hawks mit »Bringing Up Baby« (1938) und »Monkey Business« (1952). Den reinen Slapstick entdecken erst Frank Tashlin und Jerry Lewis wieder und demontieren in den 1950er und 1960er Jahren lustvoll die amerikanische Plastik-Werbe-Medien-Welt.

Wie sehr reine Slapstick-Komödien von Körperlichkeit und nicht vom Wort leben, zeigt sich darin, dass auch moderne Filme dieses Genres auf Dialoge weitgehend oder sogar ganz verzichten. Blake Edwards »The Party« (1968), Mel Brooks Stummfilm »Silent Movie« (1976), eine Parodie und Hommage an die Stummfilmzeit und die Slapstickkomödie, und Steven Spielbergs überdrehter »1941« (1979) sind rare Beispiele für Slapstick-Filme der 1960er und 1970er Jahre. In den 1980er Jahren erlebte dieser Komödientyp mit den Genreparodien des Regieteams David Zucker, Jim Abrahams und Jerry Zucker (»Airplane! - Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug«, 1980; die Trilogie »The Naked Gun: From the Files of Police Squad - Die nackte Kanone«, 1988 - 1994; die »Austin Powers“-Trilogie, 1997 – 2002) aber eine Wiederbelebung.

In Deutschland verwendete zunächst Dieter Hallervorden in den 1970er Jahren in der Fernsehserie «Nonstop Nonsens» Elemente des Slapsticks, aber auch Bully Herbigs Kinohits «Der Schuh des Manitou» und «Traumschiff Surprise – Periode 1» oder die Edgar Wallace-Parodie «Der Wixxer" versuchen durch diese körperbetonte Komik Gelächter zu provozieren.


Quellen:
http://de.wikipedia.org (2.1.2007)

Koebner, Thomas, Reclams Sachlexikon des Films,

Stuttgart 2002, S. 557ff.



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Buster Keaton (1895 - 1966)
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Stan Laurel (1890 - 1965) und Oliver Hardy (1892 - 1957)
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'A Night at the Opera' (Marx Brothers, 1935)
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Jerry Lewis (geb. 1926)
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Silent Movie (Mel Brooks, 1976)