7. Dezember 2019 - 22:07 / Ausstellung 
7. Dezember 2019

Eine Fiction-Podcast-Serie von Ö1. Die Serie "six seasons" bietet Gelegenheit, Gemälde des Kunsthistorischen Museums in der Interpretation von sechs SchriftstellerInnen neu kennenzulernen.

Sechs Bilder der Gemäldegalerie dienen als Rohstoff für fiktionales auditives Storytelling. Die AutorInnen – darunter Magda Woitzuck, Puneh Ansari und Ann Cotten – haben unterschiedliche literarische und persönliche Backgrounds und ließen sich von den Werken Alter Meister zu Kurzhörspielen inspirieren.

Die Bildvorlagen sollten nicht beschrieben, sondern als Impulslandschaften für neue narrative Formen verwendet werden. So entstanden sechs eigenständige Texte als Galerie zeitgenössischer akustischer Erzählkunst. Hörbar gemacht wurden die Stücke durch die Stimmen von zwölf SchauspielerInnen – darunter Sona MacDonald, Wolfgang Hübsch, Eva Mayer und Raphael von Bargen – sowie durch Sounds und Musik von vier Hörspielkomponisten.

Die mehrfach ausgezeichnete Videokünstlerin Yasaman Hasani schließlich transformierte Ausschnitte der einzelnen Folgen in Videoclips. Worte und Klänge werden so zurückgeführt in die Welt der – teils bewegten – Bilder. Die Videoclips sind auf der Ö1 Website sowie den Social-MediaKanälen des Kunsthistorischen Museums und Ö1 zu finden.

Idee und Konzept zu six seasons stammen von Christian Lerch (Ö1), der die Texte gemeinsam mit Philip Scheiner (Ö1) als Hörspiele produziert hat. Ö1 bringt die sechs Episoden an zwei Terminen der Sendreihe Ö1 Hörspiel: am 7. und am 14.12.2019, jeweils um 14 Uhr. Als Ö1-Podcast-Serie geht six seasons ab 7.12. online. Das Kunsthistorische Museum wird die Stücke ab 7.12. als Audioguides sowie unter www.khm.at und auf Spotify anbieten.

Ausführliche Informationen finden Sie auf oe1.orf.at/sixseasons.

Link zum Podcast

Episode 1, Herbst: "Narziss" von Ida Schön

Ida Schöns Kammerspiel Narziss zeigt zwei Menschen, die sich selbst und einander zur Liebe verurteilt haben. Selbst- und Fremdbespiegelung, Übertragung und Gegenübertragung sind Techniken des Scheiterns, ausgeführt in Lukas Furtenagels Gemälde "Der Maler Hans Burgkmair und seine Frau Anna, geb. Allerlai" und hier erzählt als andauernde Beziehungstragödie.

Lukas Furtenagel, Der Maler Hans Burgkmair und seine Frau Anna, geb. Allerlai (1529)

Episode 2, Winter: "Im Winter" von Magda Woitzuck

Magda Woitzuck hat eine Elster losgeschickt, sich in Bruegels "Die Jäger im Schnee" umzuschauen und den gemalten Figuren Geschichten anzudichten. Dass die Autorin selbst dem Leblosen grandiose Sprache verleihen kann, hat sie zuletzt mit "Die Schuhe der Braut", ihrem fünften Hörspiel, bewiesen.

Pieter Bruegel d. Ä., Jäger im Schnee (1565)

Episode 3, Vorfrühling: "5976" von Hanno Millesi

Hanno Millesi hat sich dem Bild "Frau mit Kind und Dienstmagd" von Pieter de Hooch gewidmet. Sein Stück 5976 verlegt jene Interieurmalerei in einen abstrakten Transitraum, den erhofften Übergang in das Reich der Illusionen. Die Tür in die Freiheit ist wohl nur in unserem Kopf.

Pieter de Hooch, Frau mit Kind und Dienstmagd (um 1663/65)

Episode 4, Frühling: "Neuseelandschaft" von Mark von Schlegell

Zwei seltsame Gestalten, nämlich Götter, kreuzen in einer Stadt auf, avisieren jenen dekadenten Bürgerinnen und Bürgern einen Weltuntergang und werden folglich unsanft verabschiedet. Mark von Schlegell paraphrasiert in "Neuseelandschaft" Peter Paul Rubens’ "Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis".

Peter Paul Rubens, Gewitterlandschaft mit Jupiter, Merkur, Philemon und Baucis (um 1620/25 bis um 1636)

Episode 5, Frühsommer: "Die Rückkehr der Yamaboushi oder Shifting Baselines" von Ann Cotten

Ann Cotten hat sich für ihr Hörspiel "Die Rückkehr der Yamaboushi oder Shifting Baselines" von dem Gemälde "Großer Fischmarkt" von Joachim von Sandrart inspirieren lassen: Zur Beschreibung veränderter Umstände werden Vergleichswerte herangezogen, die als "normal" angesehen werden. "Shifting Baselines" werden in diesem Stück, bei dem die Autorin als sie selbst auftritt, auch abseits von Fischbeständen diskutiert.

Joachim von Sandrart, Großer Fischmarkt (1654/55)

Episode 6, Hochsommer: "Ludmilla" von Puneh Ansari

Puneh Ansari pfeift so ziemlich auf alles. Ihr Stück "Ludmilla", inspiriert von dem Gemälde "Jane Seymour" von Hans Holbein dem Jüngeren, ist schrill, verwegen und selbstvergessen.

Hans Holbein d. J., Jane Seymour (um 1536/37)

Kunsthistorisches Museum
Maria Theresien-Platz
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  •  7. Dezember 2019 /
Narziss, Videostill © Yasaman Hasani
Im Winter, Videostill © Yasaman Hasani
5976, Videostill © Yasaman Hasani
Neuseelandschaft, Videostill © Yasaman Hasani
Die Rückkehr der Yamaboushi oder Shifting Baselines, Videostill © Yasaman Hasani
Ludmilla, Videostill © Yasaman Hasani