„Werkschau XXX“ ist die Fortsetzung der jährlich stattfindenden Ausstellungsreihe der Fotogalerie Wien. Dabei werden zeitgenössische Künstler:innen präsentiert, die wesentlich zur Entwicklung der künstlerischen Fotografie und der neuen Medien in Österreich beigetragen haben.
Sigrid Kurz‘ Arbeiten sind kennzeichnend für die Transformation, die die künstlerische Praxis am Ende des 20. Jahrhunderts erfasste, als Künstler:innen ihr Handlungsfeld grundlegend erweiterten, tradierte Grenzen zwischen Werk und Kunstbetrieb kippten, auf Artistic Research setzten und „diskursiv“ wurden. Bereits in den frühesten fotografischen Serien beobachtet sie diese „Parameter, die die Institution Kunst bestimmen“ (Astrid Wege), die Handlungsfelder und Rollenbilder, die „Arbeits- und Repräsentationsbedingungen“ oder die politisch aufgeladenen Räume von Galerien. Metaphorisch für die oft geheimnisumwitterten Spiele, die auf diesen Kunstfeldern ausgetragen werden, steht eine einzelne Fotografie von 1991. Ein "Spielfeld" vor einer urbanen Kulisse ist für potenzielle Spieler:innen präpariert. Doch bevor sie Zutritt erhalten, müssen sie die offiziellen und inoffiziellen Regeln kennen und ihr Können beweisen.
Sigrid Kurz ist mit sämtlichen Spielregeln vertraut und konsumiert als scharfsinnige Betrachterin deren wechselndes und zunehmend immersives Angebot. Aufmerksam erkundet sie die Städte, durchforstet die Spielfelder von Kunst und Kino, beobachtet formale und soziale Veränderungen, registriert Attitüden bei den Agierenden oder deren Understatement und dokumentiert authentisch die Bedingungen und Befindlichkeiten. Sie denkt stets die eigene Figur und die eigenen Züge auf dem Spielfeld mit, u.a. auch ihre Neugierde auf die Betrachter:innen, die sie in der Serie "Fragen" seit 1998 unmittelbar adressiert und auffordert, Stellung zu beziehen.
Ab 2014 reagiert sie etwa auf den Umstand, dass sich die Erwartungen an die Präsentation von Kunst änderten: Statt statisch repräsentativ, sollte sie von performativen, prozesshaften und interaktiven Formen durchwachsen sein. Mit einer einfachen Geste – Kurz dreht das Bild des Ausstellungsraumes um – erwirkt sie, dass die Deckenleuchten zu Bühnenscheinwerfern auf "Experimental sets" werden. So entstehen unter ihrer Regie futuristisch leuchtende Plattformen, auf welchen Transformationen aller Art stattfinden könnten. Eine wieder neue Perspektive nimmt sie seit 2021 (Close up) ein, bei der sie selbst als Beobachterin und Fotografin spürbar wird. Vor allem drückt sich ihre Gegenwart indirekt über die Bewegung ihres Körpers aus. Sigrid Kurz holt sich und uns auf die Spielfelder der Kunst, hier und jetzt und mit einem Blick zurück in die Geschichte. Das Palindrom „here we are we here“ ist Feststellung und Frage zugleich, und deutet nicht zuletzt die kompetitive Stimmung an, die am Spielfeld Kunst herrscht. (Ruth Horak)
In der Ausstellungsreihe „Werkschau XXX” wurde bisher ein Querschnitt durch das Schaffen von Jana Wisniewski, Manfred Willmann, Valie Export, Leo Kandl, Elfriede Mejchar, Heinz Cibulka, Renate Bertlmann, Josef Wais, Horáková + Maurer, Gottfried Bechtold, Friedl Kubelka, Branko Lenart, INTAKT – Die Pionierinnen (Renate Bertlmann, Moucle Blackout, Linda Christanell, Lotte Hendrich-Hassmann, Karin Mack, Margot Pilz, Jana Wisniewski), Inge Dick, Lisl Ponger, Hans Kupelwieser, Robert Zahornicky, Ingeborg Strobl, Michael Mauracher, Prinzgau/podgorschek, Maria Hahnenkamp, Robert F. Hammerstiel, Sabine Bitter & Helmut Weber und Micha gezeigt.ela Moscouw, Günther Selichar, Heidi Harsieber, Christian Wachter, Andrea van der Straeten und Karl-Heinz Klopf gezeigt.
Werkschau XXX:
Sigrid Kurz
here we are we here
Eröffnung und Katalogpräsentation: Montag, 20. Oktober 2025, 19.00 Uhr
Einführende Worte: Ruth Horak
Artist Talk mit Nela Eggenberger: Freitag, 7. November, 18.00 Uhr
Guided Gallery Tour: Samstag, 8. November, 12–13.30 Uhr
Ausstellungsdauer: 21. Oktober bis 22. November 2025