Anlässlich der Bauernkriege präsentieren das Vorarlberg Museum und das Kunsthaus Bregenz zwei Bauernsäulen. Albrecht Dürer begegnet Marko Lehanka im Atrium des Vorarlberg Museums.
Im Jahr 1525, nach der Erhebung der Bauern, entwirft Albrecht Dürer ein Denkmal. In seiner theoretischen Schrift "Underweysung der Messung" hat er den Holzstich einer Säule als Illustration verwendet. Dürer hat den Aufbau durch Maßzahlen gegliedert, als wolle er den Aufruhr in eine geometrische Ordnung bannen. Die Säule besteht aus einer Vielzahl an Alltagsgegenständen, die übereinander gestapelt wurden. Darunter finden sich ein Ofen, eine Kanne, ein Bündel Getreide sowie landwirtschaftliche Geräte. Die Spitze der Säule wird von einer sitzenden Figur gekrönt, die sich einfach kleidet, den Hut tief ins Gesicht zieht und deren Rücken von einem Schwert durchbohrt wird. Dürers Bauernkriegsmonument ist durchaus mehrdeutig. Erinnert es an die Besiegten oder feiert es die Sieger? Ist es eine Mahnung an den unterdrückten Bauernstand, für seine Rechte aufzustehen, oder ist es ein Sinnbild für die restaurierte Macht von Kirche und Adel nach der Niederschlagung des Aufstands?
Fast fünf Jahrhunderte später – 1999 und 2019 – greift der deutsche Künstler Marko Lehanka Dürers Entwurf in zwei Versionen auf und antwortet mit seinem Werk. In seiner „Bauernsäule“ verwandelt er ihn in eine fünf Meter hohe Skulptur, die humorvoll und kritisch zugleich ist. Auch hier türmen sich Kannen, Eimer, ein Fass und Fundstücke, darüber befindet sich eine Getreidegarbe. Ganz oben sitzt eine kleine, groteske Gestalt und raucht gelassen eine Zigarette. Es ist, als hätte sie die Geschichte überlebt und dabei ihre Bitterkeit in Gleichmut verwandelt. So wird sie zum Gegendenkmal: eine Erinnerung an den Aufstand von 1525, an das Scheitern der Befreiung und an die Würde jener, die in den Archiven der Geschichte kaum eine Stimme haben – hier aber, zwischen Milchkannen, Hufeisen und einer Perücke, ihr widerspenstiges Denkmal erhalten haben.
In der Installation im Atrium des Vorarlberg Museums werden Lehankas Werk und historische Bezüge aus der Region einander gegenübergestellt. In den Quellen zeigt sich, dass auch in Vorarlberg um das Jahr 1525 der Funke der Empörung glomm: Es gab den Wunsch nach freier Pfarrerwahl, Beschwerden über Abgaben und Nutzungsrechte und sogar Solidaritätsaktionen mit aufständischen Allgäuer Bauern. Die Erinnerung an diese Unruhen – an Macht, Unterdrückung und Hoffnung – wurde in der Landesgeschichte meist einseitig überliefert. Heute, 500 Jahre später, ist sie Anlass zur kritischen Reflexion über soziale Gerechtigkeit, politische Teilhabe und Erinnerungskultur.
1525 – Siegessäule für eine Niederlage
Bis zum 22. Februar 2026