Shirana Shahbazi – experimenteller Umgang mit dem Medium Fotografie

Spiegelung, Überlagerung, Wiederholung – mit ihrer künstlerischen Herangehensweise werden von Shirana Shahbazi (*1974) vielschichtige Räume geschaffen, in die das Publikum visuell eintaucht. Von der analogen Fotografie kommend, bleibt die Zürcher Künstlerin seit 30 Jahren ihrem Medium treu, wobei sie unterschiedlichste Techniken und Verfahren einbindet. Häufig geht die Entstehung eines Werkes von einem Bild aus, das Shahbazi als Ausgangspunkt wählt und in einem komplexen Prozess weiterentwickelt.

Charakteristisch für Shahbazis Schaffen ist ein experimenteller Umgang mit dem Medium Fotografie. Ihre Arbeiten zeigen Landschaften, Gebäude, Personen und Objekte. Mithilfe verschiedener Drucktechniken wie Siebdruck oder Lithografie übersetzt sie ihre Bilder in vielschichtige Darstellungen. Die Werke oszillieren zwischen Figuration und Abstraktion und spielen mit dem Moment des Uneindeutigen. Dies spiegelt sich beispielsweise in der seit 2023 fortlaufenden Serie „Displacement” wider. Dafür fotografiert sie Modelle architektonischer Fragmente, die sie im Studio bühnenhaft inszeniert. Aus mehreren Perspektiven im analogen Schwarz-Weiß-Verfahren fotografiert, entstehen mehrschichtige Abzüge, die die Künstlerin mit von Hand aufgetragenen lasierenden Farbverläufen erweitert. In der Serie „Displacement” verschmelzen Räume, in denen nicht klar ist, wo oben und unten oder innen und außen ist. Mehrschichtige, komplexe Räume zu schaffen ist ein wiederkehrendes Motiv in Shahbazis Schaffen, mittels dessen sie das Verhältnis von Realität, Wirklichkeit und Wahrnehmung auslotet. Dies zeigt sich auch in ihrer Videoarbeit „An Other Place“ (2023). Darin experimentiert sie erstmals mit 16-mm-Film. Für die Ausstellung kreiert Shahbazi eine neue Videoarbeit.

In der Ausstellung präsentiert Shahbazi Werke aus verschiedenen Schaffensperioden. In einem dichten Geflecht aus Oberflächen, Formaten, Farben und Licht ist ihr Œuvre komplett losgelöst von Ort und Zeit, gleichzeitig jedoch im Museumsraum verankert. Neben ihren Arbeiten sind in der Ausstellung auch Werke von Li Tavor und Monir Shahroudy Farmanfarmaian zu sehen. Tavor reagiert im Zusammenspiel mit der Ausstellungsarchitektur auf diese mit von der Decke hängenden Latexbahnen. Je nach Blickrichtung überlagern sich diese mit Shahbazis Werken an der Wand. So entsteht ein dreidimensionaler Dialog, den das Publikum räumlich erfahren kann.

Shirana Shahbazi
All at Once. An Interplay with Li Tavor
bis 18.10.2026
Kuratiert von Fanni Fetzer