Sexarbeit – Erfahrungen aus der Schweiz

Obwohl Sexarbeit in der Schweiz seit über 80 Jahren legal ist, bleibt der Umgang mit ihr in der Öffentlichkeit umstritten. Zwischen Stigmatisierung, rechtlicher Regulierung und dem Anspruch auf Selbstbestimmung macht sie zentrale gesellschaftliche Spannungsfelder sichtbar: Fragen nach Privilegien, Macht, Sexualität und Geschlecht ebenso wie Themen rund um Migration, Rassismus, Armut und soziale Ungleichheit.

Genau hier setzt die neue Ausgabe des Formats „Erfahrungen Schweiz” im Landesmuseum Zürich an. Im Zentrum der Videoinstallation stehen elf Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die über ihre Erfahrungen in der Sexarbeit sprechen. Ihre persönlichen Geschichten eröffnen einen seltenen Einblick in Lebensrealitäten, die oft verborgen bleiben. Die Interviews zeigen, wie unterschiedlich die Wege in die Sexarbeit sein können und wie stark individuelle Lebensumstände diese Tätigkeit prägen.

Die porträtierten Personen erzählen von finanziellen Notsituationen, Migrationserfahrungen, familiären Verpflichtungen oder dem Wunsch nach Selbstbestimmung. Einige von ihnen fanden aufgrund wirtschaftlicher Zwänge zur Sexarbeit, andere schätzen die damit verbundene Flexibilität oder die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Arbeitsleben zu führen. Zugleich berichten die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von Stigmatisierung, Gewalt und Diskriminierung, aber auch von Solidarität, Eigenständigkeit und beruflichem Stolz.

Ergänzend zur Videoinstallation vermittelt eine interaktive Medienstation historische Entwicklungen, rechtliche Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Debatten rund um Sexarbeit. Deren Geschichte ist eng mit Moralvorstellungen verbunden – von „Dirnenregistern” der Polizei in den 1950er-Jahren über feministische Auseinandersetzungen in den 1970er-Jahren bis hin zu heutigen Diskussionen um Menschenhandel, Arbeitsrechte und ein mögliches Sexkaufverbot.

Das Format „Erfahrungen Schweiz” verzichtet bewusst auf klassische Museumsobjekte. Stattdessen stehen Stimmen, Erinnerungen und persönliche Erfahrungen im Mittelpunkt. Die großformatige Projektion mit Kopfhörern schafft eine unmittelbare, immersive Begegnung mit den Erzählungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Das Konzept und die Umsetzung dieser Ausgabe von „Erfahrungen Schweiz” entstanden partizipativ in Zusammenarbeit mit Sexarbeitenden des Sexworkers Collective.

Erfahrungen Schweiz – Sexarbeit
Die Videoinstallation ist bis 1. November 2026 und vom 12. Januar bis 25. April 2027 im Landesmuseum Zürich zu sehen.