Sepp Auer zählt seit den 1970er-Jahren zu den prägenden Persönlichkeiten der österreichischen Skulptur. Das Schlossmuseum Linz würdigt das Spätwerk und das ungebrochene künstlerische Schaffen des österreichischen Bildhauers und Installationskünstlers mit der Ausstellung "Linie – Fläche – Raum". Zu sehen sind Arbeiten der letzten Jahre.
Sepp Auers konzeptuelle und minimalistische Arbeiten beginnen mit dem Bild und entfalten sich dann skulptural im Raum zu vielschichtigen, präzise gesetzten Installationen. Seine Werke sind mit Text und Schrift sowie Stützen oder Barrieren versehen. Sie eröffnen neue Perspektiven auf Linie, Fläche und Raum, fordern Sehgewohnheiten heraus und brechen Wahrnehmungsmuster auf. Die Bild-Objekte, Sockel und Bodenplastiken kommentieren die Gegenwart und fallen mit dem für Sepp Auer charakteristischen feinen Humor aus dem Rahmen.
Was ist ein Bild? Die Neugier auf die Welt und unsere Gegenwart ist die treibende Kraft des „Bild-Hauers“ Sepp Auer. In der Kunst treibt ihn aber auch die Auseinandersetzung mit bildimmanenten künstlerischen Fragestellungen und der Sprache, in der sich bildnerisches Gestalten ausformuliert. Ausgehend von Leinwänden im Format 140 × 100 cm stellt Sepp Auer das Bild selbst zur Disposition. Denn Wahrnehmung funktioniert so, dass man sich vor allem an das abgebildete Motiv erinnert und weniger an die Bildträger des Sujets. Zentral in seiner künstlerischen Auseinandersetzung ist die Ausführung der Bildidee, die mediale Umsetzung des Konzeptionellen auf Leinwand, Papier oder als dreidimensionale Form.
Bei Sepp Auer stehen die Leinwände am Boden, sie hängen schräg an der Wand oder werden durch Metallkonstruktionen wie Rahmen, Gitter oder Metallplastiken gestützt, konterkariert oder sogar an der Wand gehalten. Vor dem 2018 entstandenen Gemälde einer Abendstimmung, das mit dem klassisch graphitfarbenen „Schlosserlack“ lasiert wurde, bildet geschweißtes Formrohr eine Absperrung. Dies ist ein durchaus ironischer Kommentar zum üblichen musealen Objektschutz. In seinen jüngsten Arbeiten verwendet Auer gerahmte ältere Zeichnungen, die er mit Metallobjekten zu „Bodenarbeiten“ erweitert. „Wer macht das denn sonst, außer dem Auer?“, fragt der Künstler selbstironisch.
Auch die sonst untergeordneten Sockel unterzieht Sepp Auer einer Untersuchung: Anstatt Skulpturen zu präsentieren, verhilft der Künstler ihnen zur Eigenständigkeit. So wird der Sockel zum Träger eines I-Trägers aus Aluminium, der auf die nahen Aluminiumwerke in Ranshofen verweist und mit einem Zitat des bedeutenden Konzeptkünstlers Gustav Metzger auf die Qualität des industriell und maschinell Gefertigten seit der Minimal Art in der Kunst aufmerksam macht. Mit ergänzenden Texten verweist Sepp Auer auf die werbliche, bisweilen aufdringliche Kommunikation der Gegenwart – und das mit seinem für ihn typischen Humor.
Der kontinuierliche Austausch und Dialog mit anderen Künstlerinnen und Künstlern – etwa in der Zusammenarbeit mit Franz West – spiegelt sich in der Offenheit seines Werkes und seiner anhaltenden künstlerischen Weiterentwicklung wider. Selbst im fortgeschrittenen Alter experimentiert er unablässig und erweitert konsequent seinen Formenkanon. Denn Neugier ist für ihn als Künstler eine Selbstverständlichkeit, wie sein Leitgedanke „Was passiert, wenn?” verdeutlicht.
Sepp Auer, 1939 in Braunau am Inn geboren, lebt und arbeitet in St. Peter am Hart in Oberösterreich. Von 1975 bis 2004 lehrte der Künstler und gelernte Meister-Schlosser an der Universität für angewandte Kunst Wien, zuletzt als Leiter der Meisterklasse für Bildhauerei. In seiner Lehrtätigkeit hat er viele Künstler:innen und die abstrakte Bildhauerei in Österreich maßgeblich geprägt, nicht zuletzt auch in Kooperationen wie mit Franz West.
Sepp Auer
Linie, Fläche, Raum
Bis 27.09.2026